An Geist von Dornbirn erinnert

Sport / 17.01.2020 • 22:26 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Beim 29:28-Erfolg gegen Spanien im April dieses Jahres im Dornbirner Messestadion erzielte Robert Weber zehn Tore. APA
Beim 29:28-Erfolg gegen Spanien im April dieses Jahres im Dornbirner Messestadion erzielte Robert Weber zehn Tore. APA

Österreich beschwört vor Spanien-Partie die Leistung des 29:28-Sieges im April.

Wien Die erste Niederlage bei der EURO 2020 soll Österreichs Handballmänner nicht aus der Bahn werfen. Das 23:27 gegen die klar favorisierten Kroaten hinterließ eine ÖHB-Auswahl, die ihren Chancen nachtrauerte und weiter an Erfolge glaubt. „Ich glaube aber nicht, dass das die Stimmung dämpft. Das Turnier ist für uns noch nicht vorbei“, betonte Kapitän Nikola Bilyk vor dem Kracher gegen Titelverteidiger Spanien am Samstag (18.15 Uhr, live ORF 1).

Zündende Ideen fehlten

Nach der makellosen Vorrunde mit Siegen gegen Tschechien, die Ukraine und Nordmazedonien bekam es die Auswahl von Teamchef Ales Pajovic mit dem ersten erklärten Titelkandidaten zu tun – und musste dessen Klasse letztlich zur Kenntnis nehmen. Trotz des respektablen Resultats war es vor allem die Offensivschwäche der ersten Hälfte, die Rot-Weiß-Rot um potenzielle Chancen brachte. Da arbeitete man sich an der von Ex-Welthandballer Domagoj Duvnjak organisierten 5:1-Abwehr ab und vergab noch dazu einige Möglichkeiten. „Um gegen solche Topgegner mitzuhalten, darf man sich keine Blößen geben und muss die Chancen einfach reinmachen“, betonte Bilyk, der mit drei Toren nicht an seine Quote in den ersten Partien herankam, mit 31 Treffern aber weiter die Pole Position in der Torschützenliste einnimmt. Sein Fazit: „Wir waren im Angriff einfach nicht konsequent genug. Das, was sie mit der offensiven Deckungvariante erreichen wollten, haben sie geschafft.“

Ähnlich beurteilte Teamchef Pajovic die Sachlage. „Wir haben gewusst, dass sie es mit dieser Abwehrvariante versuchen werden und uns darauf eingestellt. Ohne die Leistung der Kroaten zu schmälern, müssen wir uns aber auch selbst an der Nase nehmen. Wir haben etliche Chancen ausgelassen und wenn die zahlreichen Latten- oder Pfostenwürfe reingegangen wären, wäre die Partie länger offen gewesen“, erklärte der Slowene.

Positive Aspekte mitnehmen

Pajovic versuchte im Hinblick auf das richtungsweisende Duell im Kampf um eine Top-3-Platzierung in der Hauptrunde gegen Spanien das Positive mitzunehmen. „Wir haben in der zweiten Hälfte gegen Kroatien gesehen, dass alles möglich ist, wenn wir kämpfen“, betonte der einstige Weltklassespieler und hoffte, „dass sein Team in den nächsten Spielen nicht vor dem großen Namen des Gegners in Ehrfurcht erstart und mit mehr Respekt von der ersten Minute an agiert“.

Mehr Lockerheit gefragt

Routinier Robert Weber wünschte sich mehr Lockerheit, wie dies in der Vorrunde der Fall war: „Die Körpersprache war eine andere als in den ersten drei Partien. Wir müssen 100 Prozent auf die Platte bringen, das Ganze aber genießen und mehr Spaß reinkriegen. Solche Spiele kommen nicht jeden Tag.“

Gleichzeitig erinnerte der 34-jährige Harder an den letzten Auftritt gegen die Iberer im April dieses Jahres im Dornbirner Messestadion im Rahmen des EHF-Euro-Cups: „Obwohl bei den Spaniern damals einige Topstars fehlten, waren wir klarer Außenseiter. Doch wir haben an unsere Chance geglaubt und sie mit Herz und Verstand 29:28 besiegt. Natürlich ist die Partie von damals mit der Wertigkeit jener bei der EURO 2020 nicht gleichzustellen. Wir haben Respekt vor ihnen, müssen uns aber nicht verstecken“, betont Weber.

Der Erfolg in Dornbirn war zugleich der erste Sieg für Ales Pajovic als ÖHB-Teamchef und der erste gegen die Iberer seit 1992. In 28 direkten Vergleichen gab es aus Sicht von Rot-Weiß-Rot fünf Siege und 23 Niederlagen. VN-JD