Kreuzbandrisse sorgen für Umdenken

Sport / 03.01.2020 • 18:55 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Für Felder ist Materialmaximum nicht immer Optimum.

Innsbruck Michael Hayböck erwartet im Sommer Material-Modifikationen im Skisprung-Weltcup und liegt damit wohl richtig. Nach einer Serie von Knieverletzungen erstellt der Ski-Weltverband (FIS) bei der Vierschanzentournee eine Bestandsaufnahme: Skier, Schuhe und das möglicherweise verletzungsfördernde Bindungs-Keil-System werden von jedem Athleten fotografiert. Regel- oder Materialänderungen sind vorprogrammiert. Er und viele seiner Kollegen seien von der FIS nach dem Garmisch-Training in einen Container zitiert und ihr Equipment anschließend dokumentiert worden. „Ich glaube nicht, dass die FIS das nur tut, um gegenüber den Medien gut dazustehen“, meinte Hayböck.

Handlungsbedarf

FIS-Skisprungchef Walter Hofer hatte bereits im Oktober gemeint, dass sich die Verletzungsproblematik von der Anlauf- und Flugphase in die Landung transferiert habe. Der Kärntner, der derzeit seine letzte Tournee als Rennleiter bestreitet, vermutet die Ursachen in der Beschaffenheit der neuen Skier und Keile, mit denen die Sportler ihre Füße zum Planlegen der Skier in der Luft fixieren. Evidenzbasiert ist diese Aussage nicht, weshalb Hofers designierter Nachfolger Sandro Pertile derzeit mit einer Analyse betraut ist. 2019 erlitten allein sieben Skispringerinnen einen Kreuzbandriss, bei den Herren gibt es mit dem deutschen Olympiasieger Andreas Wellinger und Ex-Weltrekordhalter Anders Fannemel prominente Beispiele. In Klingenthal kam der norwegische Junioren-Weltmeister Thomas Aasen Marken als jüngstes Opfer dazu.

Handlungsbedarf sieht auch Andreas Felder. „Es sind alle gefordert, sich hier vernünftige Gedanken zu machen“, sagte der ÖSV-Cheftrainer. „Man muss ein Set-up finden, das für den Absprung, die Luftfahrt und die Landung funktioniert.“ Auch er kennt die Problematik. „Beim Telemark wird der vordere Fuß in eine Extremposition hineingedrückt und der hintere Ski kantet meistens nach innen.“ Hofer sprach zuletzt davon, das Problem entweder durch direkten Eingriff in die Regeln in den Griff bekommen zu wollen. „Oder indirekt, indem man die Landung in der Punktewertung mit einem höheren Faktor bewertet.“ Der frühere Weltklasse-Springer Martin Schmitt reagierte auf letzteren Vorschlag mit Unverständnis. „Das ist genauso, als würde man in der Formel 1 keine Auslaufzonen mehr machen, damit die Piloten nicht mehr so schnell durch die Kurve fahren.“ Die direkte Regeländerung sei vorzuziehen, doch gerade da scheint Widerstand vorprogrammiert. „Nationen, die derzeit darin einen Vorteil für sich sehen, werden gegen eine Änderung stimmen“, ist Felder überzeugt.