Mit Fehler zum vierten Sieg

Sport / 28.01.2020 • 23:06 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Henrik Kristoffersen war in Schladming nicht zu biegen. Alex Vinatzer staunt bei der Zieldurchfahrt über eine Flitzerin.gepa, APA
Henrik Kristoffersen war in Schladming nicht zu biegen. Alex Vinatzer staunt bei der Zieldurchfahrt über eine Flitzerin.gepa, APA

Henrik Kristoffersen triumphierte in Schladming, Halbzeitführender Marco Schwarz schied aus.

Schladming Der Norweger Henrik Kristoffersen hat seinen vierten Sieg im Weltcup-Slalom in Schlad­ming gefeiert und mit dem Rekord-Gewinner Benjamin Raich gleichgezogen. Der Wahl-Salzburger setzte sich 0,34 Sekunden vor dem Franzosen Alexis Pinturault (und 0,83 vor dem dreifachen Saisonsieger Daniel Yule aus der Schweiz durch. Halbzeit-Spitzenreiter Marco Schwarz wurde im Finale disqualifiziert.

Schwarz verzeichnete im zweiten Lauf vor 38.000 Zuschauern einen schweren Fehler, kam nur als 27. ins Ziel und wurde auch noch disqualifiziert. Damit war Michael Matt als 15. der bestplatzierte Österreicher. Das ist das schlechteste ÖSV-Abschneiden in einem Herren-Weltcupslalom seit seit Alta Badia 2006. Der Franzose Clement Noel verbesserte sich im Finale vom 30. auf den vierten Rang (+0,99).

„Ich wollte das heimfahren“

Schwarz hatte nach den Rängen drei in Adelboden und zwei in Kitzbühel seinen ersten Slalom-Sieg im Visier. Doch in der Entscheidung warf ihn ein schwerer Fehler aus dem Rennen. „Sehr schade, ich wollte das heimfahren“, meinte der WM-Dritte im ORF-Interview. „Ich habe attackiert, da können Fehler passieren. Das ist sehr bitter.“ Dabei sei er vor dem zweiten Lauf entspannt gewesen, sagte der 25-Jährige, der zum dritten Mal in seiner Karriere nach Halbzeitführung ausschied, so wie im Vorjahr in Adelboden und Zagreb.

Fahrt war nicht fehlerfrei

Auch Kristoffersen kam auf der Fahrt zu seinem zweiten Slalom-Saisonsieg nicht fehlerfrei durch. „Nach dem Fehler war der Kopf weg, da war es nur noch gerade, gerade, gerade“, sagte der Norsker zu seinem Missgeschick und fragte: „Wie ist es möglich, mit so einem Fehler ein Rennen zu gewinnen?“ Noch dazu verletzte sich Kristoffersen bei seiner Fahrt im oberen Teil an der Schulter: „Ich weiß nicht, wie es passiert ist.“ Der Franzose Clement Noel verbesserte sich im Finale vom 30. auf den vierten Rang (+0,99), er hatte im ersten Durchgang einen schweren Fehler verzeichnet und 2,60 Sekunden Rückstand auf Schwarz.

Die beiden Vorarlberger Johannes Strolz und Mathias Graf schafften es nicht ins Finale. Strolz war mit 3,45 Sekunden Rückstand auf den Fühenden Marco Schwarz 41. nach dem ersten Durchgang, Grafs Rückstand auf Platz 49. betrug 4,58 Sekunden.

Flitzerin löste Zeitnahme aus

Eine Flitzerin hätte den Slalom-Assen fast die Show gestohlen. Da verschlug es sogar Ex-Rennläufer und TV-Experte Felix Neureuther kurz die Sprache. „Bist du narrisch“, rief der 35-jährige Deutsche, „sowas habe ich beim Skifahren auch noch nicht gesehen.“ Dann fasste er sich und fügte schmunzelnd an: „Was sich die FIS alles einfallen lässt.“ Doch es war selbstverständlich nicht der Internationale Skiverband, der die Dame in Stiefeln und im schwarzen Badeanzug auf die Planai geschickt hatte. Die Frau – offenbar dieselbe, die in ähnlichem Outfit schon beim jüngsten Champions-League-Finale für Wirbel gesorgt hatte – wollte beim Nachtslalom an das tödlich verunglückte NBA-Idol Kobe Bryant erinnern: Auf dem Plakat, das sie über ihrem Kopf hielt, stand: „RIP, Kobe“ und „Legend“. Die Zeit beim finalen Lauf von Alex Vinatzer wurde zunächst falsch angezeigt. Er jubelte deswegen über eine Führung, die er gar nicht erreicht hatte. Er wurde als Sechster klassiert und nahm es sportlich. „Da hab ich aber mal ein cooles Finish-Foto“, sagte der Südtiroler.

Am kommenden Wochenende fahren die Männer in Garmisch-Partenkirchen eine Abfahrt und einen Riesenslalom. Der nächste Weltcupslalom steigt am 8. Februar in Chamonix.

„Ich habe attackiert, da können Fehler passieren. Das ist sehr bitter.“

SKI-weltcup

Herrenslalom Schladming

1. Henrik Kristoffersen (NOR)  1:42,37 51,55 50,82

2. Alexis Pinturault (FRA)   1:42,71 +00,34 51,73 50,98

3. Daniel Yule (SUI)  1:43,20 +00,83 52,16 51,04

4. Clement Noel (FRA)   1:43,36 +00,99 54,01 49,35

5. Simon Maurberger (ITA)   1:43,44 +01,07 53,06 50,38

6. Alex Vinatzer (ITA)  1:43,49 +01,12 52,66 50,83

7. Kristoffer Jakobsen (SWE)   1:43,57 +01,20 52,88 50,69

8. David Ryding (GBR)  1:43,60 +01,23 52,70 50,90

9. Sebastian Foss-Solevaag (NOR)  1:43,73 +01,36 52,40 51,33

Ramon Zenhäusern (SUI)   1:43,73 +01,36 52,84 50,89

11. Jonathan Nordbotten (NOR)  1:43,87 +01,50 53,99 49,88

12. Julien Lizeroux (FRA)   1:43,89 +01,52 53,25 50,64

13. Linus Straßer (GER)  1:44,07 +01,70 53,24 50,83

14. Victor Muffat-Jeandet (FRA)  1:44,08 +01,71 52,79 51,29

15. Michael Matt (AUT)  1:44,14 +01,77 53,02 51,12

Jean-Baptiste Grange (FRA)  1:44,14 +01,77 53,75 50,39

Alexander Choroschilow (RUS)   1:44,14 +01,77 53,02 51,12

18. Manuel Feller (AUT)  1:44,31 +01,94 53,14 51,17

Nicht für den 2. Durchgang qualifiziert u.a.: 40. Adrian Pertl (AUT) 4,80 +3,39, 41. Johannes Strolz (AUT) 54,86 +3,45, 49. Mathias Graf (AUT) 55,99 +4,58

Ausgeschieden im 1. Durchgang u.a.: Marc Digruber (AUT), Lucas Braathen (NOR), Tanguy Nef (SUI), Giuliano Razzoli (ITA). 2. Durchgang: Fabio Gstrein (AUT), Erik Read (CAN), Stefano Gross (ITA) Disqualifiziert im 2. Durchgang: Marco Schwarz (AUT)