Im Olympiaeiskanal glühten Bludenzer Kufen

Sport / 25.11.2019 • 22:17 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
8029 Tage nach dem letzten Triumph von Andrea Tagwerker am 30. November 1997 sorgte Jonas Müller für den nächsten Bludenzer Weltcuperfolg im Einsitzer.GEPA
8029 Tage nach dem letzten Triumph von Andrea Tagwerker am 30. November 1997 sorgte Jonas Müller für den nächsten Bludenzer Weltcuperfolg im Einsitzer.GEPA

Sprintweltmeister Jonas Müller zeigt bei Weltcup in Innsbruck
groß auf und freut sich über Debüt von Bruder Yannick.

Innsbruck-Igls Die Olympiabahn in Innsbruck-Igls ist nicht nur die sportliche Heimstätte von Vorarlbergs Rodlern. Die 1270 Meter lange und 14 Kurven aufweisende Eisrinne wurde gerade im letzten Jahr zu einer Stätte des Erfolges für die Nationalkaderathleten des RC Sparkasse Bludenz. Vor einem Jahr schoben sich Thomas Steu und sein Tiroler Partner Lorenz Koller beim Heimweltcup mit Triumphen im Sprint und olympischen Doppelsitzer ins Rampenlicht. Zum Auftakt in dieser Weltcupsaison war es Jonas Müller, der im Blitzgewitter der Fotografen stand und zum Objekt der Begierde der Fachjournalisten wurde. Exakt 303 Tage nach dem Gewinn des Weltmeistertiteln im Sprint am 25. Jänner in Winterberg stand der 22-jährige Bludenzer erstmals bei einem Weltcupbewerb ganz oben auf dem Siegerpodest. Der HLSZ-Sportsoldat bestätigte mit zwei bärenstarken Läufen die Trainingsleistungen der letzten Tage, markierte im ersten Durchgang mit 50,539 Sekunden die Bestmarke und fixierte mit der viertschnellsten Zeit im zweiten Durchgang seinen ersten Weltcupsieg. „Rückwirkend betrachtet hat sich die Maßnahme, aufgrund der Rückenprobleme in den letzten Trainingsläufen etwas dosiert zu agieren, als goldrichtig erwiesen. Ich habe die Erwartungshaltung komplett verdrängt und bin dadurch mit einer gewissen Lockerheit an den Start gegangen. Im Summe war es einfach ein genialer Tag, ein mehr als perfekter Saisonstart, und nun gilt es, die Leistung in den Rennen in Übersee zu bestätigen und nach dem Jahreswechsel bei den weiteren Weltcuprennen und natürlich der WM fortzusetzen“, frohlockte Müller nach dem goldenen Abschluss seines 13. Weltcuprennens. Bislang hatte der Bludenzer als bestes Resultat ein vierten Platz in Berchtesgaden-Königssee 2019 zu Buche stehen. Im Vorjahr hatte Müller beim Saisonstart in Innsbruck-Igls Rang 24 belegt.

Eine der ersten Gratulant(inn)en nach Müllers Premierensieg im Weltcup war Andrea Tagwerker. Die heute 49-Jährige ist immer noch ganz eng mit dem rot-weiß-roten Rodelsport verbunden. Sie sorgte mit ihrem Erfolg am 30. November 1997 in Berchtesgaden-Königssee für den bislang letzten Bludenzer Weltcupsieg im Einsitzer. Die Olympia-Dritte von 1994 und dreifache Teamweltmeisterin hat im Verlauf ihrer Karriere zwei Weltcuprennen gewonnen und war in der Saison 1996/97 die bislang letzte Weltcup-Gesamtsiegerin, die nicht aus Deutschland kam.

