„Wir sind weder Favorit noch Außenseiter“

Sport / 20.12.2019 • 21:23 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Ales Pajovic fiebert seiner EM-Premiere als ÖHB-Teamchef entgegen.GEPA
Ales Pajovic fiebert seiner EM-Premiere als ÖHB-Teamchef entgegen.GEPA

Einzug in Hauptrunde das Ziel von Österreich bei Handball-EM.

Wien Exakt drei Wochen vor dem ersten Vorrundenspiel des österreichischen Handball-Männerteams bei der EURO 2020 am 10. Jänner gegen Tschechien stand Österreichs Teamchef Ales Pajovic Rede und Antwort zur Entwicklung der Mannschaft, was er seiner Heimat Slowenien zutraut und wer für ihn die Favoriten auf den Titel sind.

Ende März haben Sie das Nationalteam übernommen. Wie lautet Ihr bisheriges Resümee?

Pajovic Als Gastgeber mussten wir uns nicht qualifizieren, konnten uns dafür im EHF-Eurocup mit den Topnationen Schweden, Norwegen und Spanien messen. Man hat in den sechs Spielen gesehen, welches Potenzial in der Mannschaft steckt. Wir haben gezeigt, dass wir mit den Topnationen mithalten und sie fordern können. Im Herbst hatten wir zwei Testspiele gegen Serbien und die Niederlande, zwei Nationen ungefähr auf dem selben Level wie wir. Das Team hat in diesen beiden Spielen einen enormen Willen gezeigt, hat als Kollektiv agiert. Unser System automatisiert sich von Lehrgang zu Lehrgang immer stärker. Wir haben wenig Zeit, aber die Spieler arbeiten sehr konzentriert, sind hoch motiviert und verinnerlichen das System.

Wie sehen nun die letzten drei Wochen bis zum EM-Start aus?

Pajovic Wir trainieren noch bis inklusive Sonntag in Schielleiten mit den Spielern aus der Spusu Liga. Vom 26. Dezember bis Silvester sind wir in der Südstadt, dann bereits mit den Legionären aus der Schweiz und Portugal. Ab 1. Jänner steht mir der gesamte Kader mit sämtlichen Legionären zur Verfügung. Am 6. Jänner bestreiten wir in der Stadthalle die EM-Generalprobe gegen Deutschland. Diese neun Tage und das Testspiel bis zum Auftaktspiel gegen Tschechien werden wir intensiv dazu nutzen, um noch einmal an unserer Taktik zu arbeiten und unsere Gegner zu analysieren.

Sie haben als Spieler 2004 mit Slowenien eine Heim-EM erlebt und Silber geholt. Was erwarten Sie sich bei Ihrem EM-Debüt als Trainer?

Pajovic Vor Heimpublikum zu spielen ist natürlich etwas ganz Spezielles und verleiht der Aufgabe einen besonderen Charakter. Wir hoffen auf eine volle Halle und dass der achte Mann auf der Tribüne zu einem echten Vorteil für uns wird. Gleichzeitig erhöht die Konstellation aber auch die Erwartungshaltung und die nervliche Belastung. Da ist es sicher ein Vorteil, dass das Gros der Spieler in meinem Kader bei europäischen Topvereinen engagiert ist, solche Drucksituationen kennt und weiß, wie man damit umzugehen hat.

Österreich trifft in der Vorrunde auf Tschechien, die Ukraine und Nordmazedonien. Mit welchen Zielen starten Sie in die Endrunde?

Pajovic Auch wenn keiner der Topfavoriten in unserer Gruppe ist und einige Leute von einer leichten Gruppe sprechen, bin ich der Meinung, wir haben doch eine schwere Gruppe erwischt. Trotz der Erhöhung von 16 auf 24 teilnehmende Nationen gibt es auf diesem Niveau keine leichten Gegner mehr. In denke, in unserer Gruppe kann von der Papierform her jeder jeden schlagen, und die Tagesverfassung wird den Ausschlag geben. Ich sehe uns in Gruppe B weder als Favorit, noch als Außenseiter. Unser Ziel ist es, den Top-2-Platz zu erreichen und in die Hauptrunde der besten zwölf Nationen einzuziehen.

Wer sind Ihre Favoriten auf den EM-Titel?

Pajovic Aufgrund meiner Erkenntnisse bei der WM 2019 sind Dänemark, Frankreich, Deutschland und Norwegen für mich die erklärten Favoriten. Hinzu kommen Kroatien und Titelverteidiger Spanien. Meistens kommt noch ein Überraschungsteam hinzu, mit dem man nicht gerechnet hat. Natürlich hoffe ich, dass diesmal wir das sind.