Sechste Endrunde in 22 Jahren

Sport / 10.01.2020 • 23:01 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Nach 1998 2006, 2010, 2014 und 2018 habe ich zum sechsten Mal die Ehre, von einer Handball-Europameisterschaft zu berichten. Vor 22 Jahren in Bozen und acht Jahre später in St. Gallen war ich durch den Umstand, dass Österreich fehlte, nur sporadisch als stiller Genießer auf der Tribüne dabei. Genau das Gegenteil war dann 2010 der Fall, als Österreich in Linz und anschließend Wien seine Premiere feierte. Die Erinnerungen und Emotionen an die legendäre Partie gegen Island, als man durch Tore von Roli Schlinger, Bernd Friede und Markus Wagesreiter in den letzten 72 Sekunden mit dem 37:37 den ersten Punkt auf europäischer Ebene in der Handball-Neuzeit sprichwörtlich erkämpfte, werden mir immer im Gedächtnis bleiben und mich mit Stolz erfüllen, diese magischen Momente live miterlebt zu haben.

Nicht minder erfreulich ist die Tatsache, dass der Handballsport, nicht zuletzt durch die Erfolge des Männerteams in den letzten Jahren, zum erfolgreichsten Mannschaftssport in Österreich aufgestiegen ist. Die mehr als verdiente gesteigerte Wahrnehmung in der Öffentlichkeit spiegelt sich auch in der Zahl der Fans, die zu den Auftritten von Robert Weber und Teamkollegen in die Halle kommen. Nach 5000 Zuschauern in der Gruppenphase in Linz entfachte in der Hauptrunde über 8000 Zuseher in der Wiener Stadthalle einen regelrechten Handballboom. Der ist auch beim zweiten Groß­event innert zehn Jahren in der Alpenrepublik deutlich spürbar. Bereits zwei Stunden vor Beginn des Auftaktspiels gegen Tschechien standen die Fans vor den Eingangstüren der Stadthalle.

Ob sich die rot-weiß-roten Hoffnungen auf ein zweiten Wintermärchen erfüllen, wir man nach Beendigung der Vorrunde am Dienstag wissen. Eines ist aber jetzt schon klar: Der Handballsport ist durch professionelle Strukturen und wohlüberdachte personelle Entscheidungen zu einem Premiumprodukt aufgestiegen, worauf man mit Recht stolz sein kann.

Unabhängig vom sportlichen Erfolg hat der Österreichische Handballbund (ÖHB) bereits jetzt den Beweis angetreten, dass man trotz eines Minimalbudgets von rund sechs Millionen Euro in der Lage ist, ein perfekter Gastgeber zu sein. Doch so wie vor zehn Jahren will man sich damit nicht begnügen und auch sportlich den Aufwärtstrend bestätigen.