Der König und sein Kunstwerk

Sport / 01.12.2019 • 20:53 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
In unwiderstehlicher Manier hat der sechsmalige Formel-1-Weltmeister Lewis Hamilton beim Saisonfinale noch einmal seine Ausnahmestellung bestätigt.AFP
In unwiderstehlicher Manier hat der sechsmalige Formel-1-Weltmeister Lewis Hamilton beim Saisonfinale noch einmal seine Ausnahmestellung bestätigt.AFP

Lewis Hamilton zog in Abu Dhabi noch einmal alle Register seines Könnens.

Abu Dhabi Das krachende Feuerwerk erleuchtete den Nachthimmel über Abu Dhabi, Lewis Hamilton malte mit rauchenden Reifen in seinem silbernen Wunderauto Kreise auf die Rennstrecke – und die Formel 1 feierte ihren alten, neuen und irgendwie ewigen Weltmeister. Mit seinem Sieg beim Saisonfinale hatte der Mercedes-Star die jungen Herausforderer Max Verstappen im Red Bull und Charles Leclerc im Ferrari noch einmal deutlich geschlagen – und den einstigen Dauerrivalen Sebastian Vettel geradezu deklassiert. Der Ferrari-Pilot musste sich in Abu Dhabi mit dem fünften Rang begnügen. „Ich bin stolz, aber vor allem dankbar für dieses unglaubliche Team“, sagte Hamilton nach seinem 250. Rennen. Der sechste WM-Titel des Engländers hatte bereits seit Wochen festgestanden: „Der Silberpfeil ist ein Kunstwerk, und wir haben es in diesem Jahr geschafft, immer mehr herauszupressen.“

Auch 2020 der Topfavorit

Die Konkurrenz darf nach dieser Machtdemonstration nun eine Gewissheit mit in die Winterpause nehmen: Hamilton regiert die Königsklasse auch im Alter von 34 Jahren nach seinen Regeln, und er bleibt mit Blick auf die kommende Saison der Topfavorit. „Ich bin glücklich, in einer Zeit zu fahren, in der so starke junge Fahrer nachrücken“, sagte der Champion mit Blick auf Verstappen und Leclerc, die neben ihm das Podest bestiegen: „Ich hoffe, dass es nächstes Jahr noch enger wird.“

Für Vettel passte das Finale ins Bild des absolut enttäuschenden Jahres 2019. Nach einem schwachen Qualifying, einem neuerlichen Fehler seiner Boxencrew und einer überschaubaren Rennleistung kam der Deutsche mehr als eine Minute nach Hamilton ins Ziel. Er schließt die Saison auf WM-Rang fünf ab, das ist sein schlechtestes Resultat in fünf Jahren bei Ferrari. „Ich weiß, dass ich mich steigern muss und kann. Der Speed ist da, aber natürlich fehlt uns ziemlich viel auf die Jungs nach vorne. Ich lasse mich jedenfalls nicht unterkriegen.“

Vettels Teamkollege Leclerc musste noch lange nach dem Rennen um seinen dritten Platz bangen. Die Stichprobenmessung der Regelhüter vor dem Start hatte ergeben, dass der Ferrari des Monegassen mehr Benzin an Bord hatte als vom Team angegeben. Die Stewards ließen Leclerc dennoch starten – und baten Ferrari erst eine Stunde nach Rennende zum Rapport.

Verstappen vor Leclerc

Hamilton kam von der Pole Position gut weg und hatte mit dem Gedränge dahinter nichts zu tun, Leclerc ging dagegen schnell an Verstappen vorbei auf Rang zwei. Spannend wurde es noch einmal im Duell der Jungstars, doch Verstappen ging mit frischeren Reifen an Leclerc vorbei und sicherte sich WM-Rang drei hinter Hamilton und Bottas. Das Podest in der Nacht von Abu Dhabi wirkte wie eine Vorschau auf den Titelkampf 2020 – der König und seine Kronprinzen unter sich.