Ein Abschied wie im Bilderbuch

Sport / 08.12.2019 • 21:18 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
2013 holten Patrick Schnetzer (l.) und Markus Bröll in Basel WM-Gold und nun durfte das erfolgreichste Radballduo der Gegenwart an selber Stelle über die sechste gemeinsame WM-Krone jubeln. Lubetz
2013 holten Patrick Schnetzer (l.) und Markus Bröll in Basel WM-Gold und nun durfte das erfolgreichste Radballduo der Gegenwart an selber Stelle über die sechste gemeinsame WM-Krone jubeln. Lubetz

Patrick Schnetzer/Markus Bröll mit sechstem WM-Gold im Radball. Drei Bronzene für Kunstradsportler.

Basel Patrick Schnetzer und Markus Bröll haben ihren Rang als aktuell weltbestes Radballduo der Gegenwart eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Nach der ersten gemeinsamen WM-Goldenen 2013 in Basel durften sich der 26-jährige Schnetzer und sein um sechs Jahre älterer Partner am Wochenende bei der 83. Weltmeisterschaft in Basel erneut über einen vergoldeten Beutezug freuen. In der Neuauflage des Finalduells der letzten drei Jahre sicherte sich das Erfolgsduo des RC Mazda Hagspiel Höchst mit einem 8:6-Sieg gegen die Deutschen Cousins Bernd und Gerhard Mlady zum sechsten Mal in den letzten sieben Jahren die UCI-Krone.

Weltcupfinale am 18. Jänner

Mit nunmehr sechs Welt- und Europameisteriteln sowie den vier Gesamtsiegen im UCI-Weltcup sind Schnetzer/Bröll das erfolgreichste Radballduo in diesem Jahrhundert – und werden trotz des Rücktritts von Bröll wohl noch einige Jahre die Pole Position in der ewigen UCI-Rangliste innehaben. Nach dem Weltcupfinale am 18. Jänner in Möhlin, bei den die beiden Höchster als Favoriten und Titelverteidiger ins Rennen gehen, wird Bröll seine aktive Karriere beenden. „Natürlich träumt man von so einem Abschied wie im Bilderbuch. Wenn man in den letzten sieben Jahren, abgesehen von der Silbernen 2017 bei der Heim-WM in Dornbirn, praktisch alles gewonnen hat, was man gewinnen konnte, sorgt die persönliche Erwartungshaltung natürlich noch für eine Extraportion Druck. Speziell nach der 2:6-Niederlage zum Abschluss der Vorrunde macht man sich dann schon seine Gedanken“, erklärt Bröll. „Rückblickend war es vielleicht der notwendige Schuss vor den Bug, den wir gebraucht haben, um noch fokussierter und spannungsgeladener in den zweiten Tag zu gehen.“

In sechs Wochen haben der 26-jährige Schnetzer aus Zwischenwasser und sein Teamkollege aus Dornbirn in Möhlin die Möglichkeit, ihre ohnehin schon imponierenden Erfolgsbilanz noch einmal auszubauen.

Wie 2018 drei Bronzene

Beim parallel ausgetragenen 64. Championat des Internationalen Radsport-Weltverbands (UCI) der Kunstradfahrer gab es wie 2018 in Lüttich insgesamt drei Bronzene für Vorarlberg. Nach dem perfekten Auftakt des Höchster Quartetts Leonie Huber, Lukas Schneider, Julia Wetzel und Lea Schneider, die wie 2018 mit Bronze über die zweite WM-Medaille jubeln, konnte auch Lorena Schneider die Erwartungen erfüllen. Die 18 Jahre alte Höchsterin, 2017 und 2019 Unter-19-Europameisterin, durfte sich bei ihrem WM-Debüt über Bronze freuen. Mit einer tadellosen Kür und persönlicher Bestlesitung von 176,25 Punkten qualifizierte sich Schneider als Tagesbeste für das Finale. In der Entscheidung schoben sich die beiden Deutschen Milena Slupina und Viola Brand noch an Schneider vor, Jan Latzer belegte bei ihrem WM-Debüt im Einer den 13. Rang unter 27 Starterinnen. In der Einerklasse der Männer erreichten Marcel Schnetzer und Christopher Schobel die Ränge sechs und zehn.

Neuer Rekord für Kopf/Bachmann

Komplettiert wird die Ländle-Ausbeute in Basel durch Rosa Kopf und Svenja Bachmann. Die U-19-Vizeeuropameister durften sich mit neuem ÖRV-Rekord von 125,53 Punkten Medaille bei ihrer dritten WM-Teilnahme wie 2018 über Bronze freuen. Für Jacqueline Rist und Ida-Lena Hofherr, mit 17 (Rist) bzw. 15 Jahren die jüngsten Aktiven im ÖRV-Aufgebot, gab es bei ihrem WM-Debüt Rang sieben.

Den undankbaren vierten Platz belegten Marcel Schnetzer und Katharina Kühne im Open-Zweier.

