Vom Hatlerdorf nach Südkorea

Sport / 05.12.2019 • 18:45 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Der Dornbirner Semih Öztürk wird bei der eSports-WM in Seoul beim Pro Evolution Soccer gegen die besten Zocker der Welt antreten.Esvo
Der Dornbirner Semih Öztürk wird bei der eSports-WM in Seoul beim Pro Evolution Soccer gegen die besten Zocker der Welt antreten.Esvo

Semih Öztürk vertritt Österreich bei der eSports-WM in Seoul.

Dornbirn Vom 11. bis 15. Dezember 2019 findet die 11. IeSF World Championship in Seoul, Südkorea, statt. Österreichs eSportler hatten die Chance, sich in der AREA52 für diese Meisterschaft in Pro Evolution Soccer (Fußballsimulator) zu qualifizieren. Der Vorarlberger Semih Öztürk konnte sich bei der Qualifikation als Gewinner durchsetzen und vertritt Österreich bei der Weltmeisterschaft in Südostasien. Der 33-jährige Dornbirner, seit jeher Fan von Pro Evolution Soccer (PES) – dem Gegenstück zu FIFA Soccer von EA Sports – konnte im Finale ausgerechnet seinen Bruder Melih in die Schranken weisen und das Ticket für den Trip nach Südkorea ziehen. „Mein Bruder und ich spielen nun schon seit über zehn Jahren gegeneinander, keiner kennt meine Stärken und Schwächen besser als er. Er war bisher immer mein stärkster Gegner, aber diesmal war das Glück auf meiner Seite“, erzählt Semih Öztürk begeistert nach der Finalrunde in der AREA52, Österreichs Hotspot für e-Sportler. Öztürk hat dabei mit einem 2:0 souverän gewonnen und entschied damit die komplette Qualifikationsphase ohne Gegentor für sich.

Sprungbrett Seoul

Der neue PES Champion Österreichs spielt seit dem ersten Teil, der 1994 herauskam, leidenschaftlich gern den Fußballsimulator. „Ich kann es noch immer kaum fassen, dass ich Österreich bei der IeSF World Championship vertreten werde und dafür nach Seoul reise, um dort gegen die besten Spieler aus aller Welt anzutreten. Ich hoffe, ich kann den Sieg für Österreich nach Hause holen“, freut sich Öztürk auf die Herausforderung. Den Wunsch, professionell an einem PES-Turnier teilzunehmen, hatte der Dornbirner schon lange, doch erst vor einem Jahr meldete er sich für die Staatsmeisterschaft – und schaffte auf Anhieb den Titel. Der Trip zur WM nach Seoul soll ihm nun auch einen Schub in Richtung Profi geben. „Der Wunsch war schon lange da, aber die Community bei PES ist ziemlich klein, da können nur wenige davon leben. Aber im letzten Jahr hat sich enorm viel getan in diesem Bereich. Die Chancen sind jetzt größer. Ich will in Seoul mit guten Leistungen meine Visitenkarte abgeben. Mal schauen, was rauskommt“, spielt Öztürk auf den Umstand an, dass Klubs wie FC Barcelona, Schalke 04 oder seit Neuestem auch der FC Bayern e-
Sport-Teams gebildet haben, die auf PES setzen und ab dem nächsten Jahr mit zehn weiteren Klubs eine professionelle Liga aufziehen. „Da einmal dabeisein, wäre schon eine coole Sache.“ Von einem türkischen Team bekam Öztürk bereits eine konkrete Anfrage. Der türkische Nationalspieler Hasan Ali Kaldirim gründete das HAK3- eSports-Team, will Öztürk genauso in seinen Reihen haben wie das eSports-Team des ehemaligen brasilianischen Superstars Ronaldinho. „Ich lasse jetzt mal alles auf mich zukommen, aber das türkische Team ist sehr reizvoll, da PES in der Türkei einen sehr großen Stellenwert hat.“

Stürmer beim SC Hatlerdorf

Dass Öztürk lieber PES als FIFA20 zockt, „ist irgendwie dem Chaos im Spiel geschuldet. Bei FIFA von EA Sports läuft für mich alles so geregelt ab. PES hingegen ist näher an der Realität des Fußballspiels dran, da passieren eben mal außergewöhnliche Dinge am Feld. Deswegen ist PES für mich so interessant zu spielen“, erklärt der 33-jährige Angestellte von Tridonic in Dornbirn. Dabei kommt es ihm zugute, dass er selbst jahrelang als Stürmer im Vorarlberger Unterhaus tätig war bzw. noch ist. „Ich habe im Sommer nach einem Kreuzbandriss mein Comeback beim SC Hatlerdorf gegeben, bin mit Herzblut bei der Sache. Der reale Fußball hilft mir teilweise auch beim Zocken.“ So gut, dass er nächste Woche Hatlerdorf gegen Seoul eintauschen kann.

„Ich will bei der WM in Seoul mit guten Leistungen meine Visitenkarte abgeben.“