Einspruch eingelegt: Russland wehrt sich

Sport / 27.12.2019 • 18:03 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Schreiben der
Russen ist bei der WADA eingelangt.

Moskau Das juristische Tauziehen um Russlands Dopingsperre ist eröffnet: Russland hat wie erwartet Einspruch gegen die Dopingsanktion – einen von der WADA verhängten Vierjahresbann – eingelegt, w0mit die Sport-Großmacht ihre Ankündigung wahr machte. Nun steht eine monatelange Auseinandersetzung vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS bevor, die sich bis zu den Olympischen Spielen in Tokio hinziehen könnte.

„Wir haben heute eine ganze Reihe Dokumente an die WADA geschickt. Darunter auch die Mitteilung, dass wir die Sanktionen nicht akzeptieren“, sagte Juri Ganus, Chef der russischen Anti-Doping-Agentur RUSADA. Bereits in der vergangenen Woche hatte Russland diesen Schritt angekündigt. Da der Einspruch aufschiebende Wirkung hat, werden die Sanktionen zunächst nicht rechtskräftig.

Unterstützung von ganz oben

Unter anderem hatte sich Staatspräsident Wladimir Putin für einen juristischen Kampf gegen die Sperre starkgemacht. Die Sanktionen seien „politisch motiviert“ und verstießen gegen den „gesunden Menschenverstand“. Wenig später beschloss der Aufsichtsrat der RUSADA, Widerspruch einzulegen.

Ganus, der keinen Sitz im Aufsichtsrat hat, musste sich diesem Votum beugen. Sehr zu seinem Unwillen. Er war in den vergangenen Wochen und Monaten immer wieder als Kritiker der russischen Sportfunktionäre aufgefallen. Am Freitag erklärte er, er habe daher auch einen eigenen Brief an die WADA verfasst, in dem er seine persönliche Einstellung deutlich gemacht habe.

„Mit Bedauern muss ich Sie darüber informieren, dass alle meine Versuche, Veränderungen an der RUSADA-Mitteilung herbeizuführen, gescheitert sind“, schrieb er darin. Zudem teilte er mit, es sei „praktisch unmöglich“, gegen die Sperre der WADA vorzugehen.

Die WADA hatte am 9. Dezember wegen Manipulationen an Daten aus dem Moskauer Kontrolllabor weitreichende Sanktionen gegen Russland beschlossen. Neben der Suspendierung der RUSADA darf Russland unter anderem als Nation nicht an bestimmten sportlichen Großereignissen wie Olympischen Spielen oder Weltmeisterschaften teilnehmen oder diese ausrichten.

Russische Sportler dürfen bei diesen Events unter bestimmten Voraussetzungen als „neutrale Athleten“ starten. Betroffen könnten davon unter anderem die Sommerspiele in Tokio 2020 und die Winterspiele in Peking 2022 sowie die Fußball-WM 2022 in Katar sein.

Weitere Sanktionen möglich

Der nun getätigte Schritt ist für Russland aber nicht ohne Risiko. Der CAS könnte sogar härtere Sanktionen als die WADA verhängen. „Es gibt diese Möglichkeit“, sagte Ganus, der zudem erklärte, vor allem seine Amtskollegen aus den USA und Großbritannien könnten sich dafür aussprechen.

Wann das Verfahren vor dem CAS eröffnet wird, ist derzeit noch völlig offen. Auch wie lange es dauern wird. Der Sportrechtsexperte Michael Lehner hatte zuletzt angezweifelt, dass dies vor der Eröffnungsfeier in Tokio am 24. Juli geschehen werde.

Bereits die Olympischen Sommerspiele in Rio 2016 waren vom russischen Dopingskandal überschattet gewesen. Vor vier Jahren herrschte bis kurz vor dem Start der Wettkämpfe große Verwirrung darum, welche Athleten aus Russland jetzt starten dürften. Bei den Winterspielen in Pyeonchang 2018 kämpften insgesamt 168 russische Sportlerinnen und Sportler als „Olympic Athletes from Russia“ unter neutraler Fahne und Hymne um Medaillen.

„Wir haben heute eine ganze Reihe Dokumente an die WADA geschickt.“