Jubel, Trubel und Tristesse

Sport / 29.01.2020 • 23:02 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Bestzeit im ersten Durchgang, Ausfall im zweiten Lauf: Marco Schwarz konnte beim Nachtslalom in Schladming sein sehr gute Ausgangsposition nicht nutzen.gepa
Bestzeit im ersten Durchgang, Ausfall im zweiten Lauf: Marco Schwarz konnte beim Nachtslalom in Schladming sein sehr gute Ausgangsposition nicht nutzen.gepa

Bei der Slalom-Show in Schladming erinnerte Kristoffersen an Hirscher.

Schladming Der Ski-Weltcup in Schladming hat erneut eine Slalom-Show der Superlative geboten. Das bisher verrückteste Rennen des Jahres machte so auch wieder Werbung für den Sport. Statt eines jubelnden Marco Schwarz, dessen Traum vom Heimsieg jäh platzte, holte Henrik Kristoffersen den vierten Nightrace-Triumph. „Dieses Rennen ist so wichtig für mich“, sagte er. „Viermal zu gewinnen – das ist unglaublich!“

Kristoffersen unterlief früh ein Fehler in seinem Lauf, er musste daher hasardieren. Das gelang ihm aber hervorragend, er erinnerte dabei sogar an seinen früheren Rivalen Marcel Hirscher. „Ich freue mich immer so auf Schladming“, verriet der 25-Jährige, der vor Alexis Pinturault und Daniel Yule siegte. „Es ist wirklich meine Heimatrennen hier“, sagte Kristoffersen. Er hat ja lange in Ramsau gewohnt und residiert nun in Salzburg.

Den Weg freigemacht für den Norweger hatte, zum Leidwesen der offiziell 38.000 Zuschauer, Schwarz. Der Kärntner, rutschte im pulstreibenden Finale schon kurz nach dem Start ab und hatte danach im Gegensatz zum Mann vor ihm keine Chance mehr. Er fuhr noch ins Ziel, weil aber nicht alles korrekt war, wurde er am Ende disqualifiziert. „Wenn man oben steht und führt, will man das heimfahren, will das Rennen gewinnen. Es ist natürlich ärgerlich, dass es nicht geklappt hat“, meinte Schwarz. „Es hat mit der Piste überhaupt nichts zu tun gehabt. Es war mein Fehler, den darf ich nicht machen.“

Der enttäuschende Ausgang verschlug auch Herren-Rennchef Andreas Puelacher fast die Sprache. „Vor so einer Kulisse beim Heimrennen ist das bitter“, befand der Tiroler. „Einfach schade, weil er gut fährt.“ Zu einem mentalen Knacks sollte dieses Erlebnis bei Schwarz aber nicht führen. „Da sehe ich kein Problem für den ‚Blacky‘. Er ist ein cooler Typ, das hat er schon oft bewiesen. Er wird das nächste Mal wieder Vollgas geben.“

Aufwärtstrend ist gestoppt

Weil Fabio Gstrein in der Entscheidung ausgefallen ist und sonst kein Österreicher Durchgang zwei erreicht hat, schienen Michael Matt als 15. und Manuel Feller als 18. als einzige ÖSV-Vertreter im Endklassement auf. „Das ist zu wenig“, meinte Puelacher eindeutig in die Richtung der beiden. „Wir haben ein Auf und Ab bei diesen zweien. Da weißt du nie ganz genau, was passiert.“

Matt selbst meinte, er „fahre nicht den kurzen Druck, den ich normal fahre“. Es sei heuer generell schwierig. „Es läuft einfach nicht“, sagte der Tiroler. „Das, was in Kitzbühel zum Beispiel gut funktioniert hat, da habe ich mir heute brutal schwergetan.“ Er werde sich nun auf den Riesentorlauf in Garmisch vorbereiten. „Zurzeit habe ich mehr Spaß beim Riesentorlauf als beim Slalom.“

Trainerlob gab es für Gstrein, der sein hohes Risiko mit einem Ausfall bezahlte. Der Aufwärtstrend der rot-weiß-roten Slalom-Mannschaft kam trotzdem vorerst zum Erliegen. Ein Mitgrund dafür war, dass die Piste bei teilweisem Schneefall nachgab und sich ein Rennen für die niedrigen Startnummern entwickelte. In beiden Läufen gelang der Nummer eins die Bestzeit: zuerst Schwarz, dann Clement Noel.

Ein Nachspiel hat Schladming für die Flitzerin: Die 23-jährige spärlich bekleidete US-Amerikanerin, die mit einem Schild an den verstorbenen Basketball-Superstar Kobe Bryant erinnerte, wurde bei der Bezirkshauptmannschaft angezeigt und eine vorläufige Sicherheitsleistung eingehoben.