„No Fun League“

Sport / 28.01.2020 • 21:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Robert Kraft von den New England Patriots, im Bild mit Tom Brady, gehört zu den einflussreichsten Klubbesitzern in der NFL. ap
Robert Kraft von den New England Patriots, im Bild mit Tom Brady, gehört zu den einflussreichsten Klubbesitzern in der NFL. ap

Die Klub-Eigentümer lassen in der National Football League ihre Muskeln spielen.

Miami Das Akronym NFL steht eigentlich für National Football League. Allerdings zeigt sich oft, dass die Kürzel „Not For Long“ (Nichts hat lange Bestand) & „No Fun League“ (Liga, die keinen Spaß macht/versteht) ebenfalls als Substitut zulässig sind.

Gier, Großmannsucht und Gesichtsverlust (bzw. die Angst davor) sind treibende Kräfte der Teambesitzer. Um zu verstehen, wie diese Liga tickt, muss man die Struktur kennen. Die NFL ist ein Zusammenschluss aus 32 Teams, denen je ein Besitzer (bis auf wenige Ausnahmen alt, männlich, weiß und steinreich) oder eine Besitzer-Gruppe vorsteht. Über einen Vertrag zwischen Besitzern und der Spielergewerkschaft wird festgelegt, wie alle Einnahmen untereinander verteilt werden. So weit der theoretische Rahmen.

Die Gier

Der Popularität der NFL konnte bisher wenig anhaben, selbiges gilt für den Umsatz. 14,5 Milliarden Euro betrug dieser im Jahr 2018. Das für 2021 ausgegebene und durchaus realistische Ziel sind 22,6 Milliarden. Denn dort werden die meisten Fernsehrechtepakete neu verhandelt, was frisches Geld in die ohnehin prall gefüllten Kassen spülen wird. Aktuell wird der Gewinn zwischen Besitzern und Spielern geteilt, allerdings nicht im

gleichen Maße. Die Athleten, die Woche für Woche ihre Knochen hinhalten, bekommen lediglich 48 Prozent. Dagegen erhalten Basketballspieler in der NBA als Beispiel 50 Prozent. Vermeintliche mickrige zwei Prozent, die weniger klein anmuten, wenn man bedenkt, dass es sich um eine Multi-Milliarden-Dollar-Industrie handelt. Die Besitzer steigen also besser aus und das obwohl Spieler aufgrund des Vollkontakt-Sports ohnehin bereits im Nachteil sind, denn die durchschnittliche (!) NFL-Karriere dauert nicht einmal 3,5 Jahre. Eine Spielerpension bekommt man erst nach drei vollen Jahren in der Liga. Ein Schelm, wer glaubt, dass hier ein Zusammenhang besteht. Die Karrieren in der NFL: „Not for Long“, wenn es um das Geschäft der Besitzer geht: „No Fun League“.

Die Großmannssucht

Wenig drückt den gesellschaftlichen Geltungsdrang der Besitzer so gut aus, wie die Entertainment-Tempel vulgo Stadien, die sie sich zumeist kofinanzieren lassen. Super Bowl 53 fand in Atlanta statt, wo 2017 um schlanke 1,45 Milliarden Euro eine der modernsten Sportstätten der USA entstanden war. Etwas mehr als 40 Prozent der Zahllast trugen damals die Steuerzahler in Atlanta und im Bundesstaat Georgia. Allerdings bleiben Stadionerträge allesamt beim Team-Besitzer. Wenn eine Stadt auf die Forderung ein neues Stadion mit zu finanzieren nicht eingeht? Dann wird auch gerne kurzerhand eine neue Heimat gesucht. So erst wieder in Oakland passiert. Die dort beheimateten Raiders ziehen in der neuen Saison nach Las Vegas um. Ohne Steuergeld für reiche Besitzer hört es sich mit dem Spaß bekanntlich auf.

Der Gesichtsverlust

Ob politisch oder gesellschaftlich, ob im Großen oder im Kleinen, wenig fürchten Mannschaften und deren Eigentümer so sehr wie Skandale oder Aufreger. Hier versteht die NFL erst recht keinen Spaß. Welche Auswüchse das bisweilen treibt und wie sich dies anhand der Person Colin Kaepernick erklären lässt, lesen sie morgen in den VN.