Für die beiden Rennen am kommenden Wochenende in Lake Placid (USA) bzw. am 13./14. Dezember in Whistler Mountain (Can) sieht sich Jonas Müller trotz der Bilderbuchstarts zum Saisonstart nicht in der Favoritenrolle. „Trotz der großen Freude über den Auftakt wie im Bilderbuch gibt es für mich keinen Grund, den Boden unter den Füßen zu verlieren und übermütig zu werden. Jede Bahn hat ihre Besonderheiten und Eigenheiten, und die Konkurrenz ist hochkarätig. Ich werde so wie in Igls fokussiert an die Sache herangehen und versuchen, den maximalen Erfolg zu holen.“

Gelungenes Debüt

Neben der Freude über seinen eigenen Erfolg, zu dem neben dem ersten Rang im Einsitzer am zweiten Tag noch ein zweiter Platz dazugekommen ist, hat sich der neue Weltcup-Gesamtführende über die Leistungen seines um 22 Monate jüngeren Bruders Yannick gefreut. Der 20-jährige Bludenzer ist im Sommer vom Ein- auf den Doppelsitzer gewechselt, er bildete mit dem Tiroler Armin Frauscher (25) das zweite ÖRV-Doppelsitzerduo in Innsbruck-Igls. Bei ihrem ersten Auftritt auf höchster Ebene lieferte das neuformierte Gespann als Dritter im Nationencup eine gelungene Talentprobe ab, bestätigte die Leistung im Weltcuprennen mit der 18. und achten Laufzeit und verfehlte als Gesamt-Elfter um 0,213 Sekunden die Top-Ten-Plätze. „Natürlich war schon etwas mehr Nervosität dabei, als wir es uns vorgestellt haben. Wir haben speziell im ersten Lauf einige Fehler eingestreut. Trotzdem überwiegt natürlich die Freude über das gelungene Debüt. Jetzt gilt es die Entwicklung kontinuierlich fortzusetzen und Konstanz in die Leistung zu bringen“, bestätigte Yannick Müller.

Ränge zwei und drei für Steu

Nicht wirklich unzufrieden, aber auch nicht restlos zufrieden zeigte sich Routinier Thomas Steu. Nach dem triumphalen Saisonauftakt im Vorjahr mit Siegen im olympischen Doppelsitzer und im Sprint belegten der 25-jährige Bludenzer und sein gleichaltriger Tiroler Teamkollege Lorenz Koller den dritten Rang im Doppelsitzer und wurden in der Teamstaffel zusammen mit Lisa Schulte und Jonas Müller mit 0,025 Sekunden Rückstand auf die siegreichen Italiener Zweiter. „Es ist nicht alles ganz so aufgegangen, wie wir es uns vorgenommen haben. Im ersten Lauf waren einige kleine Fahrfehler dabei, die haben dafür gesorgt, dass wir nur Achter wurden. Mit der zweitschnellsten Zeit im zweiten Lauf und der Tagesbestmarke im Teambewerb hat man dann gesehen, dass der Speed passt. In Anbetracht der Vorgeschichte und durch die Handverletzung von Lorenz haben wir mit dem dritten Rang das Maximum herausgeholt, und bei den Überseerennen wollen wir wieder ganz vorne mitmischen“, betont Steu kämpferisch.

„Trotz des perfekten Saisonauftaktes gibt es keinen Grund übermütig zu werden.“

Thomas Steu und Lorenz Koller wurden Dritter im Doppelsitzer und durften sich zudem mit Jonas Müller und Lisa Schulte über Silber in der Teamstaffel freuen. Die Debütanten Yannick Müller (unten links) und Armin Frauscher freuen sich nach ihrem elften Rang über einen Fixstartplatz in der Gesetztengruppe. GEPA
Thomas Steu und Lorenz Koller wurden Dritter im Doppelsitzer und durften sich zudem mit Jonas Müller und Lisa Schulte über Silber in der Teamstaffel freuen. Die Debütanten Yannick Müller (unten links) und Armin Frauscher freuen sich nach ihrem elften Rang über einen Fixstartplatz in der Gesetztengruppe. GEPA
8029 Tage nach dem letzten Triumph von Andrea Tagwerker am 30. November 1997 sorgte Jonas Müller für den nächsten Bludenzer Weltcuperfolg im Einsitzer.GEPA
8029 Tage nach dem letzten Triumph von Andrea Tagwerker am 30. November 1997 sorgte Jonas Müller für den nächsten Bludenzer Weltcuperfolg im Einsitzer.GEPA