Roman Mählich über seine 80 Tage bei Austria Lustenau

Sport / 04.12.2019 • 18:00 Uhr / 8 Minuten Lesezeit
Seit September 2019 ist Roman Mählich bei Austria Lustenau als Cheftrainer tätig. GEPA
Seit September 2019 ist Roman Mählich bei Austria Lustenau als Cheftrainer tätig. GEPA

Austria-Lustenau-Trainer Roman Mählich mit einem Resümee seiner bisherigen Amtszeit in der Marktgemeinde.

Markus Krautberger

Lustenau Am 16. September war es so weit: Austria Lustenau präsentierte nach der Trennung von Gernot Plassnegger den gebürtigen Niederösterreicher Roman Mählich als neuen Cheftrainer. Für den 20-fachen ehemaligen Nationalspieler Österreichs ist die Austria nach Wr. Neustadt und Sturm Graz die dritte Station als Trainer im Profibereich. Nun sind 80 Tage vergangen und der zweifache Meister und dreifache Cupsieger als Spieler des SK Sturm gibt den Vorarlberger Nachrichten einen Einblick in seine Arbeit.

Herr Mählich, wie sieht Ihr Fazit der Herbstsaison aus?

Roman Mählich: Wir haben nach Ende des Herbstdurchgangs alle Spiele seit meinem Antreten nochmals analysiert. Und ich bin im Großen und Ganzen mit den gezeigten Leistungen zufrieden gewesen. Wir haben einen offensiv ausgerichteten Fußball gezeigt und teils spektakuläre Spiele abgeliefert. Einzig die zwei Matches auswärts gegen SKU Amstetten und zuhause gegen SV Lafnitz waren Ausreißer im negativen Sinne. Das waren wirklich ganz schlechte Leistungen.

Haben Sie heute schon eine Erklärung für diese beiden schlechten Leistungen Ihrer Mannschaft?

Mählich: Irgendwie bin ich auch heute noch nicht schlauer, was die beiden Auftritte betrifft. Denn sie haben so gar nicht in das Bild gepasst, das wir vorher abgeliefert haben. Wir haben auch gegen Steyr (1:3) und Wacker Innsbruck (2:3) verloren, dabei aber immer noch daran geglaubt, das Spiel drehen zu können. In Amstetten und gegen Lafnitz zuhause war das nicht der Fall. Das war wirklich nicht schön anzusehen. Umso mehr hat mich der Sieg zum Ende des Jahres in Lafnitz (2:1) gefreut, weil wir dort als Team aufgetreten sind und gemeinsam um jeden Zentimeter gefightet haben. Solche Tugenden will ich immer am Platz sehen.

Sind Sie zufrieden mit den 15 unter Ihrer Regie erreichten Punkte? Der Wunsch, nochmal ganz oben anzudocken, hat sich nicht erfüllt.

Mählich: Es waren in neun Ligaspielen fünf Siege und vier Niederlagen. Dazu die zwei Siege im ÖFB-Cup, die uns ins Viertelfinale gebracht haben. Am Ende stehen wir mit 23 Punkten auf Rang fünf der Tabelle. Wenn man sich die Ausgangssituation ansieht, als ich nach Lustenau kam, bin ich zufrieden. Denn vor meinem ersten Spiel gegen BW Linz stand die Austria auf einem Abstiegsplatz. Klar wäre ich gerne nochmal ganz oben ran gekommen. Aber dazu hätte es eine Serie von sieben oder acht Siegen gebraucht. Das gab die Mannschaft aufgrund der vielen Verletzungen und Ausfälle leider nicht mehr her.

Wie schaut Ihr Resümee gegenüber dem Verein aus?

Mählich: Ich habe im Vorfeld meines Engagements in Lustenau natürlich versucht, mir ein Bild über den Klub zu verschaffen. Und seit ich hier bin, haben sich viele meiner Erkenntnisse bewahrheitet. Die Austria ist ein toller Klub, bei dem eine besondere Atmosphäre herrscht, wowohl innerhalb des Vereins als auch bei den Spielen im Stadion. Es herrscht eine herzliche, fast schon familiäre Stimmung hier. Man spürt, dass den Menschen in Lustenau die Austria am Herzen liegt. Das gefällt mir.

