Morgendämmerung

Sport / 13.12.2019 • 21:24 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Nach den Weltcuprennen in Übersee sind unsere Athleten zurück in den Alpen. Die Bilanz bisher war recht gut, wenn man die schnellen Bewerbe mit Abfahrt und Super-G betrachtet. In den technischen Disziplinen schaut es hingegen mau aus. Man hatte das nach dem Rücktritt von Marcel Hirscher nicht in diesem Ausmaß erwartet. Zumal die ÖSV-Läufer sich in den letzten Jahren immer wieder darüber mokiert hatten, dass nur über Hirscher berichtet wird und nicht über sie selber. Jetzt wissen sie wenigstens, warum.

Ins Auge sticht, dass ein Mann aus dem Abfahrtslager der beste Riesenslalomläufer des Teams ist. Nämlich Matthias Mayer. Die Frage sei gestattet: Was haben die Techniker denn über Monate hinweg trainiert?

Mir ist beim Riesenslalom in Beaver Creek etwas aufgefallen. Der genaue Beobachter wird mir beipflichten, dass bei uns, quer durchs Team, alle Techniker sehr weit hinten am Ski stehen. Mit dieser Rücklage ist man langsamer und obendrein fehleranfälliger. Grund dafür ist die fehlerhafte Belastung des Skis in der Kurve. Mit Rücklage kann der Druck nicht zentral auf den Ski gebracht werden. Der Ski wird so nicht optimal gebogen und kann deshalb keine runde Kurve in den Schnee carven. Das war all die Jahre hindurch die Stärke von Hirscher, der zwanghaft immer zentral am Ski stand. Komischerweise war diese falsche Haltung auch bei Kristoffersen in Sölden zu beobachten. Er scheint den Fehler blitzschnell erkannt und korrigiert zu haben. Wenn er so weiterfährt, hat er sehr gute Chancen auf die große Kugel.

Hier möchte ich auch die Trainer und Betreuer im ÖSV etwas in die Pflicht nehmen. Eigentlich sollte denen schon auffallen, wohin die Reise geht. Auch wenn heuer im Training kein Hirscher als Referenz diente.

Die Saison ist aber noch jung und die wichtigen Rennen kommen ja erst noch. Trotzdem bleibt den Technikern wenig Zeit, die großen Rückstände auf die Spitze ohne viel Training in den Griff zu bekommen.

„Ins Auge sticht, dass ein Mann aus dem Abfahrtslager der beste Riesentorläufer ist. Nämlich Matthias Mayer.“

Marc Girardelli

sport@vn.at

Marc Girardelli zählt mit fünf Gesamt-Weltcupsiegen zu den erfolgreichsten alpinen Rennläufern im Skizirkus.