Klopp gibt sich als Partycrasher

Sport / 27.12.2019 • 23:05 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Jürgen Klopp hat gut lachen. Vom Premier-League-Titel will er aber noch lange nicht reden.afp
Jürgen Klopp hat gut lachen. Vom Premier-League-Titel will er aber noch lange nicht reden.afp

Liverpool will von einer Titel-Vorentscheidung nichts wissen.

Leicester „Es ist noch nichts entschieden. Wir denken nicht im Entferntesten daran, wie viele Punkte wir vorne sind, weil es uns ganz einfach nicht interessiert“, meinte Jürgen Klopp nach dem Topspiel gegen Leicester leicht genervt. Davon, bereits nach dem 19. Spieltag „eine Hand an der Trophäe“ zu haben – wie etwa der „Telegraph“ textete, will der Deutsche nichts wissen. Zu oft hat Liverpool in der Vergangenheit gute Gelegenheiten verspielt. Zuletzt war dies im April 2014 der Fall, als Kapitän Steven Gerrard beim Titel-Showdown gegen den FC Chelsea in der entscheidenden Szene ausrutschte.

Der lang ersehnte erste Titel in der Meisterschaft seit 1990 ist nun so nah wie schon lange nicht mehr, doch Klopp schlüpft in die Rolle des „Partycrashers“. „Ich kann richtig gut die Sau rauslassen, da können sie meine Freunde fragen“, raunte Liverpools Teammanager bei der Pressekonferenz mit ernster Miene ins Mikrofon. „Aber ich wollte noch nie ohne Grund Party machen. Wenn es etwas zum Feiern gibt, werde ich es Ihnen mitteilen – bis dahin werden wir arbeiten.“

Vorsichtiges Liverpool

Dabei ist die These, dass das Team von Jürgen Klopp in dieser Saison die höchste englische Spielklasse für sich entscheiden wird, mittlerweile nicht mehr wirklich gewagt: Liverpool hat 52 von 54 möglichen Punkten geholt, 13 Zähler Vorsprung auf den ersten Verfolger Leicester City und zudem ein Spiel weniger absolviert. Damit ein anderes Team die Premier League noch gewinnen könnte, müsste Liverpool in den ausständigen 20 Partien noch 14 Punkte abgeben – in den letzten 45 Matches waren es allerdings nur deren 13. In der Geschichte des britischen Fußballs hat noch nie ein Team einen derart hohen Vorsprung verspielt. Dies höre sich für Klopp alles wahnsinnig negativ an, man wolle sich deshalb nur auf die eigenen Aufgaben konzentrieren.

Vermeintliche Vorentscheidung

Dass die Schützlinge des Welttrainers von 2019 durchaus solide Arbeit leisten, bewiesen sie auch beim 4:0-Sieg über den Zweitplatzierten Leicester City. Fünf Tage nach seinem Treffer zum Triumph bei der Klub-WM schoss Roberto Firmino die Reds auch gegen Leicester zur Führung (31.). Die Kräfteverhältnisse waren dabei über die gesamte Spieldauer recht deutlich zu erkennen, durch Tore von James Milner (71.), Firmino (74.) und dem überragenden Rechtsverteidiger Trent Alexander-Arnold (78.) wurde das Ergebnis noch in die Höhe geschraubt. Ein Sieg, der von der englischen Presse als Vorentscheidung im Titelkampf gesehen wird. „Die unaufhaltsamen Reds zerstören ihren hartnäckigsten Verfolger“, kommentierte etwa das Boulevardmedium „The Sun“. Auch Klopp attestierte seinem Team eine ziemlich gute Leistung. „Es gibt aber noch so viele Dinge, wo wir besser werden müssen. Also gibt es auch noch jede Menge Sachen, an denen wir arbeiten müssen.“ Die nächste Chance, dem Titeltraum einen Schritt näher zu kommen, gibt es bereits morgen. Dann treffen die Reds zu Hause auf Wolverhampton.

„Wenn es etwas zum Feiern gibt, werde ich es Ihnen mitteilen – bis dahin arbeiten wir.“