An der Basis arbeiten

Sport / 25.11.2019 • 22:54 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Niederlagen gehören zum Sport und können nicht rückgängig gemacht werden. Bei der Lustenauer Austria ist nach den Rückschlägen gegen Amstetten und Lafnitz die Ernüchterung groß. Die Ziele müssen nach einer durchzogenen Herbstsaison neu definiert werden. Der schwache Auftritt gegen Lafnitz hat meiner Meinung nach nichts mit Taktik, System oder Spielplan zu tun. Nein, es fehlt der Mannschaft die Leidenschaft, Woche für Woche alles für den Klub zu geben. Über mehrere Runden auf einem Top-Level zu spielen, ist offensichtlich das große Problem der Austria-Kicker. Vielleicht fehlt es an Selbsteinschätzung, Selbstkritik oder gar an Bodenständigkeit? Die Austria ist von einem Topteam derzeit weit entfernt. Zwischen Anspruch (Aufstieg) und Wirklichkeit (Rang neun) klafft eine große Lücke. Dies unterstreicht auch die magere Heimbilanz von drei Siegen.

Zwei Baustellen

Analysiert man die letzten beiden Spiele, dann sind für mich zwei Faktoren besonders auffallend: Die Austria hat ein schlechtes Zweikampfverhalten, spielt zu körperlos. Gegen Mannschaften, die hoch anpressen, finden die Spieler in Bedrängnis kaum Lösungen. Die Arbeit gegen den Ball ist nicht gut und sollte weiter vorne beginnen. Dazu fehlt mir im Mittelfeld die Aggressivität, gemeinsam den Ball erobern zu wollen. Der entscheidende Gegentreffer beim 0:1 zu Hause gegen Lafnitz zeigt die Schwächen knallhart auf: Nach einer Kopfballabwehr durch Abwehrchef Sebastian Feyrer wird Matthias Morys 20 Meter vor dem Tor von Lafnitz-Spieler David Otter mit einer Finte verladen. Der Deutsche dreht sich einfach weg, so darf sich ein Profispieler auf diesem Niveau nicht verhalten.

Auch Michael Lageder und Alexander Ranacher attackierten in der Folge nicht richtig und kamen zu spät, um die Passlinie zu schließsen. Dadurch öffnete sich für Otter die Lücke zu Bernd Kager, der im Strafraum ohne Gegenspieler war und so den entscheidenden Siegtreffer erzielen konnte. Die Offensive gewinnt Spiele, die Defensive Meisterschaften – dieser Weisheit sollten sich die Austria-Kicker in Zukunft annehmen.

Der Kader gibt mehr her

Mein Fazit: In der Winterpause wird sich die Austria auf die Suche nach der zündenden Idee machen müssen. Fakt ist, der Kader gibt mehr her, als der momentane Tabellenstand zeigt. Die Frage ist, in welche Richtung der Verein steuert. Schenkt man den Spielern das nötige Vertrauen? Oder werden schon im Winter mit einem klaren Plan die Weichen für den nächsten Anlauf in Richtung Bundesliga stellt?

Dieter Alge (53) arbeitet beim Liechensteiner Fußballverband und ist U-17-Nationaltrainer.