Historischer Sieg am Ganslernhang

Sport / 26.01.2020 • 21:16 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Der Schweizer Daniel Yule wurde nach seinem Sieg beim Slalom in Kitzbühel von seinen Kollegen und Teambetreuern auf Händen getragen und gefeiert. Gepa
Der Schweizer Daniel Yule wurde nach seinem Sieg beim Slalom in Kitzbühel von seinen Kollegen und Teambetreuern auf Händen getragen und gefeiert. Gepa

Daniel Yule schafft ersten Schweizer Sieg seit Dumeng Giovanoli 1968 – Zweiter Platz für Marco Schwarz.

Kitzbühel Marco Schwarz ist dem ersten Weltcupsieg nach seinem Kreuzbandriss wieder eine Position nähergekommen. Der Kärntner landete im Slalom von Kitzbühel hinter dem Schweizer Daniel Yule an der zweiten Position. Auf Rang drei fuhr Vorjahressieger Clement Noel vor Überraschungsmann Lucas Braathen und Henrik Kristoffersen aus Norwegen. „Mega! Beim Heimrennen in Führung zu gehen, ist unglaublich. Ich wollte das gewinnen, ich habe voll attackiert, ich freue mich mega über den zweiten Platz“, sagte Schwarz, der erstmals in Kitzbühel auf dem Podest stand. „Man will immer abliefern beim Heimweltcup. Das Gefühl und die schnellen Schwünge sind wieder da.“

100.000 Euro für den Sieg

Es war der erste Sieg für einen Schweizer Slalomläufer in Kitzbühel seit Dumeng Giovanoli 1968, er kassierte dafür das im Rahmen des 80er-Jubiläums der Hahnenkammrennen ausgelobte, einmalige 100.000-Euro-Preisgeld. „In Kitzbühel zu gewinnen, ist der Wahnsinn“, jubelte der 26-Jährige, der sich freute, dass er langsam die Schweizer Rekorde auf den Kopf stellt. In Adelboden hatte er seinen dritten Weltcup-Erfolg gefeiert, so viele hatte im Slalom noch kein Schweizer vor ihm erreicht – nun hält er bereits bei vier.

Überraschungsmann aus Kärnten

Michael Matt fiel im Finale zwar von drei auf sechs zurück, durfte sich nach den Ausfällen und Patzern in den vergangenen Rennen aber wieder auf dem richtigen Weg wähnen. „Mit dem Ergebnis bin ich sehr zufrieden, bis zur letzten Zwischenzeit war ich fast ganz vorne mit dabei. Das ist sehr positiv.“ Der Überraschungsmann aus österreichischer Sicht war der Kärntner Adrian Pertl, der sich mit Laufbestzeit von 24 auf acht verbesserte. Er kam damit in seinem erst fünften Weltcup-Slalom erstmals in die Punkteränge, und das ausgerechnet auf dem schwierigen Ganslernhang. „Unglaublich! Der Lauf war okay, aber vom Gefühl her nicht wirklich gut. Ich war überrascht, dass ich so lange in der Führungsposition sitzen durfte“, sagte der 23-Jährige aus Reichenau. Manuel Feller hatte im ersten Lauf einen Übergang nicht optimal erwischt, das Bessermachen klappte im zweiten Versuch nicht ganz, er wurde 13. „Ich bin auf 110 Prozent in den zweiten Durchgang gegangen. Wer da jetzt zufrieden ist, ist kein Rennfahrer. Ich habe alles gegeben, wie es ausschaut, bin ich momentan einfach nicht viel schneller.“ Fabio Gstrein landete auf Platz 16 und rundete ein mannschaftlich starkes rot-weiß-rotes Ergebnis ab.

