Ein Bayer als Chauffeur nach Graz

Sport / 12.01.2020 • 21:50 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Er kommt aus Bamberg, war in seiner Jugend selbst Handballer und ist bei der EURO 2020 als Fahrer im Einsatz. Die Rede ist von Moritz Vornhof, einem 21-jährigen Bayern, der seit Herbst 2016 seinen Lebensmittelpunkt nach Wien verlegt hat und an der WU Wirtschaftswissenschaften studiert. Die letzte Verschnaufpause vor den finalen Prüfungen bis zum Bachelor-Abschluss nutzte der im Wiener Handballverband als Schiedsrichter tätige Deutsche dazu, als Volunteer bei der Europameisterschaft zu arbeiten. „Verdienen tut man zwar nicht viel. Doch dies nimmt man gerne in Kauf, wenn man in den Genuss kommt, Spiele live zu sehen“, erklärt Vornhof.

Trotz seiner großen Liebe zu Österreich und Wien hofft Vornhof, dass Deutschland den Sprung in die Hauptrunde schafft und dann in Wien weiterspielt: „Das wäre natürlich cool, weil ich bei der Weltmeisterschaft im letzten Jahr keine Möglichkeit hatte, die Spiele von Deutschland in Berlin zu besuchen.“

Dank der Ausweitung des Teilnehmerfeldes und die Neuerung, dass erstmals bei einer EM-Endrunde in der Gruppenphase innerhalb einer Nationen an beiden Spielorten um einen Tag versetzt gespielt wird, hatte ich die Möglichkeit zur Stippvisite nach Graz. Dank Moritz verlief die zweistündige Autofahrt wie im Flug.

Zumindest was die Stimmung betrifft, wurden meine Erwartungen in der Murmetropole mehr als erfüllt. Besonders die kroatischen Fans sorgten mit ihren ohrenbetäubenden Schlachtgesängen nicht nur bei mir für Gänsehaut pur.

Da war es nicht schlecht, dass man sich zwischen den Partien ins Pressezentrum zurückziehen oder eine ruhigere Ecke suchen konnte, um sich über die Geschehnisse im heimischen Fachverband zu informieren. Von VHV-Präsident Hansjörg Füssinger bekam ich in Graz aktuelle Informationen über die im Hintergrund laufenden Gespräche zur Neubesetzung des ÖHB-Vorstandes und den heiß diskutierten Veränderungen bzw. über die Spusu Liga. Welche Personen zur Wahl stehen, die nach der Heim-EM die Verbandsspitze bilden werden, soll erst nach der finanziellen Abrechnung der EURO 2020 veröffentlicht werden. Auch in den beiden Männerligen sind Veränderungen angedacht. Eine Zwölferliga wird ebenso wie eine regional zweigeteilte zweite Leistungsklasse, die Aufhebung der Legionärsbeschränkung oder des U-20-Bewerbes heiß diskutiert und sorgt für viel Stimmung und Gesprächsstoff abseits des Parketts.