„Was früher war, zählt heute nichts“

Sport / 27.12.2019 • 21:53 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Bild aus gemeinsamen Tagen beim ÖSV: Gregor Schlierenzauer (r.) und Werner Schuster während der Vierschanzentournee 2011/12.apa
Bild aus gemeinsamen Tagen beim ÖSV: Gregor Schlierenzauer (r.) und Werner Schuster während der Vierschanzentournee 2011/12.apa

Gregor Schlierenzauer klopft wieder an der Weltspitze an.

Oberstdorf Der erfolgreichste Skispringer der Weltcupgeschichte gehört auch bei der diesjährigen Vierschanzentournee nicht zum Favoritenkreis. Die Anzeichen, dass Gregor Schlierenzauer den steinigsten Weg seiner Karriere übersprungen haben könnte, mehren sich aber. Platzierungen von vier und 44, zwölf und 37 belegen zunächst eine gewisse Inkonstanz. Einzelne Topsprünge, darunter eine Bestweite wie in Nischnij Tagil, zeigen aber auch, dass Schlierenzauer fünf Jahre nach seinem 53. und letzten Weltcup-Sieg wieder an der Weltspitze anklopft. „Ich habe gehofft, vor der Tournee das eine oder andere Erfolgserlebnis landen zu können, so gesehen stimmt mich die Entwicklung durchaus positiv“, erklärte Schlierenzauer.

Werner Schuster als Helfer

Sein Jugendtrainer einst in Stams, der langjährige Cheftrainer der Deutschen, Werner Schuster, hilft dem am 7. Jänner 30 Jahre alt werdenden Schlierenzauer seit einigen Monaten zusätzlich zu den ÖSV-Trainern auf die Sprünge. Zunächst war beim „Mordstüftler“ (Schuster) Schlierenzauer Aussortieren angesagt. „Wir mussten eine Grundlage schaffen in seiner Technik und haben die ganze Materialfrage etwas runtergeschraubt auf, ich sage einmal, ein Standard-Set-up, um wieder den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen. Beim Gregor musste man zuerst entrümpeln“, erklärte Schuster. Seither zeigte Schlierenzauer schon Vielversprechendes. „Die Richtung und der Kurs passen, aber es war klar, dass gerade die Konstanz eine Frage von Geduld und Beharrlichkeit ist und der Prozess nicht von heute auf morgen passiert“, so Schlierenzauer. Die erneute Zusammenarbeit zwischen dem Lehrer Schuster und dem früheren Schüler Schlierenzauer würde im Erfolgsfall zum Symbol einer kitschigen Wiederauferstehungs-Geschichte eines gefallenen Sporthelden werden. Schuster weiß um dieses Potenzial, er stand vor der Vierschanzentournee für ein Interview nicht zur Verfügung. Er plane, im Hintergrund zu bleiben, richtete er aus.

Zweifacher Bewerbsieger

Vielleicht ahnt er auch, dass Schlierenzauer kurz vor dem Anschluss an die Weltspitze steht, die Tournee aber wohl zu früh kommt. Philipp Aschenwald, dem heuer schon zweimal der Sprung aufs Podest gelang, sagt: „Der Gregor erinnert beim Zuschauen manchmal wieder an den Gregor, den man von früher kennt. Er ist halt noch ein bisserl inkonstant.“

In dieser Hinsicht kommt Schlierenzauer die Tournee gelegen. „Ich freue mich auf das spezielle Flair, das dieses großartige Sportereignis ausstrahlt, wir haben innerhalb weniger Tage sehr viele Sprünge – das ist genau das, was ich aktuell brauche“, meinte der Bewerbssieger von 2011/12 und 2012/13.

Favoriten sind andere

Die Gefahr, beim Schanzen-Spektakel zu früh zu viel zu wollen, sieht er nicht. „Ich gehöre definitiv nicht dem Kreis der Favoriten und Siegesanwärter an. Das, was früher war, zählt heute nichts“, betonte er. „Vielleicht gelingt es mir, das eine oder andere persönliche Highlight zu setzen. Ich gehe das Thema jedenfalls ohne Druck oder Tunnelblick an.“

„Ich freue mich auf das spezielle Flair, das dieses großartige Sportereignis ausstrahlt.“

Bild aus gemeinsamen Tagen beim ÖSV: Gregor Schlierenzauer (r.) und Werner Schuster während der Vierschanzentournee 2011/12.apa
Bild aus gemeinsamen Tagen beim ÖSV: Gregor Schlierenzauer (r.) und Werner Schuster während der Vierschanzentournee 2011/12.apa