„Hier ist was Großes möglich, das spüre ich. Aber: Dafür muss man seriös arbeiten und vor allem Kontinuität im Klub haben. Nur so können große Ziele erreicht werden.“

Roman Mählich, Trainer Austria Lustenau

Dennoch, sportlich steht man ja immer noch nicht dort, wo man hin will, nämlich in der Bundesliga.

Mählich: Das stimmt, und das ist auch unser Ziel. Aber eines kann ich aus meiner Erfahrung sagen: Lustenau ist ein guter Boden, um das auch zu schaffen. Hier ist was Großes möglich, das spüre ich. Aber: Dafür muss man seriös arbeiten und vor allem Kontinuität im Klub haben. Nur so können große Ziele erreicht werden.

Diese Kontinuität ist aktuell bzw. seit Sommer 2019 mit dem Führungswechsel nicht wirklich gegeben.

Mählich: Über das, was vor meinem Amtsantritt war, kann und will ich kein Urteil abgeben. Natürlich spüre ich, dass im Klub eine Umbruchsstimmung herrscht. Das ist doch ganz normal, wenn im Sommer eine neue Führung den Klub übernimmt. Und dass dann vielleicht nicht gleich alles funktioniert, wie man es sich vorstellt, ist auch normal. Für viele im Klub ist in der aktuellen Konstellation eben auch einiges neu. Aber ich sehe auch, wie sich die Vereinsverantwortlichen reinhängen und engagiert an Verbesserungen in allen Bereichen arbeiten.

Aber dann verlässt auch noch Sportdirektor Christian Werner, der Sie nach Lustenau geholt hat, den Klub.

Mählich: Diese Entscheidung hat mich selbst auch überrascht. Das ist, wenn wir von Kontinuität sprechen, kein idealer Zustand. Aber so ist das Geschäft Fußball einfach. Da können sich Dinge schnell ändern, damit muss man umgehen. Ich habe mit Christian Werner gut zusammengearbeitet. Jetzt gilt es in meinen Augen, so schnell wie möglich diesen Posten neu zu besetzen, weil wichtige Entscheidungen im Hinblick auf das Frühjahr, aber auch schon auf die nächste Saison, getroffen werden sollen bzw. müssen.

Bindet man Sie aktuell von Vereinsseite vermehrt ein?

Mählich: In erster Linie bin ich Trainer. Aber natürlich habe ich großes Interesse daran, zu wissen, in welche Richtung wir uns vor allem kadertechnisch bewegen können. Ich bin gerne bereit mein Know-How, mein Netzwerk und meine Erfahrung einzubringen. Aber am Ende entscheidet der Sportvorstand, wie es bezüglich eines Sportdirektors weitergeht. Meine Meinung: je früher, desto besser.

Roman Mählich im Gespräch mit Austria-Kicker Pius Grabher.Gepa
Roman Mählich im Gespräch mit Austria-Kicker Pius Grabher.Gepa

„Ziel ist, sich kontinuierlich auf den Aufstieg 2021 vorzubereiten.“

Roman Mählich, Trainer Austria Lustenau

Wie schauen die Ziele im Frühjahr aus? Was braucht die Austria?

Mählich: Wenn man sich den Kader ansieht, ist die Basis schon mal gut. Persönlich würde ich gerne noch in jeder Formation eine Verstärkung haben. Weil man gesehen hat, dass uns vielleicht noch etwas Routine fehlt. Aber ich weiß, dass darüber nur der wirtschaftliche Part im Klub entscheiden kann. An diese Causa muss man klug herangehen, denn Fehlschüsse sind nicht sehr ratsam. Ziel ist, sich kontinuierlich auf den Aufstieg 2021 vorzubereiten.

Abseits des Sports, wie gefällt es Ihnen im Ländle?

Mählich: Ich bin in der kurzen Zeit ein richtiger Fan von Vorarlberg geworden. Die Leute, die ich kennengelernt habe, sind nett. Das Land selbst ist wunderschön und trägt dazu bei, dass ich mich sehr wohl fühle, und macht mir das Fehlen meiner Familie etwas leichter.