Mayer ist der neue König der Streif

Sport / 26.01.2020 • 18:32 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Der Kärntner Matthias Mayer war beim 80. Hahnenkamm-Rennen auf der legendären Streif in Kitzbühel nicht zu bremsen und fuhr vor Tausenden Fans zum Sieg.gepa
Der Kärntner Matthias Mayer war beim 80. Hahnenkamm-Rennen auf der legendären Streif in Kitzbühel nicht zu bremsen und fuhr vor Tausenden Fans zum Sieg.gepa

Matthias Mayer und Vincent Kriechmayr belohnten Fans in Kitzbühel mit Doppelsieg.

Kitzbühel Matthias Mayer hat sich seinen großen Traum vom Sieg in der Hahnenkamm-Abfahrt erfüllt. Nachdem er sich am Freitag im Super-G noch mit Platz zwei arrangieren hatte müssen, war er am Samstag unschlagbar und raste in 1:55,59 Minuten die Streif hinunter. Für einen österreichischen Doppelsieg sorgte Vincent Kriechmayr, der wie der Schweizer Beat Feuz mit 0,22 Sekunden Rückstand auf den zweiten Platz fuhr.

Für den ÖSV war es der erste Kitz-Triumph in der Abfahrt seit der Fahrt von Hannes Reichelt 2014 und der erste Doppelsieg seit 2001, als Hermann Maier vor Hannes Trinkl und Stephan Eberharter seine einzige Kitz-Abfahrt gewann. Geschlagen waren andere Mitfavoriten wie der Franzose Johan Clarey, der 27 Hundertstel hinter Mayer nur der vierte Platz blieb, und Kjetil Jansrud. Der Norweger reihte sich mit 0,67 Sekunden Rückstand als Sechster ein. Direkt hinter ihm war Ex-ÖSV-Läufer Romed Baumann (+0,83) bester Deutscher.

Achter Weltcupsieg

„Es gibt einfach nichts Geileres, als zwischen den tausenden Menschen da abzuschwingen und wieder in Führung zu sein“, freute sich Mayer, der zuvor auf der Streif nie besser als Achter gewesen war. „Alle haben gejubelt, alle haben aufgeschrien. Es freut mich einfach.“ Der Kärntner feierte seinen insgesamt achten Weltcup-Sieg, den vierten in der Abfahrt. In dieser Saison hat Mayer schon drei Rennen gewonnen – Lake Louise (Super-G) und Wengen (Kombination) waren vor Kitzbühel. Damit ist der laufende in dieser Hinsicht schon jetzt der beste Weltcup-Winter für den 29-Jährigen. Ein Kitzbühel-Sieg für einen Abfahrer „gehört einfach dazu“, sagte Mayer, der dafür 100.000 Euro an Preisgeld kassierte. Im Interview freute er sich auch mit seinem Taufpaten, der in der Kärntner Heimat geblieben war. „Der feiert seinen 60er“, erklärte er.

Zeit am Hausberg verloren

Kriechmayr wollte „natürlich jetzt einmal zeigen, was ich draufhabe. Ich glaube, das ist mir ganz gut gelungen“. Wie der Oberösterreicher erklärte, habe er durch seinen sehr weiten Sprung über die Hausbergkante einiges an Zeit eingebüßt. „Ich habe dann nur mehr geschaut, dass ich rüberkomme, und das ist sich um genau den Meter nicht ausgegangen, sonst hätte ich ein bisserl mehr Tempo mitnehmen können.“ Im Ziel habe er gewusst, dass sein Teamkollege Mayer „super drauf“ sei, und gespürt, dass es für ihn selbst nicht reichen werde. Feuz, der die Führung im Abfahrts-Weltcup behielt, meinte mit Blick auf die bisher an Heimsiegen reiche Saison: „Domme (Dominik Paris; Anm.) haben wir in Bormio siegen lassen, mich haben sie in Wengen siegen lassen, und den Mothl haben wir hier gewinnen lassen.“

Striedinger im Netz

Die übrigen Österreicher kamen nicht in die Top Ten. Max Franz (+1,07) belegte den 15. Platz, Daniel Danklmaier (1,34) wurde 17. Platz 20 war es am Ende für Christian Walder (1,58), Stefan Babinsky (32./2,40) und Johannes Kröll (37./2,84) verpassten die Punkteränge. Der Vorjahresdritte Otmar Striedinger rutschte in der Anfahrt zur Traverse ins Fangnetz, stand ohne Hilfe auf und fuhr selbst ins Ziel. Dort ließen sich Mayer und Kriechmayr von den tausenden Fans bereits gebührend feiern.

Gams kommt mit nach Hause

Dass Mayer ist nicht nur der Mann für große Rennen, sondern noch dazu ein großzügiger ist, kam nach dem Sieg an die Öffentlichkeit. Die Gams, die er als Super-G-Zweiter am Freitag gewann, schenkte er seinem Abfahrtstrainer Sepp Brunner. Und hatte dem Staunenden angekündigt, er werde sich schon noch eine holen. „Als mich Sepp nach dem Super-G beim Abendessen gefragt hat, was ich mit der Gams mache, habe ich gesagt, gut dass du mich fragst, jetzt schenke ich sie dir. Er hat gemeint, die kannst du mir nicht geben, aber ich habe gesagt, es geht sich aus, dass ich mir noch einmal eine hole. Die behalte ich mir dann.“ Gesagt, getan.

„Es gibt nichts Geileres, als zwischen den Tausenden abzuschwingen und zu führen.“

SKI-weltcup

Herren-Abfahrt in Kitzbühel

1. Matthias Mayer (AUT)   1:55,59

2. Beat Feuz (SUI)  1:55,81 +0,22

Vincent Kriechmayr (AUT)  1:55,81 +0,22

4. Johan Clarey (FRA)   1:55,86 +0,27

5. Maxence Muzaton (FRA) 1:55,90 +0,31

6. Kjetil Jansrud (NOR) 1:56,26 +0,67

7. Romed Baumann (GER) 1:56,42 +0,83

8. Bryce Bennett (USA) 1:56,48 +0,89

9. A. Aamodt Kilde (NOR) 1:56,49 +0,90

10. Carlo Janka (SUI) 1:56,52 +0,93

11. Andreas Sander (GER) 1:56,57 +0,98

12. Matteo Marsaglia (ITA) 1:56,58 +0,99

13. Steven Nyman (USA) 1:56,64 +1,05

14. Mattia Casse (ITA) 1:56,65 +1,06

15. Max Franz (AUT) 1:56,66 +1,07

16. Niels Hintermann (SUI) 1:56,74 +1,15

17. Daniel Danklmaier (AUT) 1:56,93 +1,34

18. Gilles Roulin (SUI) 1:56,99 +1,40

19. Ralph Weber (SUI) 1:57,03 +1,44

20. Christian Walder (AUT) 1:57,17 +1,58

21. Nicolas Raffort (FRA) 1:57,18 +1,59

22. Nils Allegre (FRA) 1:57,33 +1,74

23. Jared Goldberg (USA) 1:57,41 +1,82

24. Mauro Caviezel (SUI) 1:57,44 +1,85

32. Stefan Babinsky (AUT) 1:57,99 +2,40

37. Johannes Kröll (AUT) 1:58,43 +2,84

Ausgeschieden: Otmar Striedinger (AUT)