Viel Lob für die Nachwuchsarbeit in Vorarlberg

Sport / 17.01.2020 • 22:22 Uhr / 6 Minuten Lesezeit

Mit Patrick Feurstein (23) und Thomas Dorner (21) werden zwei Ländle-Rennläufer nunmehr von Ferdinand Hirscher betreut.

Lech Über viele Jahre war der Physiotherapeut Alexander Fröis Begleiter von Marcel Hirscher. Nicht die einzige Verbindung des Salzburgers zu Vorarlberg, über ÖSV-Teamkollegen hinaus. Nach seinem Karriereende wird diese dank seines Vaters fortgeführt, wenngleich auf einer ganz speziellen Ebene. Denn im Team, das von Vater Ferdinand (64) betreut wird, sind mit Patrick Feurstein (23) und Thomas Dorner (21) zwei heimische Talente. Ein weiteres sichtbares Zeichen für den Aufschwung im heimischen Skirennsport. Anlässlich des VN-Sporttalks im Hotel Post in Lech gab es aus dem Munde von Marcel Hirscher denn auch viel Lob für die Arbeit im VSV. Und in Richtung seines Vaters meinte er mit einem Schmunzeln: „Er macht nur seinen Job weiter. Ich finde es cool, dass er sich junger Talente annimmt.“ Dem kann auch VSV-Präsident Walter Hlebayna zustimmen, wenngleich er zu bedenken gab: „Fahren müssen sie dann immer noch selbst.“

Unterschiedliche Sichtweisen

Dass Verletzungen und Erfolge sehr schnell die Gemütslage im Skisport verändern können, verriet Hlebayna im Vorfeld der Diskussion. Gerade das Thema Verletzungen sorgte schließlich für eine lebhafte Diskussion zwischen Marcel Hirscher und Marc Girardelli. Ersterer sprach dabei vor allem die Geschwindigkeit im Rennsport an. „Sie ist ein Multiplikator für Verletzungen“, sagte Hirscher, für den Geschwindigkeit deshalb der Schlüssel zu mehr Sicherheit im Skisport ist. Eine Kreuzbandverletzung sei schon fast so normal wie ein Schnitt in den Finger, gab Hirscher zu bedenken. Das wollte Girardelli so nicht stehen lassen. Vielmehr prangerte er die Kurvenradien an und stellte fest, dass Verletzungen oft in langsameren Abschnitten passieren. So wie 2016, als sich an der Hausbergkante mehrere Fahrer das Kreuzband gerissen haben. „Weil sie auf der Ideallinie unterwegs waren und sich die Piste über Nacht veränderte, eine Mulde entstanden ist.“ Diesen, sich ständig, oft wetterbedingt ändernden Verhältnissen gerecht zu werden, sei im Skirennsport kaum möglich. „Es kann passieren, dass du die Streif bei Neuschnee in 1:58 fährst und die Strecke über Nacht um sechs Sekunden schneller wird.“ Was Hirscher zur Aussage bewegte: „Ich habe damals den Fernseher abgedreht . . .“

Weit mehr Gemeinsamkeit entdeckten die beiden Ex-Rennläufer während des Talks in ihrer Beziehung zu ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel. So wie Girardelli schon im frühen Jugendalter aus dem österreichischen Verband auszutreten, habe er, so Hirscher, nie in Erwägung gezogen. Doch die Möglichkeit, als Doppelstaatsbürger auch für die Niederlande starten zu können, habe er dem Ski-Boss nicht nur einmal unter die Nase gerieben. „Es war gut zu wissen, auch wenn ich nicht wirklich darüber nachgedacht habe“, erzählte er und musste dabei selbst ein wenig über seine Worte schmunzeln. Dass zuletzt bei den Damen Katharina Liensberger die strengen Regeln des Verbandes zu spüren bekam und nach einem monatelangen Disput sportlich gefestigter wirkt denn je, hat beeindruckt – auch Katja Wirth. „Kathi ist ein Mensch, der in seinem Tun sehr strikt und sehr besonnen agiert“, gab es Lob von der 39-jährigen Bezauerin in Richtung Göfis. „Ich muss den Hut vor ihr ziehen, wie schnell sie sich umgestellt hat.“ Denn ein Streit mit dem Skipool kostet Energie, so Wirth.

Angesprochen auf das Thema Druck, ein Wort das gut 50 Mal in der Biografie von Marcel Hirscher zu lesen ist, ließ der 30-jährige Salzburger tief in seine Seele blicken. „Ja, Druck hat eine große Rolle in meinem Leben eingenommen. 2012, vor meinem ersten Sieg im Gesamtweltcup in Schladming, ein Jahr später bei der WM. Sätze wie ,Du musst uns erlösen‘ haben mich damals vor dem Slalom begleitet.“ Ein Leben ohne diesen Druck sei ein neuer Luxus. „Da kann es schon passieren, dass ich mal Termine übersehe.“ Und: „Spannend, den Skisport aus einer anderen Perspektive zu beobachten.“ Oder: „Ich habe Freude am Zuschauen.“ Heute jedenfalls, so sagt er, fühle sich der Rücktritt noch immer richtig an. Auch wenn noch ungewiss ist, welche Projekte er in Zukunft angehen werde, aber: „Ich habe in den letzten paar Monaten mehr gelernt, als die Jahre davor. Es gibt jedenfalls ein paar sehr coole Projekte.“ Es würden sich eben Türen auftun, aber auch wieder schließen. Genießen, so sagt der Familienvater, würde er vor allem seine Privatsphäre. Dass er einst beschlossen hat, den privaten Hirscher und den Skifahrer Hirscher zu trennen, habe er nie bereut. Das, so sagt er, „haben wir gnadenlos durchgezogen“.

„Ich vermisse es wirklich nicht, mit Puls 200 im Starthaus zu stehen.“

Der Skisport in allen Facetten war Thema des VN-Sporttalks mit Katja Wirth, Marcel Hirscher und Marc Girardelli, moderiert von VN-Chefredakteur Gerold Riedmann (l.).
Der Skisport in allen Facetten war Thema des VN-Sporttalks mit Katja Wirth, Marcel Hirscher und Marc Girardelli, moderiert von VN-Chefredakteur Gerold Riedmann (l.).

Der VN-Sporttalk mit Marcel Hirscher, Katja Wirth und Marc Girardelli exklusiv zum Nachschauen auf VN.at