So reagiert das Radteam Vorarlberg Santic auf das Coronavirus

Sport / 05.02.2020 • 20:00 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Das Radteam Vorarlberg Santic wird den Saisonstart nicht in China feiern, sondern bei der Tour of Rhodos bzw. der Kroatien-Rundfahrt. EISENBAUER

Kein Rennen in China. Quaratäne, Absagen und Ängste im internationalen Sport sorgen auch bei den Olympia-Organisatoren von Tokio für schlaflose Nächte.

Schwarzach Chinas Sportler sitzen bzw. saßen in Quaratäne, große Sportevents wie die Hallen-WM der Leichtathleten oder der Ski-Weltcup wurden abgesagt, und auch Tokios Gouverneurin schlägt sechs Monate vor Olympia Alarm: Das in China grassierende Coronaviurs mit mehreren Hundert Toten hat immer größere Auswirkungen auf internationale Sportveranstaltungen. Diese sind nun auch in Vorarlberg zu spüren. So musste das Radteam Vorarlberg Santic nach der Absage der neuntägigen Rundfahrt auf der Ferieninsel Hainan den Saisonstart völlig neu planen. Das Team wird nun „halbiert“ und startet Anfang März mit sieben Fahrern bei der Tour of Rhodos, während der Rest bei der gleichzeitigen Kroatien-Rundfahrt antreten wird. Das bestätigte im VN-Gespräch Teammanager Thomas Kofler („So kommen alle auf ihre Kilometer“).

Frühzeitig Entscheidung getroffen

„Wir haben uns schon vor der Absage mit möglichen Alternativen beschäftigt“, sagt der 48-Jährige. „Die Gesundheit geht vor und so haben wir schnell die Entscheidung getroffen.“ Schon seit längerer Zeit sei man mit dem Außenministerium in Verbindung gewesen und habe die Reisewarnungen ernst genommen. Allein: „Mir tut der Veranstalter leid“, sagt Kofler. Dank guter Kontakte konnte er auch noch zwei alternative Startgelegenheiten („Beide Rennen waren eigentlich schon voll“) für seine Sportler organisieren. Nun gilt es, organisatorisch alles hinzubekommen („Die Gespräche mit den Airlines laufen gut“), umzubuchen, die Abreise vorzubereiten.

„Die Gesundheit geht vor und so haben wir schnell die Entscheidung getroffen.“

Thomas Kofler, Teammanager Team Vorarlberg Santic


Doch nicht nur der Radsport ist von einer Absage betroffen. Die VN geben eine Übersicht vorläufig betroffener Sportarten:


Fußball Der chinesische Verband CFA hat alle Spiele im Land ausgesetzt, der für den 22. Februar geplante Saisonstart der Super League wurde bis auf Weiteres verschoben. Zudem kündigte der asiatische Kontinentalverband AFC an, dass die Spiele aller vier chinesischen Klubs in den ersten Partien der asiatischen Champions League verlegt werden. Betroffen sind auch die Matches von Shanghai SIPG, dem Klub von ÖFB-Teamspieler Marko Arnatuovic. Die ersten drei Runden der Gruppenspiele im Februar und März wurden auf April und Mai verschoben. Die erste K.o.-Phase wird voraussichtlich ebenfalls verschoben.


Das für Anfang Februar geplante Olympia-Qualifikationsturnier im Frauenfußball findet nicht in Nanjing sondern in Sydney statt. Der chinesische Fußballverband CFA zog sich als Ausrichter zurück. Zuvor war das Turnier, an dem Australien, China, Taiwan und Thailand teilnehmen, bereits von Wuhan nach Nanjing verlegt worden. Bei der Ankunft in Brisbane war Chinas Frauenteam vorsorglich für kurze Zeit unter Quarantäne gestellt worden.
Ob die WM-Qualifikationsspiele der chinesischen Männer-Nationalmannschaft gegen die Malediven am 26. März sowie in Guam am 31. März wie geplant stattfinden, soll zu einem späteren Zeitpunkt entschieden werden.


Badminton Das China Masters findet nicht wie geplant ab dem 25. Februar in Lingshui statt. Zahlreiche Spieler hatten ihre Teilnahme ohnehin bereits abgesagt.

Basketball Der Weltverband FIBA gab bekannt, dass das im chinesischen Foshan geplante Olympia-Qualifikationsturnier der Frauen nun in Belgrad stattfinden wird. In Belgrad finden vom 6. bis zum 9. Februar nun zwei von insgesamt vier Turnieren statt, die anderen beiden werden in Bourges (FRA) und Ostende (BEL) ausgetragen.

Boxen Das Olympia-Qualifikationsturnier der Boxer ist von Wuhan nach Jordanien verlegt worden. Nach Angaben des Internationalen Olympische Komitees (IOC) wird der Wettbewerb vom 3. bis 11. März in der jordanischen Hauptstadt Amman stattfinden.

Formel 1/Formel E Das für den 21. März in Sanya geplante Formel-E-Rennen wurde abgesagt, ein neuer Termin ist noch nicht gefunden. Zudem hat sich angesichts der Bedrohung durch das Virus der chinesische Formel-E-Piolot Ma Qinghua vor dem Rennen in Mexiko vorsorglich in Quarantäne begeben. Diese dauert bis zum Rennen am 15. Februar. Der Automobil-Weltverband FIA beobachtet die Situation in China weiterhin genau. Das Formel-1-Rennen in Shanghai soll am 19. April stattfinden. Allerdings steht auch hinter dem vierten WM-Lauf der Saison ein Fragezeichen.

Leichtathletik Der Weltverband World Athletics sagte die für den 13. bis 15. März in Nanjing geplante Hallen-WM wegen der Epidemie ab. Die Titelkämpfe sollen erst im März 2021 nachgeholt werden.

Schwimmen Die chinesische Station der Wasserspringen World Series (7. bis 9. März) fällt aus. Ob der Synchronschwimm-Wettbewerb der World Series (23. bis 25. April) in Suzhou normal über die Bühne gehen kann, ist noch offen.

Ski Alpin Der Internationale Skiverband FIS sagte die für den 15. und 16. Februar geplanten alpinen Weltcup-Rennen der Männer in Yanqing ab. Die Rennen waren als Testevents für die Olympischen Spiele in Peking 2022 geplant. Sie werden nun in Saalbach gefahren.

Reiten In Hongkong ist das internationale Reitturnier abgesagt worden. Es gehört zur Masters-Serie, bei der ein Bonus von einer Million Euro zu verdienen ist. Weitere Stationen sind Lausanne und Basel.

Golf Die nordamerikanische Profigolf-Organisation LPGA hat das Turnier auf der chinesischen Insel Hainan Anfang März abgesagt.

All diese Umstände sorgen nun auch dafür, dass das OK-Team der Olympischen Sommerspiele bzw. Paralympics in Tokio „extreme Besorgnis“ äußert. Auch in Japan ist das Coronavirus schon nachgewiesen worden. Und bei Olympia werden nicht weniger als rund 11.000 Teilnehmer erwartet.