Größer, schneller und weiter

Sport / 30.01.2020 • 21:32 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Martin Pfanner holt sich für das NFL-Finale die beiden deutschen Ex-NFLer Markus Kuhn und Sebastian Vollmer vor die Kamera.MP
Martin Pfanner holt sich für das NFL-Finale die beiden deutschen Ex-NFLer Markus Kuhn und Sebastian Vollmer vor die Kamera.MP

Gigantomanie und Expansion der National Football League.

Miami Die NFL feiert ihre 100. Saison, die mit Super Bowl 54 zwischen Kansas City und San Francisco am Sonntag vor dem emotionalen und sportlichen Höhepunkt steht. Miami als Austragungsort des Endspiels präsentiert sich aktuell als Epizentrum des amerikanischen Sports.

Alles, was gesellschaftlich Rang und Namen hat, oder es zumindest meint, findet sich in der normalerweise 470.000 Mann und Frau fassenden Metropole in Florida ein. Am „Super Sunday“ sollen sich gut dreimal so viele Menschen in Miami aufhalten. Diese Anziehungskraft ist Sinnbild für die Potenz der National Football League. Finanziell, wirtschaftlich und perspektivisch führt kein Weg an der größten Sport-Liga des Planeten vorbei. Dafür lassen sich drei Gründe isolieren.

Größer

Man möchte meinen, dass die einzige Bilanz, die die NFL kennt, eine Positive ist. Wie sollte es auch anders sein, wenn Jahr für Jahr Rekordumsätze vermeldet werden? Selbst wenn der Sport mancherorts mit unangenehmen Themen wie gesundheitlichen Spätfolgen einer Spielerkarriere, Regelkontroversen oder – wie gestern an dieser Stelle geschrieben – der durchaus politisch motivierten Aussperrung eines Spielers aufwartet. 2005 lag der NFL-Umsatz noch bei 5,60 Milliarden Euro. 13 Jahre später war er fast drei Mal so hoch. Football ist in den USA ein Geschäft, das standhaft jeder Krise trotzt.

Schneller

So schnell wie die NFL wächst, so rasant schießen auch neue Stadien bzw. Infrastrukturen aus dem Boden. Das eine bedingt durchaus das andere. Allein im kommenden Jahr bekommen drei Teams an zwei Orten eine neue Heimstätte. Insgesamt knapp 6,2 Milliarden Euro werden in die Stadien in Los Angeles und Las Vegas verbaut. Moderne Spielstätten waren in den USA schon immer wichtig, auch wenn es teils absurde Blüten treibt. Mercedes-Benz Stadium, ein Hochglanz-Stadion in Atlanta, wurde 2017 eröffnet. Und das obwohl der Georgia Dome – die alte Spielstätte der ortsansässigen Atlanta Falcons – erst 1992 bezogen worden war. Halbwertszeiten amerikanischer Stadien muten für europäische Sportfans geradezu absurd an. Die Kosten sowieso. Und gleichsam beweist die NFL bei steigender Qualität des TV-Produkts und stagnierenden Argumenten für die Vor-Ort-Erfahrung ein gutes Gefühl für die Zukunft. Fans im 21. Jahrhundert ködert man mit Entertainment-Tempeln, nicht mit Bruchbuden.

Weiter

Expansion war für die NFL lange Zeit auf nationales Territorium beschränkt. Seit gut eineinhalb Jahrzehnten passiert diese sowohl international als auch digital. 28 Spiele umfasst die Regular Season, also der Grunddurchgang. Seit 2007 finden im Rahmen der International Series Spiele in London und Mexiko statt. Nicht abreißende Gerüchte sagen, dass Deutschland als nächstes auf der Landkarte steht – das ist der Ausdruck großer Bemühungen in immer mehr Märkten Fuß zu fassen. Der Wegbereiter? Die Verfügbarkeit der Spiele. Ob im TV oder digital, immer mehr Menschen können immer häufiger immer (örtlich) ungebundener die NFL konsumieren. Dies gilt auf für das wichtigste Spiel im Kalenderjahr des American Football. Die sportliche Vorschau auf Super Bowl 54 lesen sie morgen in den VN.