Shiffrin Lienz-Dominatorin

Sport / 29.12.2019 • 20:17 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Mal nachdenklich, mal gelöst und immer konzentriert: Lienz sah eine äußerst starke Doppelsiegerin Mikaela Shiffrin.ap
Mal nachdenklich, mal gelöst und immer konzentriert: Lienz sah eine äußerst starke Doppelsiegerin Mikaela Shiffrin.ap

Sieg auch im Torlauf – US-Amerikanerin hat Veränderungen und Krise bewältigt.

Lienz US-Ski-Star Mikaela Shiffrin hat nach der Enttäuschung in Courchevel auf Neustart gedrückt und ist mit dem Lienz-Double vor dem Jahreswechsel aus der Mini-Krise gefahren. Nach Platz 17 im Riesentorlauf vor Weihnachten flossen Tränen, die Reise nach Val d‘Isere wurde abgesagt, alles überdacht, manches neu gemacht. Die klar Führende im Gesamtweltcup ist nun wieder sattelfest in der Spur.

In ihrem Europa-Trainingsstützpunkt in Folgaria legte Shiffrin zuletzt einen Technik-Trainingsblock ein. Die Eltern Eileen und Jeff reisten für die Weihnachtsfeiertage aus Amerika an und sorgten dafür, dass der „Seelenfrieden“ der Tochter, wie diese es nannte, wiederhergestellt wurde. Die vergangene Woche sei deshalb „großartig“ gewesen und auch das Training „wunderbar“ verlaufen. Sie sei mehr als bereit für Riesentorlauf und Slalom in der Dolomitenstadt gewesen.

Die Vorsaison als Hypothek

Aber was war vorher passiert, das sie grübeln ließ? „Du gehst als Athlet durch diese Momente, in denen du auf dein Skifahren schauen und reflektieren und sagen musst: Ich mache meinen Job nicht gut genug“, führte die zweifache Olympiasiegerin und fünffache Weltmeisterin aus, was ihr zuletzt durch den Kopf ging. So wie sie gefahren sei, sei Platz 17 in Couchevel daher auch das gewesen, was sie verdient habe, stellte Shiffrin klar. „Du kannst nicht ins Rennen gehen und denken, du verdienst etwas oder darfst was erwarten. Aber es ist schwierig, das, was in dieser Saison passiert, nicht mit jenem in der vergangenen Saison zu vergleichen.“

Jeder spreche von dieser unglaublichen vergangenen Saison und jeder würde sich denken, was macht Shiffrin in diesem Winter bloß, ist sich diese sicher. „Das ist hart, denn ich denke mir das auch. Ich kann immer noch nicht glauben, dass ich vergangene Saison 17 Rennen gewonnen habe. Ich musste auf Neustart drücken und mir sagen: Das wird niemals wieder passieren. Konzentrier dich aufs Skifahren!“ Die Erwartung, wieder so viele Rennen zu gewinnen, sei unvernünftig, der Druck zu groß. Bei vier Rennsiegen hält Shiffrin nun in diesem Winter, 64 Weltcupbewerbe hat sie gesamt gewonnen. Nur der Schwede Ingemar Stenmark (86), Landsfrau Lindsey Vonn (82) und der Salzburger Marcel Hirscher (67) liegen noch vor ihr. Auf österreichischen Boden hat Shiffrin zwölfmal zugeschlagen, so erfolgreich war sie in keinem anderen Land. Hatte sie den Riesentorlauf-Erfolg am Samstag in Lienz als große Erleichterung wahrgenommen („Ich kann immer noch gut Riesentorlauf fahren!“), so stellte sie sich vor dem Slalom die Frage, ob sie den Mut haben werde, so aggressiv zu sein, wie sie wolle. „Dann habe ich Petra fahren gesehen und mir gedacht: So schnell kann ich nicht fahren.“ Konnte sie und verwies einmal mehr Dauerrivalin Petra Vlhova aus der Slowakei um 0,61 Sekunden auf Platz zwei.

Sie wolle dies nicht falsch verstanden wissen, sie habe Respekt vor allen Läuferinnen, aber Vlhova sei eine derjenigen, die imstande seien, sie im Slalom zu schlagen. „Ich habe sehr viel Respekt vor ihr. Sie pusht ihr Level, also muss ich meines auch pushen. Ich habe heute aber wirklich gutes Slalomfahren von vielen gesehen, das war sehr motivierend.“

Mit der Gitarre ins Neue Jahr

Zu Silvester wird sie vielleicht ihre Gitarre auspacken und ein bisserl spielen, meinte Shiffrin. Und wie sie abseits von Siegen und Rekorden auf 2019 zurückblickt? „Es fühlt sich so an, als ob ich viel gelernt habe. Es war emotional. Ich bin durch viele Veränderungen gegangen. Es fühlt sich an, als ob ich (am Anfang des Jahres) 17 war und nun 24 bin. Ich bin erwachsener geworden.“

Einschneidende persönliche Erlebnisse, von denen die Öffentlichkeit erfuhr, waren im Sommer die Trennung von ihrem Freund, dem französischen Skirennläufer Mathieu Faivre, und im Oktober der Tod der geliebten Großmutter Pauline.

Katharina Liensberger ließ Österreichs Skifans in Lienz jubeln. gepa
Katharina Liensberger ließ Österreichs Skifans in Lienz jubeln. gepa

SKi-weltcup

Damen, Slalom in Lienz

 1. Mikaela Shiffrin (USA) 1:48,89 54,54 54,35

 2. Petra Vlhova (SVK) 1:49,50 +00,61 54,80 54,70

 3. Michelle Gisin (SUI) 1:50,61 +01,72 55,75 54,86

 4. Katharina Liensberger (AUT) 1:50,77 +01,88 55,30 55,47

 5. Christina Ackermann (GER) 1:50,80 +01,91 55,86 54,94

 6. Lena Dürr (GER) 1:51,04 +02,15 55,53 55,51

 7. Aline Danioth (SUI) 1:51,36 +02,47 55,98 55,38

 8. Mina Fürst Holtmann (NOR) 1:51,43 +02,54 56,16 55,27

 9. Laurence St-Germain (CAN) 1:51,52 +02,63 55,51 56,01

10. Meta Hrovat (SLO) 1:51,59 +02,70 56,19 55,40

11. Marlene Schmotz (GER) 1:51,68 +02,79 56,35 55,33

12. Erin Mielzynski (CAN) 1:51,89 +03,00 56,35 55,54

13. Federica Brignone (ITA) 1:51,95 +03,06 56,11 55,84

14. Irene Curtoni (ITA) 1:52,20 +03,31 56,13 56,07

15. Kristin Lysdahl (NOR) 1:52,25 +03,36 56,43 55,82

16. Chiara Mair (AUT) 1:52,47 +03,58 57,38 55,09

17. Katharina Huber (AUT) 1:52,54 +03,65 56,28 56,26

18. Katharina Truppe (AUT) 1:52,74 +03,85 55,97 56,77

Ausgeschieden im 1. Durchgang: Franziska Gritsch (AUT), Michaela Dygruber (AUT), Marie-Therese Sporer (AUT), Anna Swenn-Larsson (SWE), Paula Moltzan (USA), Melanie Meillard (SUI)

Ausgeschieden im 2. Durchgang: Katharina Gallhuber (AUT), Roni Remme (CAN), Estelle Alphand (SWE)

Disqualifiziert im 2. Durchgang: Wendy Holdener (SUI)