Ernüchterung nach Euphorie

Sport / 21.01.2020 • 22:05 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Der Harder Abwehrspezialist Lukas Herburger (r.) erzielte gegen Deutschland sein erstes Tor bei der EURO 2020.GEPA
Der Harder Abwehrspezialist Lukas Herburger (r.) erzielte gegen Deutschland sein erstes Tor bei der EURO 2020.GEPA

Sieg zum Abschluss wäre Gold wert für
WM-Quali. Olympiazug 2020 abgefahren.

Wien Auf Österreichs Handball-Männerteam wartet bei der EURO 2020 das große Finale. Im siebten Spiel innerhalb von 13 Tagen bekommt es die Auswahl von Ales Pajovic am Mittwoch (18.15 Uhr, live ORF 1) mit Weißrussland zu tun. Gegen den von der Papierform her schwächsten und wenig glamourösen Gegner in der Hauptrundengruppe I will man die letzten Kräfte mobilisieren: Es geht um die beste rot-weiß-rote Endrundenplatzierung der Handball-Neuzeit. Bestes Endresultat war der neunte Rang beim ersten EHF-Championat im eigenen Land vor zehn Jahren.

„Natürlich spürt man das eine oder andere Wehwehchen, wir werden unseren Körpern aber alles abverlangen, was noch drin steckt“, versprach Kapitän Nikola Bilyk. Nach der grandiosen Vorrunde mit Siegen gegen Tschechien (32:29), die Ukraine (34:30) und Nordmazedonien (32:28) und den Niederlagen gegen Kroatien (23:27), Titelverteidiger Spanien (26:30) und der Lehrstunde gegen Deutschland (22:34) gönnte Pajovic seiner Mannschaft einen trainingsfreien Tag. Das extreme EM-Programm fordert seinen Tribut, was nicht zuletzt in der zweiten Hälfte im Deutschland-Spiel augenscheinlich wurde. Die 22:34-Niederlage fiel letztlich zu hoch aus – bitter war sie in jedem Fall, zumal man sich davor leise Hoffnungen auf einen Überraschungserfolg und das damit verbundene Spiel um Platz fünf gemacht hatte.

WM 2021 vor Augen, Olympia passé

„Der Euphorie in der Vorrunde war der erhoffte Schritt nach vorne. Daran wird auch der kleine Rückfall und die damit verbundene Ernüchterung nichts ändern. Minimalziel war der Einzug in die Hauptrunde. Dass haben wir ohne Tadel erreicht und darauf können wir berechtigt stolz sein“, erklärte Pajovic. Der 41-jährige ÖHB-Teamchef zeigte sich überzeugt, dass seine Truppe die am Ende magere Ausbeute gegen Deutschland verarbeitet hat und nichts zu knabbern hat. „Ich habe den Jungs gesagt, dass sie den Kopf hochhalten sollen und stolz auf die bisherigen Leistungen sein sollen“, betonte der Slowene. „Gegen Deutschland und einen überragenden Tormann, der 50 Prozent hält, ist es schwer zu gewinnen und auch andere Nationen hätten an diesem Tag verloren.“

Pajovic ist sich der Chance auf Platz sieben oder acht bewusst, wollte die Erwartungen aber nicht zu hoch schrauben. „Es gibt keinen Druck von meiner Seite. Das Einzige, was ich erwarte, ist, dass sie 60 Minuten lang Gas geben.“ Ähnliches dürfte in den Köpfen der Weißrussen vorgehen. Auch die Osteuropäer haben bei ihrer sechsten EM-Endrunde die beste Platzierung ihrer Historie in Aussicht.

Neben einem würdigen Abschied von der EURO 2020 geht es für Österreich auch darum, die Ausgangslage für die WM 2021 in Ägypten zu festigen. Mit einem achten EM-Rang wäre man voraussichtlich in der Qualifikation im April im ersten Topf gesetzt. Außer Reichweite dagegen die Olympiateilnahme: Um bei den Qualifikationen im April dabei zu sein, wäre ein Top-5-Rang bei der Heim-EM notwendig gewesen. VN-JD