Kein Happy End in Down Under

Sport / 02.02.2020 • 21:03 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Am Ende hielt der „König von Melbourne“, Novak Djokovic, die Trophäe für den Grand-Slam-Sieg in den Händen. Dominic Thiem durfte sie nur enttäuscht anschauen.Reuters
Am Ende hielt der „König von Melbourne“, Novak Djokovic, die Trophäe für den Grand-Slam-Sieg in den Händen. Dominic Thiem durfte sie nur enttäuscht anschauen.Reuters

Dominic Thiem unterliegt dem Serben Novak Djokovic im Finale der Australian Open 4:6, 6:4, 6:2, 3:6, 4:6.

melbourne Der Traum von Dominic Thiem von seinem ersten Grand-Slam-Triumph hat sich auch im dritten Anlauf nicht erfüllt. Österreichs Tennis-Star unterlag am Sonntag im ersten Endspiel eines Österreichers bei den Australian Open Titelverteidiger Novak Djokovic nach 3:59 Stunden 4:6,6:4,6:2,3:6,4:6. Der Serbe übernimmt damit wieder die Weltranglistenführung, Thiem rückt auf Rang vier vor. Der Niederösterreicher war um einiges knapper am großen Coup, als er es bei seinen beiden verlorenen French-Open-Finali 2018 und 2019 gewesen war. Er lag mit einer 2:1-Satzführung in Front, und noch nie davor in sieben Anläufen hatte Djokovic in einem Major-Finale einen solchen Rückstand umgedreht. Diesmal gab es die Premiere, zum Leidwesen von Thiem.

„Riesige Glückwünsche an Novak Djokovic“, hatte Thiem im „On Court“-Interview zuerst Lob für den Gegner übrig. „Es ist unwirklich, was du tust. Du hast das Herrentennis auf ein neues Level geschickt. Ich bin froh, dass ich Teil dieser Reise bin, auch wenn es heute nicht ganz geklappt hat.“ Thiem vergaß auch nicht, an die Buschfeuer-Katastrophe in Australien zu erinnern. „Es gibt sehr viel wichtigere Sachen im Leben als das, was wir hier machen.“ Seine nächste Chance auf einen Grand-Slam-Titel bietet sich dem Lichtenwörther aber schon Ende Mai/Anfang Juni bei den French Open, wo er zuletzt viermal in Folge zumindest im Halbfinale gestanden war.

Achter Titel in Australien

Djokovic erwähnte in seiner Dankesrede einerseits sein Team um Coach Marian Vajda und Goran Ivanisevic, zollte zum anderen dem „Team Thiem“ viel Respekt. „Gratulation an Dominic für ein fantastisches Turnier“, richtete er schließlich Worte an den unterlegenen Finalisten. „Du warst nahe am Sieg dran. Du wirst eine dieser Grand-Slam-Trophäen bekommen, und nicht nur eine.“ Der „Djoker“ hat damit weiter keines seiner Australian-Open-Finali verloren, baute seinen Rekord auf acht große Titel „down under“ aus. Für Djokovic ist es der 17. Major-Titel, damit fehlen ihm noch zwei auf Nadal und drei auf Rekordhalter Roger Federer. Der 32-Jährige erhöhte im Head-to-Head mit Thiem auf 7:4 an Siegen, die Grundlage dafür legte er früh im ersten Satz. Entscheidend für den Ausgang waren vor allem Vorteile von Djokovic beim Return und zweiten Aufschlag, da war Thiems Quote einfach zu schlecht. Das änderte er aber in den beiden Folgesätzen signifikant. Djokovic half ihm dabei. Bei 4:4 kassierte Djokovic vom Stuhlschiedsrichter eine Verwarnung sowie den Verlust eines ersten Aufschlags, da er sich beim Service zu lange Zeit gelassen hatte. Der sichtlich genervte Favorit verlor die Konzentration und das Game. Thiem ließ sich dadurch nicht aus der Ruhe bringen und glich in Sätzen aus.

Nun schien der Kitzbühel- und Wien-Sieger des Vorjahres auf der Siegerstraße. Mit starkem Spiel holte er nach 47 Minuten Satz drei. Eine Breakchance bei 1:1 im vierten Durchgang hätte womöglich eine Vorentscheidung zu seinen Gunsten gebracht, Djokovic verhinderte aber den abermaligen Rückstand. Dafür glückte es ihm selbst, zum 5:3 den entscheidenden Coup zu landen. Thiem spielte da nicht auf seinem höchsten Level.

In der Entscheidung schien es zur Kopfsache zu werden und Thiem gab sein Service zum 1:2 ab, diesem Malus lief er bis zuletzt erfolglos nach. Dabei vergab er postwendend zwei Chancen zum Rebreak, verhinderte seinerseits bei 2:4 einen Doppelbreak-Rückstand. Es war schließlich gleich der erste Matchball, mit dem Djokovic die Partie beendete.

„Du warst nahe am Sieg dran. Du wirst eine dieser Trophäen bekommen, nicht nur eine.“