Ausra Fridrikas und SSV Dornbirn-Schoren: Ein Auf und Ab der Gefühle

Sport / 19.12.2019 • 20:35 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
In der Ära von Ausra Fridrikas seit Jänner 2018 als SSV-Schoren-Cheftrainerin gab es in 65 Ligaspielen 29 Siege, vier Remis und 32 Niederlagen. VN/STIPLOVSEK

Ausra Fridrikas und SSV Dornbirn-Schoren gehen ab Samstag getrennte Wege.

Dornbirn „Als ich den Spielerinnen mitgeteilt habe, dass ich mit Ende des Jahres den Verein verlasse, gab es Tränen und lange Gesichter. Trotzdem bin ich sicher, dass es die richtige Entscheidung war.“ Nach zweijähriger Zusammenarbeit werden Ausra Fridrikas und der SSV Dornbirn-Schoren nach dem Heimspiel am Samstag (19 Uhr) gegen Ferlach/Feldkirchen getrennte Wege gehen. Bis die Nachfolge geregelt ist, wird der bisherige Co- und Unter-18-Trainer Emanuel Ditzer das Training leiten. Den Sprung auf die Kommandobrücke lehnt der 46-jährige gebürtige Linzer, der zwischen 1998 und 2005 beim Alpla HC Hard spielte, laut SSV-Sportchef Günter Marksteiner aus persönlichen Gründen ab.

Intensive und lehrreiche Zeit

Die 52-jährige Fridrikas, Welthandballerin 1999 und mit unzähligen Erfolgen mit der UdSSR, später Litauen und ab 1995 unter rot-weiß-roter Flagge, zieht nach 24 Monaten ein Resümee mit Licht und Schatten über ihre Arbeit beim Schulsportverein: „Die Zeit war sehr intensiv, extrem lehrreich und hat meinen Charakter gestärkt. Es hat mich selbstbewusst und unabhängig gemacht“, erklärt die sechsfache Champions-League-Siegerin. „Der Entschluss zur Trennung resultiert aus einer Summe an Erkenntnissen, die in den letzten Wochen und Monaten gereift sind. Ohne persönliche Schuldzuweisungen wurde beschlossen, dass mein Ende des Kalenderjahres auslaufender Vertrag nicht mehr verlängert wird.“

„Wenn man sich im Sport entwickeln will,

muss man bereit sein, Opfer zu bringen.“

Ausra Fridrikas
Cheftrainerin SSV Dornbirn-Schoren

Fridrikas legt großen Wert darauf, dass die Trennung einvernehmlich erfolgte: „Ich respektiere den Beschluss. Ich habe nichts falsch gemacht und kann mir keinen Vorwurf machen. Im Spitzensport ist es zulässig, dass Anspruch und Realität nicht immer konform gehen. Ich habe von der ersten Stunde an meine Wünsche und Vorstellungen klar definiert und würde es wieder so machen. In Summe konnte ich auch dank der Unterstützung der Mädchen, einiges bewegen im Verein und darauf können alle Beteiligten stolz sein.“

Opfer bringen und Prioritäten setzen

Was Fridrikas laut eigener Aussagen nicht so gelungen ist, wie sie es wollte, war die Sichtweise für den Spitzensport, wie sie es für notwendig erachtet: „Da geht es gar nicht darum, dass man hier dieselben Maßstäbe setzt, wie ich es während meiner Zeit als Profispielerin getan habe. Ich habe volles Verständnis dafür, dass Schule, Familie und Freizeit neben dem Sport nicht vernachlässigt werden dürfen. Doch auch ich war am Ende meiner Karriere berufstätig und habe es geschafft, Sport und Beruf unter einen Hut zu bringen. Wenn man sich aber im Sport entwickeln will, muss man auch bereit sein, Opfer zu bringen und Prioritäten zu setzen. Da gab es unterschiedliche Auffassungen zwischen mir und dem Verein, die letztendlich dazu geführt haben, den im Jänner eingeschlagenen gemeinsamen Weg zu beenden.“

Sieg zum Abschluss als Wunsch

Trotz der unterschiedlichen Auffassungen will Fridrikas keine Minute ihrer Zeit beim Schulsportverein missen: „Ich trete von meinem Traineramt zurück, behalte und vergesse aber nicht die Freunde, die ich hier im Ländle gefunden habe. Ich werde diese Zeit immer in positiver Erinnerung behalten. In meinem ersten Spiel als SSV-Trainerin gab es am 20. Jänner 2018 einen 30:23-Sieg in Graz, jetzt wäre es schön, wenn mein letztes Spiel auch mit einem Sieg enden würde.“