Dominik Paris riss sich das Kreuzband

Sport / 21.01.2020 • 21:12 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Dominik Paris, im Abfahrts-Weltcup Zweiter, muss die Saison beenden.gepa
Dominik Paris, im Abfahrts-Weltcup Zweiter, muss die Saison beenden.gepa

Streif-Favorit verletzte sich beim Training in Kirchberg.

Kitzbühel Die Hahnenkammrennen der alpinen Ski-Herren in Kitzbühel haben einen Publikumsliebling und Topfavoriten verloren. Skirennläufer Dominik Paris zog sich am Dienstag beim Training in Kirchberg einen Riss des vorderen Kreuzbandes und eine Fraktur des Fibulakopfes im rechten Knie zu, die Saison ist damit für den 30-jährigen Super-G-Weltmeister zu Ende.

Der fatale Sturz passierte, als Paris in einer Kurve wegrutschte, die Diagnose beim in der Klinik von Kitzbühel durchgeführten Röntgen und MRI war niederschmetternd. „Meine Saison endet hier“, wird Paris auf der Website des italienischen Verbandes zitiert. „Unglücklicherweise griff der Innenski zu sehr, während ich durch die Kurve rutschte, und das Band ist gerissen. Mehr ist nicht zu sagen. In den nächsten Tagen werden wir mit der medizinischen Abteilung besprechen, wie wir weiter vorgehen.“

Zwei Siege, einmal auf Rang zwei

Der vierfache Sieger auf dem Hahnenkamm – dreimal in der Abfahrt, einmal im Super-G – galt auch heuer auf der Streif als einer der Topfavoriten für die Rennen diese Woche. Er gewann in diesem Winter beide Abfahrten in Bormio und war zuletzt hinter dem Schweizer Beat Freuz auf dem Lauberhorn in Wengen Zweiter geworden. Für Mittwoch ist das erste Abfahrtstraining in Kitzbühel angesetzt.

„Das sind Dinge, die niemals passieren sollen. Der Verband wird Paris nach Kräften unterstützen“, sagte FISI-Präsident Flavio Roda. Im Vordergrund stehe nun die Rehabilitation, ehe man dem Comeback entgegenblicken werde.

Chronologie Die dunklen Momente bei den Hahnenkamm-Rennen

prominente sturzopfer auf der legendären abfahrt in Kitzbühel

1987 Der Kanadier Todd Brooker stürzte bei der Einfahrt zum Zielhang. Der Kitzbühel-Sieger von 1983 erlitt eine Gehirnerschütterung, einen Nasenbeinbruch, Gesichtsverletzungen und eine Knieverletzung. Am Saisonende beendete er die Laufbahn.

1989 Brookers Landsmann Brian Stemmle prallte bei der Steilhang-Ausfahrt ins Netz und schwebte danach in Lebensgefahr. Mit zertrümmertem Becken lag er tagelang in Innsbruck auf der Intensivstation. Stemmle klagte und gewann gegen den Skiclub (KSC). Jahre später kehrte er wieder auf die Streif zurück, musste nach einem weiteren Kitz-Sturz 1999 aber seine Karriere beenden.

1991 Der Amerikaner Bill Hudson verunglückte in der Mausefalle. Er erlitt einen Schulterblattbruch, eine Fraktur des vierten Brustwirbelkörpers, einen Speichenbruch sowie Lungenverletzungen.

1995 Der Italiener Pietro Vitalini konnte sich in der Traverse nicht mehr auf den Skiern halten. Er wurde über das Sicherheitsnetz geschleudert und stürzte den Hang hinunter, wobei er sich mehrfach überschlug. Nicht zuletzt wegen der dichten Schneedecke blieb er wie durch ein Wunder unverletzt und wurde in der zweiten Abfahrt Fünfter.

1996 Im Training stürzten mehrere Läufer wie Andreas Schifferer, Josef „Pepi“ Strobl oder Lasse Kjus schwer. Schifferer erlitt beim Sturz am Zielsprung ein Schädel-Hirn-Trauma und lag drei Tage im Koma.

1998 Der heutige ÖSV-Damen-Speedcoach Roland Assinger prallte in der zweiten Sprintabfahrt gegen eine Streckenbegrenzung und wurde mit Schulter- und Rippenverletzungen ins Krankenhaus gebracht.

1999 Patrick Ortlieb (Bild) zog sich bei einem Sturz an der Hausbergkante unter anderem einen Trümmerbruch im rechten Oberschenkel zu. Außerdem verletzte sich der Lecher an Hüfte und Knie. Die Karriere des Olympiasiegers war vorzeitig zu Ende.

2005 ÖSV-Läufer Thomas Graggaber erlitt bei einem Trainingssturz Serienrippenbrüche sowie schwere Verletzungen an Schulter und Lunge. Seine Laufbahn war damit beendet.

2008 Andreas Buder zog sich bei einem Trainingssturz auf der Streif unter anderem einen Bruch des rechten Schienbeinkopfes zu und musste sechs Monate pausieren. Der Niederösterreicher erholte sich davon nie mehr komplett und beendete im Jänner 2011 seine Karriere.

2008 An seinem 30. Geburtstag der US-Amerikaner Scott Macartney beim Zielsprung schwer und erlitt ein Schädel-Hirn-Trauma. Nachdem er ins künstliche Koma versetzt wurde, erholte er sich jedoch rasch und konnte das Krankenhaus nach drei Tagen wieder verlassen. Er überstand den Sturz ohne Knochenverletzungen. Im November 2008 gab er in Lake Louise sein Comeback.

2009 Beim Abschlusstraining stürzte Daniel Albrecht beim Zielsprung schwer und blieb bewusstlos liegen. Der Schweizer erlitt ein schweres Schädel-Hirn-Trauma und Lungenquetschungen. Nach mehr als dreieinhalb Wochen erwachte er am 12. Februar aus dem Koma. 22 Monate später kehrte er im Dezember 2010 in den Weltcup zurück. Im Oktober 2013 trat Albrecht zurück.

2011 Hans Grugger verlor beim Trainingslauf in der Mausefalle die Kontrolle, schlug bei der Landung mit dem Kopf auf und blieb regungslos liegen. Der Salzburger zog sich schwere Kopf- und Brustverletzungen zu. Er wurde sofort in die Universitätsklinik nach Innsbruck geflogen, wo er nach einer Notoperation ins künstliche Koma versetzt wird. Es bestand akute Lebensgefahr. Für den Spitzensport reichte es nachher nicht mehr. Am 24. April 2012 gab Grugger sein Karierende bekannt.

2016 Horror-Stürze von Aksel Lund Svindal, Hannes Reichelt und Georg Streitberger überschatteten das Rennen. Für den Norweger Svindal und auch Streitberger war die Saison vorbei, beide erlitten einen Riss des vorderen Kreuzbandes und des Meniskus im rechten Knie. Reichelt kam mit einer Knochenprellung relativ glimpflich davon. Die Abfahrt wurde aufgrund der immer schlechter werdenden Bodensicht vorzeitg nach dem 30. Läufer abgebrochen.