96 Medaillen seit 1979

Mit den vier Medaillen in Basel geht auch die lange Tradition an Medaillengewinnen von Vorarlberger Sportlern weiter. Seit 1979 gab es lediglich drei Jahre (1990, 1994 und 1995), in denen Vorarlberg ohne Top-3-Platzierung blieb. Die imponierende Ausbeute von 96 Medaillen, davon 15 Goldene, 22 Silberne und 59 Bronzene, spiegelt den großen Stellenwert und die qualitative und hochwertige Arbeit im heimischen Fachverband wider.

Das Quartett Leonie Huber, Lea Schneider, Julia Wetzel und Lukas Schneider (v. l.) gewann wie 2018 WM-Bronze im Vierer.Lubetz
Das Quartett Leonie Huber, Lea Schneider, Julia Wetzel und Lukas Schneider (v. l.) gewann wie 2018 WM-Bronze im Vierer.Lubetz
Die 18-jährige Lorena Schneider holte mit Bronze ihre erste WM-Medaille.Lubetz
Die 18-jährige Lorena Schneider holte mit Bronze ihre erste WM-Medaille.Lubetz
Für Rosa Kopf und Svenja Bachmann gab es wie 2018 Bronze im Zweier. Lubetz
Für Rosa Kopf und Svenja Bachmann gab es wie 2018 Bronze im Zweier. Lubetz

Hallenrad

83. Weltmeisterschaft im Radball und 64. im Kunstradfahren 2019 in Basel

Radball, Gruppe A

Ergebnisse von Patrick Schnetzer/Markus Bröll (RC Mazda Hagspiel Höchst) in der Vorrunde: Österreich – Frankreich 4:2, Österreich – Tschechien 4:2, Österreich – Belgien 13:0, Österreich – Schweiz 7:1, Österreich – Deutschland 2:6

Endstand Vorrunde  S  R  N  Tore  Pkte

1. Bernd und Gerhard Mlady (GER)  5 0 0 28: 8 15

2. Patrick Schnetzer/Markus Bröll (AUT, TV)  4 0 1 31:11 12

3. Severin und Benjamin Waibel (SUI)  2 1 2 15:19 7

4. Jiri Hrdlicka /Pavel Loskot (CZE)  1  1  3  18:21 4

5. Brecht Damen/Niels Dirikx (BEL)  1  1  3  8:30  4

6. Quentin Seyfried/Mathias Seyfried (FRA)  0  1  4  7:18  1

Zwischenrunde: Österreich – Belgien 5:2; Schweiz – Tschechien 4:3; Tschechien – Belgien 7:1

Halbfinale: Österreich – Schweiz 5:3, Deutschland – Tschechien 5:1

Spiel um Bronze: Tschechien – Schweiz 6:0

Finale: Österreich – Deutschland 8:6

Kunstrad

Einer Frauen (27 TN) Punkte  (Vorrunde Rang/Punkte)

1. Milena Slupina (GER, TV)  189,73 (3./157,67)

2. Viola Brand (GER)  185,14 (2./170,17)

3. Lorena Schneider (RC Mazda Hagspiel Höchst)  171,72 (1./176,25)

4. Isabella Zübner (ITA)  135,08 (4./139,28)

13. Jana Latzer (RV Enzian Sulz)  107,79

Einer Männer (25 TN)

1. Lukas Kohl (GER, TV)  208,89 (1./204,39)

2. Marcel Jüngling (GER)  192,98 (3./175,89)

3. Chin To Wong (HKG)  176,22 (2./179,28)

4. Martin Schön (HUN)  160,79 (4./168,33)

6. Marcel Schnetzer (RC Mazda Hagspiel Höchst)  154,59

10. Christopher Schobel (RC Mazda Hagspiel Höchst)  132,67

Zweier Frauen (11 TN)

1. Lena und Lisa Bringsken (GER, TV)  142,64 (2./135,62)

2. Carolina Wurth/Sophie-Marie Nattmann (GER)  129,43 (1./135,94)

3. Nadina Zuberbühler / Jeannine Graf (SUI)  125,53 (3./110,61)

4. Rosa Kopf/Svenja Bachmann (AUT/RV Enzian Sulz)  113,09 (4./109,75)

7. Jaqueline Rist / Ida-Lehna Hofherr (ARBÖ Bregenz) 84,09

Zweier Open (7 TN)

1. Serafin Schefold/Max Hanselmann (GER, TV)  168,25 (1./160,57)

2. Andre und Benedikt Bugner (GER)  164,05 (3./144,78)

3. Lukas Burri/Fabienne Hammerschmidt (SUI)  148,20 (2./152,83)

4. Marcel Schnetzer/Katharina Kühne (RC Höchst)  136,14 (4./141,75)

Vierer Open (4 TN)

1. Schweiz  214,23

Elena Fischer, Vanessa Hotz, Saskia Grob, Stefanie Moos

2. Deutschland (TV)  192,23

Nora Erbenich, Sabrina Born, Annika Furch, Hannah Rohrwick

3. Österreich (RC Mazda Hagspiel Höchst)  184,55

Leonie Huber, Lea Schneider, Lukas Schneider, Julia Wetzel

4. Hongkong 68,11