Preisgeld: Pflicht und Kür in Euro

Sport / 10.01.2020 • 21:16 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Sind Sie ehrlich beeindruckt, wenn Sie hören, dass Dawid Kubacki als Gesamtsieger der Vierschanzentournee 18.400 Euro kassiert? Therese Johaug würde nur milde lächeln, sie hat am Vortag, für ihren Tour-de-Ski-Sieg im Langlauf, doch 50.000 abgeholt.

Karl Geiger und Marius Lindvik gingen am Stockerl übrigens leer aus, obwohl sie bis zum vorletzten Sprung für flirrende Spannung gesorgt hatten.

Es war eine Vorzeige-Tournee, mit Rundum-Werbeflächen in vollen Stadien und beindruckenden Fernseh-Einschaltquoten: Spitzenwerte über sieben Millionen Zuseher im deutschen Fernsehen, bis zu 8,8 Millionen in Polen, über eine Million in Österreich, allein am Finaltag in Bischofshofen. Der ÖSV-Präsident spricht von einem wirtschaftlichen Erfolg. Warum bleibt am Ende so wenig für die Hauptdarsteller?

Kitzbühel macht es vor

Die RAW-AIR Skisprungserie in Skandinavien wurde erst vor drei Jahren ins Leben gerufen. Sie erfüllt das Pflichtpreisgeld der Einzelweltcups und als finanzielle Kür erhalten die Top Drei der Endabrechnung Schecks über 60.000, 30.000 und 10.000 Euro.

Allein der Dritte des Slaloms am Ganslernhang in Kitzbühel wird heuer fast 50% mehr erhalten als der Gesamtsieger der Springertournee. Zum 80. Jubiläum am Hahnenkamm werden Preisgelder in Rekordhöhe von 725.000 Euro ausgeschüttet. Statt in eine Jubiläumsfeier wird dort in die Sportler investiert und im Nebeneffekt ein lautes Zeichen gesetzt. Mit Geld wird Bedeutung verliehen. Das war nie besonders elegant aber immer schon verlässlich wirksam.

Skispringen hat wirtschaftlich-medial viele Grenzen verschoben. Bei der Tournee kommt allerdings zu wenig von dem Segen bei den Sportlern an, Tourneezweite und -dritte gehen immer noch leer aus. Warum wird so drastisch unter Wert entlohnt?

Die Lobby der Skispringer ist offensichtlich im ÖSV, im DSV, der FIS und beim Vermarkter Infront zu wenig stark, um das einzigartige Produkt auch in finanzieller Dimension angemessen zu platzieren!

Stellenwert des Skispringens

Weil die Höhe des Preisgeldes für die Bedeutung eines Ereignisses zu stehen scheint, wird diese Karte in Kitzbühel gespielt und geklotzt. Dass aber bei der Tournee dermaßen gespart wird, ist nicht nur für die Sportler ärgerlich. Im Wettbewerb der Sportarten widerspricht es völlig dem Stellenwert des Skispringens. Ist es nur Knausrigkeit oder mangelnde Klarheit, wer die Verantwortung und das Geld in die Hand nehme sollte? Es gemeinsam anzugehen, ist vermutlich zu naheliegend.

Ein Schelm, der denkt, dass Kalkül dahinter stecken könnte …

„Die Lobby der Skispringer ist zu wenig stark, um das einzigartige Produkt finanziell angemessen zu platzieren.“

Toni Innauer

sport@vn.at

Anton „Toni“ Innauer ist Skisprung-Olympiasieger, war Skisprungtrainer und ÖSV-Sportdirektor. Heute als Buchautor und Vortragender tätig.