Wie im Bilderbuch

Sport / 18.12.2019 • 20:33 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Marco Rossi genießt ein paar vorweihnachtliche freie Tage zu Hause im Kreis der Familie.P. steurer
Marco Rossi genießt ein paar vorweihnachtliche freie Tage zu Hause im Kreis der Familie.P. steurer

Eishockeytalent Marco Rossi schöpft zu Hause Kraft für den zweiten Teil der Saison in Ottawa.

Rankweil Mit der Familie zusammen sein, ausruhen, Freunde treffen. Marco Rossi genießt gerade ein paar freie Tage zu Hause. „Vor allem freue ich mich auf das Essen von Mama,“ stellt das 19-jährige Vorarlberger Eishockeytalent die Kochkünste seiner Mutter über alles. Die Hausmannskost insgesamt, die Schnitzel im Besonderen, stehen bevorzugt auf dem Speiseplan, „Ich bekomme zu Hause viele gute Sachen vorgesetzt, die man in Kanada nicht kennt.“

Er selbst liefert im Mutterland des Eishockeys Spiel für Spiel Schmanckerl ab. Auf 56 Punkte in 24 Partien kam er für die Ottawa 67‘s aus der Ontario Hockey League in dieser Saison bereits, mit 2,33 Punkten pro Partie ist er der produktivste Crack der Liga. Und daher auch einer der Begehrtesten: Für den kommenden Draft der National Hockey League Ende Juni in Montreal stellt sich nicht die Frage, ob er von einem Klub in Runde eins gezogen wird, sondern an welcher Stelle.

Das erste Jahr hat sehr geholfen

Aktuell verläuft die Karriere von Rossi wie im Bilderbuch. „Ich bin mit der Saison sehr zufrieden“, stimmt für den Mittelstürmer die Form. „Es hat mir extrem geholfen, dass ich letztes Jahr schon eine erste Saison in Übersee gespielt habe. Damals habe ich nicht gewusst, was mich hier erwartet, hatte keine Ahnung vom Eishockey, der Mentalität oder der Kultur.“

Sein persönlicher Höhepunkt im Herbst? Sind nicht etwa Tore, Assists, ein schöner Spielzug oder ein Sieg. „Das sind die Spiele gegen David Maier.“ Der Verteidiger aus St. Veit an der Glan ist bei den Petersborouh Petes unter Vertrag. „Er ist mein bester Freund, die Begegnungen mit ihm immer etwas Besonderes.“ Zu gewinnen gab es für Maier in den Duellen bisher nichts. „Er ist dann etwas sauer“, lächelt Rossi, der Stimmung unter den Freunden tut das aber keinen Abbruch.

Keine Gedanken verschwendet Rossi an die zahlreichen Rankings, die über Talente wie ihn für den NHL-Draft geführt werden. Auf den Plätzen zwischen acht und 15 steht er aktuell, mit steigender Tendenz in den einstelligen Bereich. „Diese Bewertungen sind das eine, wichtig sind die Einschätzungen durch die NHL-Scouts“, weiß Rossi. „Die sehen dann oft anders aus. Ich mache mir keinen Druck. Die Mannschaft, die dich will, nimmt dich.“

Große Nachfrage

Rossi wollen eigentlich alle. 28 Klubs haben mit ihm in Ottawa bereits Vorgespräche geführt, gleich nach Weihnachten folgen noch die New York Rangers und Nashville. „Man will dich dabei besser kennenlernen. Es wird gefragt, wo du Verbesserungspotezial siehst, oder wo du dich in der NHL siehst.“ Aber auch Charakter und Mentalität werden in den manchmal zwei Stunden dauernden Gesprächen auf die Probe gestellt. „Würdest du gegen deine Mutter handgreiflich werden, um ein Spiel zu gewinnen?“ lautete die Frage eines der NHL-Interessenten. So wichtig ist für Rossi das Eishockey dann auch wieder nicht. Und wer hat sich für Rossi am besten präsentiert? Las Vegas, mit dem ehemaligen VEU-Torhüter Bruno Campese übrigens, Minnesota, Los Angeles, Ariozona und Chicago seien herausgestochen. „Insgesamt waren aber die Gespräche mit allen Klubs sehr gut.“

Nicht nachlassen heißt es auch nach der Weihnachtspause für den Rankweiler. Noch 40 Spiele warten mit den 67‘s im Grunddurchgang der OHL. „Je länger die Saison dauert, umso besser muss man sich zeigen. Vor allem im Play-off werden gute Leistungen erwartet.“ Wichtig wird das Auftreten beim Prospects Game am 16. Jänner in Hamilton: „Da sind die besten jungen Spieler aus den drei Juniorenligen dabei, man steht unter der Beobachtung aller NHL-Klubs.“

Zwei, drei Tage noch, dann wird das Programm im Hause Rossi wieder intensiviert. Mit Fitness und ein paar Eiseinheiten bei der VEU Feldkirch. Toni Mathis behandelt einen Bluterguss, Andenken aus dem letzten Spiel. „Ich schätze Tonis Arbeit sehr. Er hat mich schon im Sommer sehr gut betreut, spricht auch Dinge an, die man nicht so gerne hört.“

Der Heilige Abend wird im großen Rahmen mit der Familie gefeiert. Am 25. Dezember geht es wieder zurück nach Ottawa, die nächsten Spiele kommen in einem eng geschnürten Kalenderpaket am 28., und 30. Dezember sowie am 1., 2., 4. Jänner. Auf die freut er sich schon. Aber vielleicht nicht ganz so, wie auf Mamas Schnitzel.

„Ich mache mir mit dem NHL-Draft keinen Druck. Das Team, das dich will, nimmt dich.“

Rossi lieferte seinem Klub Ottawa in dieser Saison schon 56 Punkte ab. gepa
Rossi lieferte seinem Klub Ottawa in dieser Saison schon 56 Punkte ab. gepa
Bei Toni Mathis ist Marco Rossi in guten Händen.do
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