Wütender Klopp verweigert Pokalspiel

Sport / 27.01.2020 • 19:07 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Jürgen Klopp schimpft auf den englischen Fußballverband.AFP
Jürgen Klopp schimpft auf den englischen Fußballverband.AFP

Liverpool-Coach auf Konfrontationskurs zum englischen Verband.

Liverpool Jürgen Klopp kniff verärgert die Augen zusammen, als er den ältesten Fußball-Wettbewerb der Welt kurzerhand auf den Stellenwert eines Schülerturniers herabwürdigte. „Wir werden nicht da sein“, sagte Klopp über das unliebsame Wiederholungsspiel seines FC Liverpool im englischen FA Cup gegen Drittligist Shrewsbury Town, das er und seine Stars schwänzen werden: „Ich weiß, dass das nicht sehr populär ist, aber ich sehe das nunmal so.“ Wie bitte?

„Die Kids werden spielen“

Klopp soll nach dem peinlichen 2:2 (1:0) seiner B-Elf gegen den Außenseiter am 4. Februar erneut ran. Das Dumme: Dann befindet sich die Premier League erstmals in ihrer Geschichte in der kurzen Winterpause. Schon vor zwei Wochen habe er seinen hoch belasteten Stars versprochen, dass sie pausieren dürften, berichtete Klopp, sein Entschluss stehe deshalb fest: „Die Kids werden spielen.“ Also die U23 mit Trainer Neil Critchley.

Die Situation ist absurd: Die Premier League hatte den Klubs schon im Frühjahr 2019 mitgeteilt, dass sie die Pause ja nicht mit der Ansetzung irgendwelcher Testspiele torpedieren sollen. Doch der englische Verband FA, der den altehrwürdigen Pokal seit 1871 austrägt, hat ausgerechnet für die freie Zeit die ohnehin ungeliebten Replays angesetzt. „Das stand nicht in Klopps Drehbuch, und er wird kochen vor Wut“, schrieb das Liverpool Echo.

„Man kann mit uns nicht umspringen, als würde das niemanden interessieren“, schimpfte Klopp, seine schwarze Basecap tief ins grimmige Gesicht gezogen. Die Liga habe die Pause verordnet, Liverpool werde das „respektieren“ und frei machen: „Wenn die FA das nicht akzeptiert, können wir es nicht ändern.“ Seine Profis bräuchten eine Pause – „mental und körperlich. Wir müssen die Gesundheit der Spieler respektieren. Wir werden nicht da sein.“ Auch er nicht? „Nein“, sagte Wiederholungstäter Klopp.

Zehn statt 13 Tage Pause

Schon im Dezember hatte er ein ähnliches Problem auf diese Art gelöst. Weil Liverpool binnen 24 Stunden im Ligapokal-Viertelfinale gegen Aston Villa und bei der Klub-WM in Katar gefordert war, ließ Klopp zu Hause seine Youngster ran, die mit 0:5 untergingen. Die Profis gewannen dafür erstmals den Weltmeister-Titel. Jetzt gönnt er seinem Team zwischen den Ligaspielen gegen den FC Southampton (1. Februar) und in Norwich (15. Februar) immerhin 13 Tage Ruhe – mit Wiederholungsspiel wären es nur zehn.

Klopps Kollege Ralph Hasenhüttl hat mit Southampton wegen des 1:1 im FA Cup gegen Tottenham Hotspur nur neun Tage frei. An einen Boykott denkt er nicht. „Ich verstehe das nicht, aber okay, wir müssen es tun“, sagte der frühere Leipziger Coach, „wir müssen es akzeptieren.“ Steve Bruce, der mit Newcastle ein zweites Mal gegen Oxford ran muss, schimpfte: „Das ist eine lächerliche Situation. Was soll das?“