„Das Glas ist halbvoll“

Sport / 11.12.2019 • 22:01 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Der Dornbirner Thomas Flax will als erster Vorarlberger Rollstuhltennisspieler bei Paralympics sein Können zeigen.Steurer
Der Dornbirner Thomas Flax will als erster Vorarlberger Rollstuhltennisspieler bei Paralympics sein Können zeigen.Steurer

Halbzeitbilanz von Rollstuhltennisspieler Thomas Flax auf dem Weg zu den Paralympics.

Dornbirn Mit Dynamit hat TTT nichts zu tun. TTT bedeutet: Toms Traum von Tokio 2020. Vor einem Jahr sprach der 36-jährige Thomas Flax von einer Vision – und in den letzten zwölf Monaten reifte daraus für den Rollstuhltennisspieler eine Mission: Die Teilnahme an den Sommer-Paralympics 2020 in Tokio.

Bei den 16. Paralympics vom 25. August bis 6. September in der japanischen Hauptstadt sind die Top 40 der Einzel-Weltrangliste fix spielberechtigt, und pro Nation sind maximal vier Spieler zugelassen. Im Moment ist Flax auf Position 53 gereiht und die Nummer vier im ÖTV-Ranking hinter dem Tiroler Martin Legner (Position 25, 690 Punkte), dem auf Platz 33 gereihten Wiener Nico Langmann (628) und Joseph Riegler (Rang 36, 603 Punkte) aus Niederösterreich. Mit 425 Punkten hat Flax exakt 127 Zähler Rückstand auf die angestrebte Top-40-Position. „Um den notwendigen nächsten Schritt nach vorne zu kommen, muss ich vor allem höher dotierte Turniere spielen. Erste Voraussetzung dafür ist eine Verbesserung der Weltranglistenposition. Nur mit einem entsprechenden Ranking hat man die Gelegenheit, in einen Hauptbewerb zu kommen. Ich bin ein Kämpfer und dazu bereit, alles zu geben, damit mein großer sportlicher Traum in knapp sechs Monaten in Erfüllung geht.“

In der Doppel-Weltrangliste nimmt der Topspieler des RC Enjo Vorarlberg mit 862 Punkten Position 36 ein. Aus rot-weiß-roter Sicht ist Legner (Rang 24, 1058 Punkte) davor gereiht, unmittelbar hinter Flax folgt Langmann mit 847 Punkte bzw. Riegler mit 654 Zählern aus Rang 54.

Flax, der seit einem folgenschweren Mountainbike-Unfall im Juli 2007 wegen eines Bruchs des fünften Brustwirbels (Fachbegriff TH 5) im Rollstuhl sitzt, hat in diesem Jahr unter semiprofessionellen Bedingungen einen großen Schritt nach vorne gemacht. Dank der Unterstützung durch die Familie, seines Arbeitsgebers und etlicher Sponsoren und Gönner hat der Absolvent der Hochschule Ravensburg in der Studienrichtung für Medien- und Kommunikationswirtschaft 2019 nicht nur den Trainingsaufwand vergrößert, sondern auch die finazielle Basis für die Reisen um den Erdball verbessert. U. a. konnte die Finanzierung eines maßgeschneiderten Tennisrollstuhls durch Crowdfunding-Projekt realisiert werden.

21 Turniere und acht Titel

Die Halbzeitbilanz im Race-to-Tokio lässt darauf hoffen, dass sich Flax am 8. Juni 2020, dem Stichtag für die Vergabe der Olympiastartplätze, seinen sportlichen Traum verwirklicht. Seit Jahresbeginn hat der Absolvent der HTL Dornbirn an 21 Turnieren in elf Ländern teilgenommen und dabei 81.217 Kilometer im Auto, dem Zug oder Flugzeug zurückgelegt. In 624 Trainingsinheiten auf dem Platz oder in der Kraftkammer im Olympiazentrum Vorarlberg wurde die Basis für 32 Siege in 52 Spielen gelegt. In seiner erfolgreichsten Saison durfte sich Flax über insgesamt acht Turniersiege freuen. Anfang April triumphierte der Linkshänder bei den Buchlberg-Open in Bayern im Einzel und Doppel (mit Riegler). Der zweite Titel-Doppelpack gelang Ende Juni bei den Birrhard-Open (Kanton Aargau), im Doppel diesmal mit dem Belgier Ivan Kindl. Bei den Windsor Classics in Ontario zum Abschluss seiner Kanada-Tournee holte sich Flax in Grimsby den Turniersieg, bei den Carinthian Open in Villach siegte er mit Legner im Doppel und bei den Hungarian Open bzw. in St. Pölten an der Seite von Riegler.

Höhen und Tiefen

„Im Großen und Ganzen kann ich mit der Bilanz zufrieden sein. Abgesehen von den zwei Infekten und dem ramponierten Ellbogen, der mich zu einem verfrühten Saisonende gezwungen hat, war es ganz ordentlich. Doch man merkt deutlich, dass die Luft auf diesem Niveau dünner wurde und die Gegner ihr Handwerk beherrschen. Es gab einige Höhen und Tiefen. Unvergesslich natürlich mein erstes Grand-Slam-Turnier in Australien, der Turniersieg in Kanada und das Showmatch auf dem Centercourt von Kitzbühel mit dem Kennenlernen von Dominic Thiem. Nicht zu vergessen auch der Gewinn des Staatsmeistertitels im Doppel bei den Heimtitelkämpfen in Koblach mit dem Steirer Thomas Mossier.“

2020 soll aber das bisher Erreichte noch einmal übertreffen. „Mit echten Spitzenleistungen und etwas Glück ist es zu schaffen. Das Glas ist jetzt halbvoll. Ich liege im Plansoll und werde weiter Gas geben. Der Weg bis zum Ziel in Tokio ist noch lang und steil.“

„Zu Jahresbeginn war meine Chance bei null – und jetzt ist das Glas immerhin halbvoll.“