„Der Krafti ist gut drauf“

Sport / 26.12.2019 • 17:47 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
ÖSV-Skisprung-Trainer Andreas Felder (links) bescheinigt seinem Schützling Stefan Kraft (rechts) eine gute Vorbereitung auf die Tournee.APA
ÖSV-Skisprung-Trainer Andreas Felder (links) bescheinigt seinem Schützling Stefan Kraft (rechts) eine gute Vorbereitung auf die Tournee.APA

Bei der Vierschanzentournee will Stefan Kraft (26) auch dank seines großen Selbstvertrauens punkten.

Oberstdorf Wenn eine verpatzte Generalprobe tatsächlich ein gutes Omen ist, dann wird die Vierschanzentournee für Stefan Kraft ein voller Erfolg. Der 26-jährige Salzburger zählt vor der am Samstag in Oberstdorf beginnenden 68. Auflage zum engsten Favoritenkreis. Und sein Sturz in Engelberg soll den erhofften sportlichen Höhenflug nicht bremsen.

Nach einem Sieg und zwei zweiten Plätzen in dieser Saison ist Kraft erneut der größte Hoffnungsträger eines kompakten ÖSV-Teams – und rechtzeitig ausgezeichnet in Form: „Mit einem so großen Selbstvertrauen wie in diesem Jahr bin ich noch nie zur Tournee gekommen“, so Kraft.

Ungetrübtes Selbstvertrauen

Dass der aktuell Zweitplatzierte im Gesamtweltcup bei der Generalprobe beim allerletzten Bewerbssprung vor dem Saisonhighlight zu Sturz kam, verschob die ambitionierte Zielsetzung nicht. Die dadurch entstandenen Verspannungen im Genick und leichten Prellungen an Hüfte und Gesäß versuchte er mit Physiotherapie und Massageeinheiten während der Weihnachtsfeiertage in den Griff zu bekommen.

Und auch die Stimmung im Team ist gut; sein Cheftrainer Andreas Felder traut seinem Vorzeigespringer weiter starke Flüge und Top­platzierungen in Serie zu. „Der Krafti ist gut drauf, die Form stimmt“, konstatierte Felder. „Er ist sicher in einer guten Position.“

Während der Vorbereitung hat Kraft Titelverteidiger Ryoyu
Kobayashis „einzigartigem Sprungstil“ nachgeeifert. „Das Ski-Aufkanten und Oben-raus-Fliegen, was den so stark macht, habe ich mir den ganzen Sommer über reingebrannt.“

Der kurzfristige Griff zurück zur alten Bindung war kein Fehler. „Anfangs war ich von stabil weit weg. Aber jetzt kenne ich meine Bindung wieder in- und auswendig.“

Doch etwas Besonderes

Für die Skispringer beginnt bereits wenige Tage vor dem Jahreswechsel eine neue Zeitrechnung. „Es geht nicht ganz bei null los, aber die Tournee fühlt sich doch immer wie ein Neustart an“, erklärte Kraft. Der Kultstatus der Tournee überträgt sich auch auf die Springer. „Es kribbelt schon ganz anders. Wenn ich in Oberstdorf wieder auf die Schanze sehe, bin ich voll nervös. Aber aus der Erfahrung heraus weiß ich, dass ich damit immer ganz gut umgehen konnte“, meinte er vor seiner siebten Tournee-Teilnahme.

Kraft weiß auf jeden Fall, wie Tourneesieger geht: „Ja, schon“, sagte der Sieger aus der Saison 2014/15, zögerte dann aber lange. „Wenn es so einfach wäre, hätte ich sie danach noch dreimal gewonnen.“ Das Erfolgsrezept muss man wohl bei Janne Ahonen nachfragen. Dessen fünf Siege bedeuten Rekord. Ein paar Zutaten kennt auch Kraft: „Man muss es sich körperlich einteilen, dass man bis zum Schluss voll da ist. Das kann ich auf alle Fälle. Gutes Selbstvertrauen, Stabilität, guter Teamgeist. Wir haben einfach eine Riesengaudi. Es ist alles da. Im Endeffekt muss ein Tourneesieg aber einfach passieren.“