Gegen die Deutschen die Chance wahren

Sport / 19.01.2020 • 20:27 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Am Samstag erzielte Robert Weber mit fünf Toren die meisten des ÖHB, gegen Deutschland soll es so mit dem Sieg klappen.GEPA
Am Samstag erzielte Robert Weber mit fünf Toren die meisten des ÖHB, gegen Deutschland soll es so mit dem Sieg klappen.GEPA

Nach dem 26:30 gegen Spanien gilt es für das ÖHB-Team nun gegen Deutschland zu punkten.

Wien Für Österreichs Handball-Männer tut sich mit dem Hauptrundenspiel gegen Deutschland am Montag die nächste Chance auf eine Überraschung auf. Vielleicht sogar die größte. Denn die DHB-Auswahl ist angeschlagen, verspielte am Samstag praktisch ihre letzte Halbfinalchance. Gelingt der erste Sieg über die Deutschen in einem Bewerbsspiel, darf man weiter von Stockholm träumen.

Dort steigt am Samstag das Spiel um Platz fünf – aller Voraussicht nach gegen Portugal oder Ungarn. Für Österreich wäre es ein historisches Match. Geschichte würde Rot-Weiß-Rot freilich schon mit Platz acht schreiben, schließlich ist der neunte Rang von der Heim-EM 2010 das bisher beste Endrundenresultat der Handball-Neuzeit. Und auch mit einer Teilnahme beim Olympischen Turnier in Tokio wäre dann zu spekulieren.

Es geht am Montag also nicht nur um das Duell mit den „Lieblingsnachbarn“, sondern auch viel Historisches. Dass die Deutschen gegen Weißrussland am Samstag ihre letzte Halbfinalchance vergeigten, darf Österreich zusätzlich beflügeln. Gegen Kroatien lag Deutschland lange in Führung, ging im Finish aber noch mit 24:25 k.o. Die ÖHB-Cracks wollten diesen Aspekt aber nicht überbetonen. „Sie waren sicher angepisst. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass sie das bis zum Montag durchtragen und sagen, o.k., das Turnier ist gelaufen‘“, meinte etwa Kreisläufer Fabian Posch.

Robert Weber warnt vor DHB

Einer, der die Deutschen besonders gut kennt, ist Robert Weber. Der Flügelroutinier aus Hard, der seit 2008 in Deutschland in der wohl stärksten Liga der Welt agiert, zeigte sich überzeugt, dass die Gegner die Enttäuschung gegen Kroatien „nicht auf sich ruhen lassen“ werden. „Natürlich ist das ein Dämpfer, aber die Deutschen wollen mehr. Vor allem gegen Österreich. Wir werden sehen, wie schnell sie da rauskommen“, gab der 34-Jährige zu Protokoll.

Für Österreichs Teamchef Ales Pajovic liegt der sportliche Schlüssel zu einem Sieg u. a. in einer dynamischen Offensivleistung. „Sie spielen eine starke 6:0-Abwehr mit Patrick Wiencek und Hendrik Pekeler in der Mitte. Wir müssen die großen Leute im Mittelblock bewegen. Nur Eins-gegen-Eins-Situationen und Würfe über den Mittelblock werden nicht reichen. Sie kommen dann auch oft aggressiv raus, da ist dann Platz auf sechs Metern“, analysierte der Slowene. „Und wir müssen Geduld haben und die Würfe nicht zu früh nehmen.“ Es bleibt ihm zu wünschen, dass im sechsten Spiel innerhalb von elf Tagen dafür auch die Kräfte reichen.

Spanien-Partie bereits verarbeitet

Denn bei der EM ging es Schlag auf Schlag, nach drei Partien in der Vorrunde, die allesamt gewonnen werden konnten, setzte es in der Hauptrunde gegen Kroatien und zuletzt gegen Spanien empfindliche Niederlagen, denn auch wenn sich die Österreicher am Samstagabend nicht unzufrieden zeigten, weinten sie angesichts des knappen 26:30 gegen Spanien der Sensation doch leise nach: „Spanien war über große Strecken in Reichweite“, sagte Kapitän Nikola Bilyk. Auch Teamchef Ales Pajovic betonte, während der Partie überzeugt gewesen zu sein, „dass wir die Spanier schlagen können“.

Letztlich war die rot-weiß-rote Fehlerliste in einer zumindest in der ersten Hälfte ausgeglichenen Partie zu lange. Mehrere verworfene Konter, Abspielfehler in der Offensive, unpräzise Zuspiele im Gegenstoß. „Spanien ist halt eine Weltklassemannschaft, die bestraft so etwas“, resümierte Goalie Thomas Eichberger. Auch Pajovic war um eine Einordnung bemüht: „In so einem heißen Spiel passieren natürlich auch Fehler. Die Wurfquote kann nicht immer so gut sein wie in der Vorrunde. Ich finde es schön, dass wir gezeigt haben, dass wir mit den Besten spielen können. Wir reden hier vom Europameister.“

„Gegen Deutschland müssen wir Geduld haben und die Würfe nicht zu früh nehmen.“