Staatskrise nach historischem Scheitern

Sport / 16.01.2020 • 22:20 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Dänen und Franzosen beklagen nach Vorrunden-Aus den EM-Modus.

Malmö „Schock“, „Fiasko“, „Tiefpunkt der dänischen Handball-Geschichte“: Das historische Scheitern des Weltmeisters und Olympiasiegers löste im handballverrückten Dänemark eine kleine Staatskrise aus. Ein K.o. in der Vorrunde einer EM – das hatte es bei den erfolgsverwöhnten Skandinaviern noch nicht gegeben.

Während sich die Kommentatoren in der Heimat mit Superlativen überschlugen, waren die dänischen Stars um Welthandballer Mikkel Hansen in Malmö konsterniert. Ihr Trainer Nikolaj Jacobsen wirkte mächtig angefressen. Die allgemeine Endzeitstimmung ging dem Weltmeister-Macher dann aber doch zu weit. Ob das schlechteste EM-Abschneiden in der Geschichte der Handballnation ein „Fiasko“ sei? „Ich habe keinen Bock, solche Wörter zu benutzen“, sagte Jacobsen genervt: „Wir haben diesmal das Niveau nicht erreicht.“ Er wolle nicht als schlechter Verlierer dastehen, „aber wir sind auch Opfer des neuen EM-Modus geworden. Wenn man wegen einer Niederlage mit einem Tor ausscheidet, ist das schon fragwürdig.“

Noch deutlicher in seiner Kritik Dänemarks Sportchef Morten Stig Christensen. „Der Handball muss sich überlegen, ob es gut ist, wenn Nationen wie Frankreich und Dänemark nach der Vorrunde raus sind“, sagte Christensen.

Die Dänen hatten vor dem Turnier vom Grand Slam des Handballs, der Vereinigung aus Olympiasieg, Welt- und Europameistertitel geträumt – drei Punkte waren am Ende zu wenig. Nach einer Niederlage gegen Island (30:31) und dem Remis gegen Ungarn (24:24) fiel das abschließende 31:28 gegen Russland nicht mehr ins Gewicht.

Olympia als Hoffnungsschimmer

Auch Frankreich wurde nach Niederlagen gegen Portugal und Norwegen nur Dritter seiner Vorrundengruppe – ein Platz, der bei den vorherigen EM-Endrunden für das Weiterkommen genügt hätte. Diesmal ging es nach vier Goldenen bei den letzten sechs Auflagen nach der ersten Turnierphase mit leeren Händen zurück nach Hause.

Viel mehr als mit dem neuen Modus dürfte das Ausscheiden der Favoriten mit der Tatsache zu erklären sein, dass 2020 ein Olympiajahr ist. Während Dänemark als Weltmeister längst für Tokio qualifiziert ist und Frankreich als WM-Dritter 2019 seinen Platz beim Qualiturnier Mitte April sicher hat, geben andere Nationen bei der EURO 2020 Vollgas, um noch eines der begehrten Tickets für die Olympia-Ausscheidung zu ergattern.