Der Schmiedl, nicht der Schmied

Sport / 06.12.2019 • 19:14 Uhr / 5 Minuten Lesezeit

Philipp Schmiedl will mit Altach auch am Sonntag bestehen.

Altach „Geh gleich zum Schmied und nicht zum Schmiedl“ lautet eine österreichische Redensart. Das Sprichwort besagt, dass man sich stets an anerkannte Meister wenden soll. So auch im Fußball, wo Altachs Philipp Schmiedl, sich doch einigermaßen schwertat, dank seinen Leistungen zum „Schmied“ aufzusteigen. Dabei verbuchte er gleich drei erfolgreiche Debüts im SCRA-Dress: Sieg (6:0 gegen St. Pölten) bei seiner Bundesliga-Premiere, ein klarer Erfolg beim Cup-Weiterkommen (4:1 bei Hertha-Wels) und auch mit den Juniors (5:1 in der VN.at-Elitelga gegen Röthis) durfte er über drei Punkte jubeln.

Dazwischen gab es beim 22-Jährigen aber auch Momente des Zweifels. Zumal ja die Defensive, das Zweikampfverhalten der Abwehrspieler in den letzten Wochen vermehrt in die Kritik geraten ist.

Einige Ausfälle

Personell muss sich der Coach zum Jahresende nach der Decke strecken. Sechs wichtige Spieler stehen nicht zur Verfügung, so musste auch das zuletzt ausgeschiedene Verteidigerduo Manuel Thurnwald und Anderson für das Spiel in Graz passen. Doch Alex Pastoor will nicht in die Vergangenheit blicken. „Wir haben wenige Probleme, dafür viele Lösungen.“ Der Coach bleibt also seiner positiven Einstellung treu. Selbst die Statistik verursacht ihm kein Kopfzerbrechen. „Was vergangen ist, ist vergangen.“ Die Gegenwart beschert den Altachern „keine spektakuläre Mannschaft“ (Pastoor) als Gegner, dafür aber eine „kompakte“. Vor allem Kiteishvili und Despodow hebt der SCRA-Coach aus dem Kollektiv heraus, ohne deswegen zu detailliert auf die Grazer einzugehen. Auffallend aber sei sicherlich, dass Sturm immer wieder in verschiedenen Formationen agiert habe. Allerdings ließ Pastoor offen, ob er damit das System der Steirer oder die Personalrochaden gemeint hat.

So richtig angekommen

Durch den Ausfall von gleich drei Verteidigern ist damit zu rechnen, dass Matthias Puschl (23) und Philipp Schmiedl (22) die Plätze in der Abwehrreihe übernehmen. Zumal sich Letzterer mit einer starken Leistung gegen Wolfsberg für weitere Aufgaben empfohlen hat. „Ich habe versucht, mein Bestes auf den Platz zu bringen“, sagt der im idyllischen Antau im Burgenland groß gewordene Schmiedl. Selbst anfängliche Fehler hätten ihn nie an sich zweifeln lassen. Und so passt es zu seiner Einstellung, wenn er sagt: „Ich habe auf die Einwechslung richtig gebrannt. Wenn es dann gut geht, dann ist das auch harte Arbeit.“ Der körperlich robuste Innenverteidiger, der u. a. auch einige Zeit in der Rapid-Akademie verbracht hat, fühlt sich in Altach jedenfalls richtig wohl. Deshalb geht er zielsicher die beiden restlichen Partien an. „Wenn wir so spielen wie gegen Wolfsberg, auch kämpferisch alles bringen, dann ist auch in Graz und in St. Pölten vieles möglich.“ Wichtig sei es am Sonntag, die Offensivräume der Grazer richtig zu schließen und im Spiel nach vorne die sich bietenden Räume zu nutzen.

Gegen die Statistik

Bei Sturm herrscht aufgrund der bisher erfolgreichsten Phase unter Trainer Nestor El Maestro Aufbruchstimmung. Zwei Siege und ein Remis verzeichneten die „Blackys“ in den jüngsten drei Spielen. „Die Offensive hat sich gefunden und liefert jetzt. Drittens hat auch die Intensität unseres Spiels zugenommen“, nennt El Maestro die wichtigsten Komponenten für den kleinen Erfolgsrun.

Die Statistik weist die Grazer zudem als klaren Favoriten aus. Denn der letzte – und bislang einzige – Sieg einer Vorarlberger Bundesligamannschaft gelang 1967. Die Protagonisten hießen damals Fritz Rafreider, Helmut Metzler, Alfred Schrottenbaum oder Klaus Tutschek, um nur einige zu nennen. 2:1 gewann damals SW Bregenz in der Gruabn, seither gab es für Vorarlberger Mannschaften bei 46 Antreten in der steirischen Landeshauptstadt 39 Niederlagen und sechs Remis gegen Sturm. Drei davon gehen auf das Konto des Cashpoint SCR Altach. So blieben die Rheindörfler in den letzten beiden Duellen ungeschlagen, erreichten ein 1:1 bzw. 0:0. „Es gibt viele Sachen, die einmal waren, aber so denke ich nicht“, lassen Alex Pastoor solche Gedankenspiele kalt. Zumal es ja die Möglichkeit gibt, am Sonntag (14.30 Uhr) wieder einmal die Vorarlberger Fußballgeschichte neu zu schreiben.

Teamnews

SK STURM GRAZ

AUFSTELLUNG (4-4-2) Siebenhandl; Sakic, Avlonitis, Spendlhofer, Schrammel; Huspek, Ljubic, Hierländer, Kiteishvili; Despodow, Balaj

Ersatz Schützenauer; Fabian Koch, Donkor, Christoph Leitgeb, Jantscher, Pink, Lema, Röcher

Es fehlt Dominguez (muskuläre Probleme)

Fraglich Christoph Leitgeb, Jantscher (nach Erkrankung)

CASHPOINT SCR ALTACH

AUFSTELLUNG (4-4-2) Kobras; Puschl, Schmiedl, Zwischenbrugger, Karic; Sam, Oum Gouet, Tartarotti, Schreiner; Christian GebauerMergim Berisha

Ersatz Durakovic; Gschweidl, Casar, Lars Nussbaumer, Maak, Jamnig, Leo Mätzler

Es fehlen Netzer (rekonvaleszent), Meilinger (rekonvaleszent), Diakité (Knie), Fischer (Sprunggelenk), Anderson (Muskel), Thurnwald (Muskel)