Fussball-Legende Lothar Matthäus im Interview

Sport / 25.01.2020 • 19:46 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Lothar Mattäus mit seiner Frau Anastasia bei einer Charity-Auktion in Kitzbühel. GEPA

Der Weltmeister von 1990 nahm sich am Rande einer Charity-Auktion Zeit für ein Gespräch über sich und den Fussball.

Kitzbühel Lothar Matthäus ist ein gern gesehener Gast in Kitzbühel. Natürlich ließ es sich die deutsche Fussball-Legende nicht nehmen, Kitzbühel im Rahmen des Hahnemkamm-Rennens zu besuchen. Dabei nahm er sich Zeit, über sein Interessen rund um den Sport und den Fussball zu sinieren.

Gefällt es Ihnen hier in Kitzbühel?

Matthäus: Kitzbühel ist was Besonderes, vor allem an diesem Wochenende, das Nonplusultra für Ski-Fans.

Sind Sie einer, den man oft auf Party antreffen würde?

Matthäus: Ich bin ja nicht das erste Mal hier, aber ich bin auch schon ein bisschen älter. Ich feiere gerne, aber nicht mehr bis in die frühen Morgenstunden. Heute wird das Feiern sehr klein geschrieben, weil ich wieder nach München muss und keinen Fahrer dabeihabe: also mehr Mineralwasser, vielleicht in kleines Bierchen oder ein Glas Wein. Irgendwann wird das vielleicht einmal nachgeholt.

Reizt Sie bei dieser Klima-Auktion einer der Gegenstände aus Arnold Schwarzeneggers Fundus?

Matthäus: Mal schauen, was die Konkurrenz macht – man muss ja auch an sei  Budget denken, das muss ein Fußballverein und das muss man auch als Privatperson. Ich würde mich freuen, wenn für Arnies Initiative etwas zusammenkommt.

Haben Sie bei Auktionen schon einmal zugeschlagen?

Matthäus: Vor 15 Jahren ersteigerte ich die Box-Short von Cassius Clay/Muhammed Ali in England, die hängt bei mir zuhause. Wenn da was daneben hinpasst, freue ich mich.

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Lothar Mattäus (r.) Gepaist Experte beim Pay-TV-Sender Sky.

Die Fußball-EURO steht vor der Tür. Was trauen Sie den Österreichern zu?

Matthäus: Sehr viel, weil ihr sehr viel Deutschland-Erfahrung habt. Es spielen ja die meisten in der Bundesliga, plus/minus 30 Leute, also richitg eine Menge. Und die sitzen nicht auf der Bank oder sind bei einem Abstiegskandidaten, sondern bei den Spitzenklubs. Die trainieren auf höchstem Niveau, davon pr0fitiert ja auch die österreichische Nationalmannschaft. Mit Franco Foda habt ihr einen deutschen Nationaltrainer, also noch ein bisschen mehr Deutsches im Team.

Zurück zu Ihren EM-Erwartungen…

Matthäus: Ich traue den Österreichern zumindest dasÜberstehen der ersten Runde zu, das sollte eigentlich eine Pflichtübung sein – und dann können sie auch einmal einem Großen ein Bein stellen. Ich würde jetzt nicht sagen, sie sind EM-Favorit, aber mir gefällt die österreichische Mannschaft auch, wie sich sich nach dem schlechten Start in der EM-Quali entwickelt hat.

Ein Wort zu Ihrem Ex-Klub Red Bull Salzburg?

Matthäus: Ich verfolge Red Bull generell, bin ja auch in Leipzig sehr nah dabei. Das System gefällt mir: ein attraktiver Fußball, riskikoreich, die spielen gutes Pressing mit jungen und schnellen Spielern, das bietet Unterhaltung für den Fan. Das Konzept ist gelungen, das wird sich fort- und durchsetzen.

Sie sind als Kosmopolit bekannt, beim FC Wacker Innsbruck steht ein Investor vor dem Einstieg. Was halten Sie davon?

Matthäus: Man hat das ja gesehen mit Swarovski vor 20 Jahren.  Hansi Müller war damals dabei – also wenn es vernünftig zugeht zwischen Investor und den sportlich Verantwortlichen, dann habe ich nichts dagegen. Sie dürfen sich nur nicht ins Tagesgeschäft einmischen, weil sie vielleicht doch nicht die Ahnung haben wie Leute, die das seit Jahren gelernt haben.

Ist so ein Schritt die letzte Chance für einen kleinen Verein, um oben mitzuspielen?

Matthäus: Es gibt ja in Deutschland auch Beispiele für Vereine, bei denen wenig Geld da ist, die aber in der Bundesliga spielen. Freiburg etwa – und große Vereine wie Hamburg, Nürnberg oder Stuttgart, die wirtschaftlich besser dastehen, spielen in Liga zwei. Es hängt schon damit zusammen, wie man das alles anlegt und aufbaut, wie man miteinander umgeht und zusammenhält. Das Wort Geduld haben viele Vereine nicht – mit Spielern und Trainern. Und wenn zu viel Wechsel da ist, kann sich auch nichts entwickeln.

Lothar Matthäus wurde 1990 bei der WM in Italien mit Deutschland Weltmeister.<span class="copyright">Dp</span><span class="copyright">a</span>
Lothar Matthäus wurde 1990 bei der WM in Italien mit Deutschland Weltmeister.Dpa

Ein Wort zu Bayern-Star David Alaba…

Matthäus: Ein Gesicht des FC Bayern in den letzten zehn Jahren. Als Innenverteidiger hätte ich ihn zwar nicht gesehen, aber auch diese Aufgabe erledigt er bravourös. Ein Spieler auf den man sich immer verlassen kann. Und deshalb bin ich froh, dass er beim FC Bayern spielt.

Werden die Münchner denn heuer Meister?

Matthäus: Ganz sich sind sie ein großer Favorit – es wird aber spannend, Leipzig und Bayern sind die zwei Topfavoriten. Und wenn Dortmund mit dem Kader ins Laufen kommt, mit Haaland, können die von hinten noch einmal anschieben. Aber das wird ein schwieriges Unternehmen.

Das Gespräch führte Florian Madl (Tiroler Tageszeitung)