Wenn Unberechenbares passiert

Sport / 11.01.2020 • 13:30 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Die Play-offs in der National Football League versprechen Spannung. <span class="copyright">afp</span>
Die Play-offs in der National Football League versprechen Spannung. afp

Vier von elf Play-off-Spielen in der National Football League (NFL) sind geschlagen.

Schwarzach Die Wild-Card-Runde und damit das erste Wochenende der NFL-Play-offs hatte es in sich. Alle vier Spiele wurden, zum ersten Mal seit fast 30 Jahren, mit nur einem Score Unterschied (= acht Punkte oder weniger) entschieden, zwei der vier Partien gar erst in der Verlängerung. Zudem befinden sich Titelverteidiger New England und die hochfavorisierten New Orleans Saints bereits im Urlaub, ein Favoriten-Sterben „light“, wenn man so will.
Dass ich in der Vorwoche bei drei meiner vier Siegprognosen daneben gelegen bin, ist durchaus der Wild-Card-Runde geschuldet. Diese ist historisch gesehen öfter für Überraschungen gut, als das in den Viertelfinals bzw. den sogenannten Divisional Play-offs der Fall ist. Dort wird nämlich Unberechenbares durchaus berechenbar.

Warum? Darum . . .

Die vier besten Teams (nach Sieg-Niederlagen-Bilanz) der Regular Season steigen erst jetzt, heißt mit einer spielfreien Woche im Rücken, und einem Heimspiel in die K.O.-Runde ein. Das waren zumindest in jüngerer Vergangenheit stark erfolgversprechende Faktoren für eine Halbfinalteilnahme. In den letzten fünf Jahren konnten satte 80 Prozent der Viertelfinalheimteams ihre Spiele siegreich gestalten, bei den Buchmachern sind die Gastgeber an diesem Samstag bzw. Sonntag allesamt favorisiert. Aus guten Gründen. Nachfolgend finden Sie meine Minipreviews zu allen Spielen.

Jimmy Garoppolo hat mit den 49ers aus San Francisco Heimrecht gegen Minnesota. <span class="copyright">afp</span>
Jimmy Garoppolo hat mit den 49ers aus San Francisco Heimrecht gegen Minnesota. afp

NFC #1 San Francisco 49ers vs NFC #6 Minnesota Vikings: San Francisco stellt nach harten Jahren im NFL-Niemandsland das beste Team der NFC. Die Offense ist innovativ und ausbalanciert, in der Verteidigung befindet sich das wohl beste Pass-Rush-Kollektiv. Minnesota hat in Play-off-Runde 1 bereits ein kleines Wunder vollbracht, ein Sieg gegen diese 49ers wäre ein noch Größeres.

Lamar Jackson von den Baltimore Ravens ist wohl der körperlich robusteste Quarterback.<span class="copyright"> afp</span>
Lamar Jackson von den Baltimore Ravens ist wohl der körperlich robusteste Quarterback. afp


AFC #1 Baltimore Ravens vs AFC #6 Tennessee Titans: Das AFC-Pendant der 49ers sind die Ravens. Das Offensivschema ist gnadenlos grandios. Das Laufspiel: nicht zu stoppen. Dreh- und Angelpunkt ist Quarterback und MVP-Kandidat Lamar Jackson. Der wohl athletischste Spielmacher der NFL bereitet jeder Verteidigung Kopfzerbrechen. Tennessee kann nur überraschen. Der Gameplan ist leicht: mit eigenen, langen Angriffsserien Jackson so lange wie möglich an der Seitenlinie halten. Die 191 cm große und 112 kg schwere Urgewalt namens Derrick Henry auf der Running Back-Position könnte hierbei behilflich sein.

Das Einlaufen in die Arena genießt Kansas-City-Quarterback Patrick Mahomes.<span class="copyright"> afp</span>
Das Einlaufen in die Arena genießt Kansas-City-Quarterback Patrick Mahomes. afp

AFC #2 Kansas City Chiefs vs AFC #4 Houston Texans: Nur drei Jahre nachdem sie von ihren jeweiligen Teams in der ersten Runde gedraftet worden sind, treffen die Quarterbacks Patrick Mahomes (KC) und DeShaun Watson (HOU) in den Play-offs aufeinander. Zwei Spieler, die an guten Tagen im Alleingang den Unterschied machen. Die Chiefs sind im Gegensatz zu den Texans ausgeruht und verfügen auf dem Papier über den tiefer besetzten Kader.

Davante Adams (Nummer 17) und Jake Kumerow von den Green Bay Packers wollen wieder jubeln. <span class="copyright">afp</span>
Davante Adams (Nummer 17) und Jake Kumerow von den Green Bay Packers wollen wieder jubeln. afp

NFC #2 Green Bay Packers vs NFC #5 Seattle Seahawks: Zum Abschluss des Wochenendes treffen im kleinen Örtchen Green Bay im Gefrierschrank Wisconsin (Prognose von -6° Celsius bei Spielbeginn) die Packers auf Seattle. Green Bay hat unter Neo-Coach Matt LaFleur nur drei der sechzehn Saisonspiele verloren. Altmeister Aaron Rodgers will mit 36 Jahren noch einmal in Richtung Super Bowl marschieren. Sein Gegenüber? Seahawks QB Russell Wilson, der von den US-Medien immer wieder „Houdini“ als zweiten Vornamen angetragen bekommt. Kein anderer Spielmacher kann aus noch so vertrackter Situation doch noch Zählbares liefern.

Martin Pfanner ist selbstständiger Journalist und TV-Kommentator sowie Produzent. Er arbeitet u. a. für die Servus Hockey Night, den Schweizer Sportsender MySports und das Streaming-Portal DAZN. American Football und Eishockey sind seine großen Passionen.