Box-Spektakel als Propaganda

Sport / 06.12.2019 • 19:13 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Beim ersten Kampf im Madison Square Garden in New York erschütterte Andy Ruiz jr. die Boxwelt, als er als krasser Außenseiter Anthony Joshua (l.) besiegte.Reuters
Beim ersten Kampf im Madison Square Garden in New York erschütterte Andy Ruiz jr. die Boxwelt, als er als krasser Außenseiter Anthony Joshua (l.) besiegte.Reuters

WM-Titel-Fight zwischen Champion Andy Ruiz jr. und Anthony Joshua steht unter herber Kritik.

Riad Der „Kampf auf den Dünen“ ist ein wüster Skandal. Gastgeber Saudi-Arabien feiert das größte Box-Spektakel des Jahres, für den Rest der Welt ist der Rückkampf zwischen Weltmeister Andy Ruiz jr. und dem entthronten Champion Anthony Joshua aber ein Spektakel am falschen Ort. Wenn die Schwergewichtler heute Abend (22.00 Uhr MEZ/DAZN) in Dirijah, einem Vorort der Hauptstadt Riad, in den Ring steigen, verschwinden die zahlreichen Menschenrechtsverletzungen des Königreichs im Schatten neben der von unzähligen Scheinwerfern erleuchteten, eigens errichteten Arena.

Und Strahlemann Joshua feuert die Propaganda mit naiven Aussagen zusätzlich an. „Es wird definitiv eine Nacht, von der die Leute ihren Enkeln erzählen werden. Es wird einer dieser ikonischen Boxabende. Die Zusammenarbeit mit den Leuten in Saudi-Arabien war hervorragend“, sagte der 30-Jährige und erklärte später: „Ich habe mich hier umgesehen und jeder sah glücklich und gelassen aus. Ich habe nichts Negatives gesehen.“

100 Millionen Dollar

Joshuas Promoter Eddie Hearn ist maßgeblich dafür verantwortlich, dass der 100 Millionen Dollar teure Kampf in der Wüste steigt. So absurd es klingt: Der aktuelle WBO-, IBF- und IBO-Weltmeister sowie WBA-Superchampion Ruiz musste sich dem Diktat Hearns beugen. „Wir müssen in Saudi-Arabien antreten und uns nach den Anweisungen von Joshuas Promoter richten“, klagte Ruiz-Trainer Manny Robles. So musste Ruiz in Riad einen Zeitunterschied von 13 Stunden zu seiner Heimat Kalifornien verarbeiten. Beim Briten Joshua waren es nur drei. Trotz offensichtlicher Vorteile ist Joshua weit davon entfernt, als haushoher Favorit in den Kampf zu gehen. Das war beim ersten Duell Anfang Juni noch anders, als der als „Dickerchen“ verspottete Ruiz als Ersatzgegner eingesprungen war und Joshua im Madison Square Garden in der siebten Runde durch Technischen K.o. besiegt hatte.

Niederlage hinterließ Spuren

Sechs Monate später sieht Ruiz trotz einiger verlorener Kilos immer noch wie der pummelige Schuljunge aus, der beim Sport als Letzter gewählt wird und dann ins Tor muss. Doch die vier Niederschläge von New York dürften sich in Joshuas Hirn gebrannt haben, auch wenn dieser auf cool macht: „Ich werde einfach gewinnen. Dieses Mal werde ich es nicht verbocken.“ Ruiz hält sich dagegen lieber zurück. „Ich weiß, dass AJ vorbereitet sein wird, ich bin achtsam. Ich möchte diese wunderschönen Gürtel nicht abgeben“, sagte der 30-Jährige.

„Ich werde einfach gewinnen. Dieses Mal werde ich den Kampf nicht verbocken.“