Baby bremste Vettel

Sport / 28.11.2019 • 21:07 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Sebastian Vettel kann nach der Geburt seines Sohnes in Abu Dhabi befreit Gas geben.Reuters
Sebastian Vettel kann nach der Geburt seines Sohnes in Abu Dhabi befreit Gas geben.Reuters

Ferrari-Star wurde wird kurz vor Saisonfinale in Abu Dhabi erneut Vater.

abu Dhabi Sebastian Vettel wird wohl müde sein und ein bisschen gehetzt, wenn er in Abu Dhabi in seinen Ferrari steigt – aber vermutlich auch so glücklich wie selten in diesem Jahr. Und das hat rein gar nichts mit der Formel 1 zu tun. Vettel ist Vater geworden, zum dritten Mal, und kurz vor dem Finale einer Saison zum Vergessen steht mal nicht der Sport im Vordergrund.

Als das letzte Rennwochenende des Jahres langsam Fahrt aufnahm, fehlte der 32-Jährige überraschend. Die Pressekonferenz auf der Yas-Insel fand ohne Vettel statt, er war in seiner Schweizer Wahlheimat geblieben: Bei seinem ersten Sohn, der am Mittwoch zur Welt gekommen war, bei Ehefrau Hanna und den beiden Töchtern (4 und 5 Jahre).

Kein Drama bei der Scuderia

Vettel reiste verspätet an, heute will er aber pünktlich im Auto sitzen, um doch noch Schwung zu holen für das Rennen am Sonntag (14.10 Uhr). Ein letztes Mal muss er sich in diesem Jahr dann einem Thema stellen, das diese Saison geprägt hat: dem Teamduell mit Charles Leclerc.

Und das eskalierte zuletzt derart, dass die 2019 ohnehin mal wieder schwer geschlagenen Ferraris sich dem Ende des Jahres nur noch entgegenschleppen. Denn der Crash in Brasilien hatte sichtbar gemacht, was spätestens seit der Sommerpause unter der Oberfläche gärte: Beide Piloten haben den Anspruch auf den Nummer-1-Status im Team, und keiner will zurückstecken.

Es gebe kein Drama, Vettel und Leclerc kämen grundsätzlich gut miteinander aus, beteuerte Ferrari-Teamchef Mattia Binotto zuletzt zwar. Doch zweifellos ist die interne Rivalität einer der Gründe, weshalb die Scuderia letztlich erneut chancenlos gegen Lewis Hamilton und die Silberpfeile war. Und was man bei Ferrari im Sinne der Deeskalation nicht so recht aussprechen mag, ist für Außenstehende ziemlich klar: Der Verlierer des Kampfes um die Hierarchie ist das Team. Und für 2020 besteht Handlungsbedarf.

Starkes Auto genügt nicht

„Wenn Ferrari die Dominanz von Mercedes wirklich beenden will, dann genügt ein starkes Auto nicht“, sagt Ross Brawn, lange Jahre Ferraris Technischer Direktor und heute Sportchef der Formel 1: „Dann dürfen sich solche Situationen nicht wiederholen. Formel 1 ist ein Teamsport.“

Wer wäre die ideale Nummer eins? Der Trend zumindest spricht eindeutig für Leclerc. Seit der Sommerpause holte der 22-Jährige fast 50 WM-Punkte mehr als Vettel. Dessen Chancen, den Rivalen in Abu Dhabi noch von WM-Rang vier zu verdrängen, sind eher theoretischer Natur: Vettel bräuchte einen Sieg und reichlich Schützenhilfe.

Allerdings wirkt eine klare Rangordnung bei Ferrari in der aktuellen Besetzung ohnehin nicht wie eine echte Option. Zu groß sind die Ansprüche des viermaligen Weltmeisters Vettel, zu groß sind das Talent und der Ehrgeiz Leclercs. So dürfte die Scuderia diese Herausforderung wohl mit ins neue Jahr nehmen, auch 2020 könnte viel Frust bereithalten.

Wenigstens wurde Vettel in dieser Woche mal wieder ins Gedächtnis gerufen, dass es wichtigere Dinge gibt als die Formel 1.

Formel 1

Grand Prix Abu Dhabi

Heute

1. freies Training 10.00 Uhr

2. freies Training 14.00 Uhr

Samstag

3. Freies Training 11.00 Uhr

Qualifikation 14.00 Uhr

Sonntag

Grand Prix von Abu Dhabi 14.10 Uhr

Fernsehen: Live ORF 1, SRG, RTL, Sky