Saudi-Arabien neue Heimat der Rallye Dakar

Sport / 03.01.2020 • 19:01 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Sport soll das angeschlagene Image des Königreichs reinwaschen.

Jeddah Im Schatten des kolossalen Jeddah Towers in Saudi-Arabien startet die Rallye Dakar in ein neues Zeitalter. Noch in diesem Jahr soll der Wolkenkratzer am Roten Meer fertiggestellt werden und mit einer Höhe von mehr als einem Kilometer sämtliche Rekorde brechen. Derzeit herrscht aber Baustopp, anders als bei der zweiten großen Baustelle des Wüstenstaates.

Denn unermüdlich versucht das weltweit heftig kritisierte Königreich, sein Image mit der Austragung bedeutender Sportevents reinzuwaschen. „Sportswashing“ wird diese kostenintensive Strategie genannt, die auch in Katar oder in den Vereinigten Arabischen Emiraten längst etabliert ist. Laut der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch finden diese Großveranstaltungen „in höchst kontrollierbaren Umgebungen“ statt, um ein „fortschrittliches Gesicht“ zu zeigen. Im vergangenen Jahr drehte etwa die Formel E in Saudi-Arabien ihre Runden, der Schwergewichts-WM-Boxkampf zwischen Anthony Joshua und Andy Ruiz Jr. stieg in Riad, zuletzt spielte auch Cristiano Ronaldo mit Juventus Turin gegen Lazio Rom im King Saud University Stadium um den italienischen Supercup.

Zumindest für fünf Jahre

Und jetzt die Dakar. Für zumindest fünf Jahre zieht die härteste Wüstenrallye der Welt auf die arabische Halbinsel. All diese Events dienen der „Vision 2030“ des Kronprinzen Mohammed bin Salman, der das konservative Land reformieren und wirtschaftlich breiter aufstellen will. Der Sport soll dabei internationale Touristen anlocken, seit September werden erstmals Touristen-Visa ausgestellt. Dabei steht das Königreich aufgrund massiver Verstöße gegen die Menschenrechte aber immer wieder in der Kritik. Zudem wurden 2019 in Saudi-Arabien laut offiziellen Angaben mindestens 187 Menschen hingerichtet, die höchste Zahl seit 24 Jahren. Auch die brutale Ermordung des Journalisten Jamal Khashoggi hatte weltweite Empörung ausgelöst. Die Veranstalter der Rallye Dakar sind sich des Dilemmas bewusst. „Wir haben ein wenig überlegt“, sagte Dakar-Chef David Castera: „Aber das Land hat uns viel zugesichert und wir wissen, dass der Wunsch zur Öffnung besteht.“ Nach mehr als einem Jahrzehnt in Südamerika kehrt die Dakar damit wieder näher an ihren Ursprung zurück – bei ihrer ersten Ausgabe 1979 führte die Rallye von Paris quer durch Afrika zur Hauptstadt Senegals.

Auf die Fahrer warten in zwölf Tagen fast 7900 Kilometer von der Hafenstadt Jeddah nach Qiddiyah, wo derzeit eine Unterhaltungsstadt im Rahmen eines Megaprojekts in der Nähe von Riad entsteht. Erstmals mit dabei ist der zweifacher F1-Weltmeister Fernando Alonso. Der 38-jährige Spanier bestreitet das strapaziöse Offroad-Abenteuer an der Seite seines erfahrenen Beifahrers und Landsmanns Marc Coma in einem Toyota Hilux. Topfavorit auf den Gesamtsieg ist sein Markenkollege und Vorjahressieger Nasser Al-Attiyah aus Katar.

„Es wäre gewagt, an Sieg zu denken. Es ist die größte Herausforderung meiner Karriere.“

Matthias Walkner fühlt sich bereit für das neue Abenteuer und nimmt die Dakar 2020 mit Optimismus in Angriff.gepa
Matthias Walkner fühlt sich bereit für das neue Abenteuer und nimmt die Dakar 2020 mit Optimismus in Angriff.gepa