Das Urteil: Fünf Jahre für Seisenbacher

Sport / 02.12.2019 • 21:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Österreichs zweifacher Judo-Olympiasieger Peter Seisenbacher bei der Ankunft im Gerichtssaal.Reuters
Österreichs zweifacher Judo-Olympiasieger Peter Seisenbacher bei der Ankunft im Gerichtssaal.Reuters

Einer der erfolgreichsten Sportler des Landes wurde als Kinderschänder verurteilt.

Wien Ein Schöffensenat am Wiener Landesgericht verhängte über Peter Seisenbacher, den Judo-Olympiasieger von Los Angeles 1984, der vier Jahre später seinen Titel bei den Sommerspielen in Seoul verteidigen konnte, eine fünfjährige Freiheitsstrafe. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Der mittlerweile 59-Jährige wurde nach zweitägiger Verhandlung in vollem Umfang der Anklage und somit wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Unmündigen, sexuellen Missbrauchs von Unmündigen und Missbrauch eines Autoritätsverhältnisses schuldig erkannt.

Alle drei Belastungszeuginnen, die gegen das einstige Sport-Idol ausgesagt hatten, waren für das Gericht „außerordentlich glaubwürdig“, wie der Vorsitzende Christoph Bauer betonte. „Wir haben nicht den Eindruck gehabt, dass die drei lügen, dass die drei sich geirrt haben, dass die drei sich gegen Sie verschworen haben“, meinte Bauer in seiner Urteilsbegründung unter Anspielung auf Seisenbachers Verantwortung, der sich zu Beginn der Verhandlung als Opfer einer Verschwörung bezeichnet und nicht schuldig bekannt hatte.

Urteil noch nicht rechtskräftig

Bei der Strafbemessung wurden Seisenbachers bisherige Unbescholtenheit, der lange zurückliegende Deliktszeitraum und dass seit rund 15 Jahren keine weiteren strafbaren Handlungen des Ex-Judokas bekannt geworden sind mildernd gewertet. Erschwerend berücksichtigte der Senat das Zusammentreffen mehrerer Verbrechen und Vergehen, dass es mehrere Opfer gegeben hat und den langen Deliktszeitraum. Das verhängte Strafausmaß ließ keinen Platz für eine teilbedingte oder gar bedingte Strafnachsicht. Das ist bei einer mehr als dreijährigen Haftstrafe gesetzlich ausgeschlossen.

Seisenbacher blieb während der Urteilsverkündung gefasst und nahm den Ausgang des Strafverfahrens nach außen emotionslos zur Kenntnis. Sympathisanten im Zuschauerraum – vor allem Vertreter der heimischen Judo-Szene, aber auch der ukrainische Anwalt Seisenbachers waren anwesend – reagierten dagegen teilweise entsetzt. Auf die Frage des vorsitzenden Richters, ob er das Urteil verstanden habe, nickte Seisenbacher kurz. Das Gericht sprach zwei Betroffenen außerdem ein symbolisches Schmerzengeld von je zehn Euro, der dritten 100 Euro zu. Verteidiger Bernhard Lehofer erbat Bedenkzeit, Staatsanwältin Ursula Schrall-Kropiunig gab vorerst keine Erklärung ab. Damit hat der Richterspruch keine Rechtskraft.

Das erste Mädchen, an dem sich Seisenbacher laut erstinstanzlichem Urteil vergriffen hat, war neun Jahre alt, als er als ihr Trainer die ersten Missbrauchshandlungen setzte. Diese dauerten mehrere Jahre an. Den Betroffenen – der ehemalige Seisenbacher-Schützling lebt inzwischen als Mann –, der in der Vorwoche unter Ausschluss der Öffentlichkeit vernommen wurde, ließ der Richter in seiner Urteilsbegründung mehrfach zu Wort kommen, indem er Passagen aus der Zeugenbefragung zitierte.

Nicht nur die Judo-Szene, auch weite Teile der Öffentlichkeit hatten ungläubig reagiert, als seinerzeit bekannt wurde, dass die Wiener Staatsanwaltschaft gegen Seisenbacher Ermittlungen wegen sexuellen Missbrauchs von Unmündigen aufgenommen hatten. Seisenbacher blieb nach dem Ende seiner aktiven Karriere für viele ein Idol. 1996 wurde ihm das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich verliehen. Er selbst gründete in Wien einen eigenen Judo-Verein, wo er den nunmehrigen gerichtlichen Feststellungen zufolge erstmals 1997 ein Kind körperlich zu bedrängen begann. Von 1999 an kam es zu geschlechtlichen Handlungen, die sich bis zur Vollendung des 14. Lebensjahres der Betroffenen wiederholt haben sollen. Der Angeklagte hatte bis zum Schluss der Verhandlung sämtliche Vorwürfe bestritten. „Sie sagen die Unwahrheit“, bekräftigte er am zweiten Verhandlungstag auf Vorhalt der Angaben der Belastungszeuginnen.