19-Jähriger kratzte an Sensation

Es war wieder einmal ein Rennen, in dem auch für hohe Nummern vieles möglich war. Schwarz hatte dies wegen der „gewaltigen Piste“ angekündigt. Lucas Pinheiro Braathen übernahm beispielsweise mit Startnummer 34 die Halbzeitführung. „Ich kann es nicht glauben, ich bin so glücklich“, sagte der Sohn einer Brasilianerin und eines Norwegers, der in diesem Winter schon im Slalom (6. Zagreb), Riesentorlauf (6., 8.) und Parallel-Riesentorlauf (5.) aufgezeigt hatte.

Österreicher standen damit in allen drei Kitz-Rennen auf dem Podest. Im Super-G zum Auftakt Matthias Mayer als Zweiter, der dann auch die Abfahrt vor Vincent Kriechmayr gewann. Alexis Pinturault (FRA) schied im Slalom-Finale aus, Kristoffersen übernahm die Führung im Gesamtweltcup vor Landsmann Aleksander Aamodt Kilde und Mayer. Im Disziplinweltcup führt Kristoffersen 17 Zähler vor Yule, Schwarz ist Fünfter.

„In Kitzbühel auf dem Ganslernhang zu gewinnen, ist der absolute Wahnsinn.“

Der Schweizer Daniel Yule wurde nach seinem Sieg beim Slalom in Kitzbühel von seinen Kollegen und Teambetreuern auf Händen getragen und gefeiert. Gepa
Der Schweizer Daniel Yule wurde nach seinem Sieg beim Slalom in Kitzbühel von seinen Kollegen und Teambetreuern auf Händen getragen und gefeiert. Gepa
Marco Schwarz jubelt über seinen starken zweiten Platz in Kitzbühel.Gepa
Marco Schwarz jubelt über seinen starken zweiten Platz in Kitzbühel.Gepa

SKI-weltcup

Herrenslalom Kitzbühel-Ganslernhang

1. Daniel Yule (SUI) 1:41,50 Min. 50,82 50,68

2. Marco Schwarz (AUT) 1:41,62 +00,12 51,09 50,53

3. Clement Noel (FRA) 1:41,87 +00,37 51,27 50,60

4. Lucas Braathen (NOR) 1:41,99 +00,49 50,49 51,50

Henrik Kristoffersen (NOR) 1:41,99 +00,49 51,24 50,75

6. Michael Matt (AUT) 1:42,02 +00,52 50,91 51,11

7. Giuliano Razzoli (ITA) 1:42,03 +00,53 51,30 50,73

8. Adrian Pertl (AUT) 1:42,23 +00,73 51,76 50,47

9. Reto Schmidiger (SUI) 1:42,29 +00,79 51,54 50,75

10. Sebastian Foss-Solevaag (NOR) 1:42,31 +00,81 51,39 50,92

11. Ramon Zenhäusern (SUI) 1:42,43 +00,93 51,34 51,09

12. Timon Haugan (NOR) 1:42,50 +01,00 51,82 50,68

13. Manuel Feller (AUT) 1:42,52 +01,02 51,54 50,98

14. Alex Vinatzer (ITA) 1:42,60 +01,10 51,15 51,45

15. Julien Lizeroux (FRA) 1:42,96 +01,46 51,52 51,44

16. Fabio Gstrein (AUT) 1:43,04 +01,54 51,72 51,32

17. Sebastian Holzmann (GER) 1:43,15 +01,65 51,89 51,26

18. Anton Tremmel (GER) 1:43,16 +01,66 51,17 51,99

19. Filip Zubcic (CRO) 1:43,22 +01,72 51,60 51,62

Ausgeschieden im 1. Durchgang u.a.: Alexander Choroschilow (RUS), Istok Rodes (CRO) Ausgeschieden im 2. Durchgang: Marc Digruber (AUT), Alexis Pinturault (FRA), Linus Straßer (GER), Tanguy Nef (SUI), Jean-Baptiste Grange (FRA). Nicht für den 2. Durchgang qualifiziert, u.a.: 34. Johannes Strolz, 45. Matthias Graf (beide AUT)