Im dritten Anlauf Mission Olympia verwirklicht

Sport / 28.12.2019 • 14:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Nach Barbara Gasser 2012 ist die 24-jährige Lustenauerin Elisa Hämmerle die zweite Vorarlberger Kunstturnerin, die 2020 in Tokio zu olympischen Ehren kommt. ÖFT

Kunstturnerin Elisa Hämmerle löst Ticket für Spiele 2020 in Tokio.

Lustenau Kunstturnerin Elisa Hämmerle hat im dritten Anlauf ihr großes sportliches Ziel realisiert. 2012 musste sie der in Lustenau geborenen und in Kanada lebenden Barbara Gasser bei der internen ÖFT-Qualifikation im Rahmen der WM in Tokio im Kampf um den London-Startplatz den Vortritt lassen. Vier Jahre später endete die sportlichen Reifeprüfung bei der Generalprobe. Beim Podiumstraining der Pre-Olympics in Rio de Janeiro zog sich die Lustenauerin bei der Temposalto-Kombination ihrer Bodenübung einen Riss der Achillessehne zu und musste im Bruchteil einer Sekunde ihre Träume, drei Monate später bei den Sommerspielen am Zuckerhut dabei zu sein, jäh begraben.

Neustart mit alter Einstellung

Die Absolventin des Sportgymnasiums Dornbirn krempelte fortan alles um. Mit der Matura in der Tasche zog sie nach Innsbruck, um Wirtschaft und Sportmanagement zu studieren. Der Tapetenwechsel erwies sich als genau die richtige Maßnahme: „Zu diesem Zeitpunkt hatte der Kunstturnsport – bedingt durch die Enttäuschungen – keine Priorität mehr in meinem Leben“, betont die Lustenauerin rückblickend.

Bis zu jenem Tag im Jänner 2017, als Hämmerle im Tiroler Leistungszentrum in den Magnesiumdunst rund um Schwebebalken, Stufenbarren, Boden und Sprung zurückkehrte. An das genaue Datum kann sich die 19-fache Staatsmeisterin nicht mehr erinnern, „aber von da an war ich wieder jeden Tag in der Turnhalle“. Im Juli absolvierte sie die Grundausbildung als Heeresleistungssportlerin. Alles war wie ein Neustart, nur die Einstellung blieb die alte: „Ich wollte nicht eine Verletzung bestimmen lassen, wann ich aufhöre. Das hätte nicht zu mir gepasst. Und wenn ich etwas mache, dann nicht halb, sondern ganz.“

Die Freude am Turnsport hatte Hämmerle sofort wieder gepackt, und die täglichen Hallenbesuche gehörten wieder zur Normalität. Nach ihrer Verletzung und der Enttäuschung galt es, sich mit akribischer Genauigkeit und ohne Zeitdruck in vielen kleinen Schritten wieder dem Leistungssportniveau zu nähern.

Die absolut richtige Entscheidung

Rückblickend als wichtiger Mosaikstein auf dem Weg zurück erwies sich die Entscheidung, Mitte 2019 den Trainings- und Lebensmittelpunkt nach Hoofddorp, einen Vorort von Amsterdam, zu verlegen. „In Innsbruck habe ich den Großteil der Trainingseinheiten alleine absolviert. Als dann auch Nationaltrainer Dirk van Meldert seine Tätigkeit beim ÖFT beendete, war ich gezwungen, eine neue Lösung zu suchen. Über einen früheren Trainer entstand der Kontakt in die Niederlande, und nach einem Probetraining war mir klar, dass dies der richtige Schritt in Richtung Professionalierung ist.“

Aus einer zuvor unglücklichen Konstellation wurde die ideale Vorbereitung für die Weltmeisterschaft in Stuttgart. Bei der Weltmeisterschaft vor wenigen Wochen in Stuttgart holte sich Hämmerle mit 50,532 Punkten als Gesamt-55. im Mehrkampf und 14. in der bereinigten Wertung den Nationen-Quotenplatz für die Sommerspiele in Tokio 2020.

Mit dem ersten Schritt für die Realisierung ihres großen sportlichen Zieles will sich die Vorzeigesportlerin aber nicht zufriedengeben. „Rückblickend hat sich alles bezahlt gemacht, und alles ist so aufgegangen, wie ich es mir mit meinen Weggefährten vorgenommen habe. Dies erfüllt mich mit Stolz und ist gleichzeitig die Basis für das nächste Etappenziel. In Tokio möchte ich das Mehrkampffinale der Top-24 erreichen. Dies ist die neue Messlatte, die ich mir gesetzt habe, und darauf ist die gesamte Trainingsplanung bis August ausgerichtet. Natürlich wird dies kein einfacher Weg sein, doch ich habe mit meiner Rückkehr gezeigt, dass ich eine Kämpferin bin und für die Erfüllung meines Traumes bereit bin, Grenzen zu überschreiten.“