Die Magie von Quarterback Patrick Mahomes

Sport / 03.02.2020 • 23:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Patrick Mahomes, Quarterback der Kansas City Chiefs, wurde als wertvollster Spieler des Super Bowl ausgezeichnet. AP

Kansas City gewinnt nach 50 Jahren zum zweiten Mal den Super Bowl.

Miami Noch streiten sich die Experten, wie Super Bowl 54 am Ende der 100. Saison der NFL zu betrachten ist. Und dieser Disput wird wohl auch noch einen Gutteil der aktuellen Woche andauern. Wer hat Schuld daran, dass San Francisco nach fünf Super-Bowl-Titeln in ebenso vielen Endspielen nun sogar die letzten zwei Finals in Serie verloren hat?
Denn Mitte des vierten Viertels sah es mit einer komfortablen Zehnpunkteführung für die Kalifornier tatsächlich danach aus, als ob die Chiefs weiterhin auf den ganz großen Wurf warten müssten und die titellose Durststrecke auch in ein 51. Jahr geht.

Dominante Defense

Dass die Chiefs ein Comeback schaffen können, haben sie im Laufe der Playoffs aber gleich mehrfach eindrucksvoll bewiesen. Gegen Houston wurde ein Rückstand von 24 Punkten binnen eines Viertels aufgeholt, gegen Tennessee im Halbfinale wurde gar zwei Mal eine Hypothek von zehn Punkten gedreht. Insofern waren die 49ers gewarnt. Doch Chiefs-Quarterback Patrick Mahomes hatte mit der Verteidigung San Franciscos seine liebe Not, seine zwei Interceptions waren die ersten überhaupt in einem Playoff-Spiel. Kansas-City-Head-Coach Andy Reid hatte zuvor aber in einem Interview einmal Folgendes überMahomes gesagt: „Er macht einen Fehler kein zweites Mal.“ Und damit sollte er auch in der 54. Auflage der Super Bowl Recht behalten. Unter immensem Druck und mit der erdrückenden Erwartungshaltung einer leiderprobten Fan-Base im Rücken zeigte sich der erst 24-jährige Mahomes abgebrüht. 21 Punkte in Serie bedeuteten nicht nur, dass der Afroamerikaner die Offense perfekt dirigierte, sondern auch seine Verteidigung immer wieder lange Angriffsserien von San Francisco unterbinden konnte.


Ich durfte das Spiel für den Streaming-Anbieter DAZN kommentieren und hatte dabei zwei deutschsprachige Ex-NFL-Profis an meiner Seite. Unter anderem SebastiaVollmer, der mit einem Endspiel-Sieg als Aktiver genau wusste, worauf es in großen Spielen ankommt. Nicht nur Vollmer, die gesamte Expertenwelt war und ist voll des Lobes für Mahomes, insbesondere wie er die Offense dirigierte. Die oft bemühte Playoff-Floskel „große Spiele werden von großen Spielern entschieden“ beinhaltet eben doch mehr als nur ein Körnchen Wahrheit. Am Ende ging den 49ers im wahrsten Sinne des Wortes die Luft aus und Reid holte sich in seinem 365. Spiel als Head Coach erstmals einen Super-Bowl-Sieg. Ein Erfolg, der am Ende verdient war und eine ganze Stadt wohl noch wochenlang in kollektiven Freudentaumel versetzen wird.
Ich möchte mich an dieser Stelle bei allen für die letzten Wochen bedanken. Schön, dass dem American-Football-Sport in den VN so viel Platz eingeräumt wurde. Wir lesen uns hoffentlich in einem Jahr wieder, denn Super Bowl 55 in Tampa Bay wirft in einer Liga, die niemals schläft, ohnehin schon seinen Schatten voraus.

Martin Pfanner mit zwei Super-Bowl-Ringen.
Martin Pfanner mit zwei Super-Bowl-Ringen.

Martin Pfanner ist selbstständiger Journalist und TV-Kommentator sowie Produzent. Er arbeitet u. a. für die Servus Hockey Night, den Schweizer Sportsender MySports und das Streaming-Portal DAZN. American Football und Eishockey sind seine großen Passionen.