Sherrock schreibt das Märchen weiter

Sport / 22.12.2019 • 19:26 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Fallon Sherrock hatte nach ihrem Sieg allen Grund zur Freude.AP
Fallon Sherrock hatte nach ihrem Sieg allen Grund zur Freude.AP

„Queen of the Palace“ zieht nach 3:1-Sieg gegen Mensur Suljovic furios in die dritte Runde der Darts-WM ein.

London Und die Party geht weiter: Nach einem starken 3:1-Sieg gegen den Österreicher Mensur Suljovic steht Fallon Sherrock auch nach den Weihnachtsfeiertagen wieder im Londoner Ally Pally auf der Bühne. Die 25-jährige Engländerin schreibt somit weiter an ihrem persönlichen Märchen – und auch ein Stück Dartsgeschichte.

Dramatik, Comebacks und der Sieg

Schon ihr Erstrundensieg gegen ihren Landsmann Ted Evetts wurde von den Zuschauern wie von den Medien lautstark bejubelt – es war der erste Sieg einer Frau bei einer Darts-WM überhaupt. Was Sherrock gegen Suljovic ablieferte , war jedoch noch einmal eine gewaltige Leistungssteigerung. Während Österreichs Hoffung auf den WM-Titel mit der Stimmung in der Halle nicht umzugehen wusste – Suljovic wurde bei nahezu jedem geworfenen Darts von den Fans ausgepfiffen – zeigte Sherrock ein sehr souveränes Spiel. Besonders ihre überragende Doppelquote von 67 Prozent ebnete den Weg zum Zweitrundensieg.

Das Maximum nicht ausgeschöpft

Dabei wäre für Suljovic in einem Spiel mit viel Dramatik deutlich mehr möglich gewesen. Das Aushängeschild der heimischen Dartsszene führte im ersten Leg mit 2:0, verlor dieses dann aber doch noch mit 2:3. Der zweite Satz verlief dann genau umgekehrt, „The Gentle“ glich aus. Obwohl er in den folgenden Sätzen auch jeweils mit 2:0 und 2:1 führte, kam Sherrock jeweils zurück und nützte die fehlende Konstanz Suljovics eiskalt aus. Fallon Sherrock konnte ihren erneuten Triumph nur schwer fassen. „Ich habe einen gesetzten Spieler aus dem Turnier geworfen, ich kann es gar nicht glauben“, bilanzierte die Überraschungsfrau nach der Partie gegen den Ranglistenelften. Minutenlang wird sie nach ihrem Matchdart mitten ins Bully vom begeisterten Publikum im Ally Pally gefeiert, wird sogar auf eine Stufe mit Dartslegende Phil „The Power“ Taylor gehievt – dieser gratulierte postwendend via Twitter.

Des einen Freud‘, des andern Leid: Mensur Suljovic hadert erneut mit seinen Leistungen bei Weltmeisterschaften, für den Wiener reichte es noch nie weiter als ins Achtelfinale. Österreich ist somit nach seinem Aus im Auftaktspiel nicht mehr im Bewerb vertreten, Zoran Lerchbacher und Rowby-John Rodriguez schieden bereits in der zweiten bzw. ersten Runde aus.

„Wir können die Männer schlagen!“

Nach ihrem historischen Triumph ließ die „Queen of the Palace“ zudem mit einem Appell an den Weltverband aufhorchen: „Wir können die Männer schlagen, wir haben das bewiesen!“. Wie sehr sich die Weltmeisterschaften von PDC (Männer) und BDO (Frauen) in einem Sport, in dem Geschlechtertrennung nicht zwingend notwendig wäre, voneinander unterscheiden, ist am besten durch die enormen Unterschiede beim Preisgeld ersichtlich: Mit ihrem Einzug in die dritte Runde hat die gelernte Friseurin bereits 25.000 Pfund eingespielt. Für die gleiche Summe hätte sie das Turnier der Damen gleich zweimal gewinnen müssen.

Nach den Weihnachtsfeiertagen – die Sherrock mit ihrem fünfjährigen Sohn verbringen wird – steht am Freitag die Drittrundenpartie gegen Chris Dobey an (14.45 Uhr, DAZN und Sport 1 übertragen live). Auch dann wird das Publikum in der Halle wieder geschlossen und lautstark hinter seiner Heldin stehen, denn: „There‘s only one Fallon Sherron!“. FB

„Ich habe einen gesetzten Spieler aus dem Turnier geworfen, ich kann es nicht glauben!“

Auch heuer zeigte Mensur Suljovic bei der WM Nerven. GEPA
Auch heuer zeigte Mensur Suljovic bei der WM Nerven. GEPA