Wahnsinn! Austria Lustenau steht im Cup-Halbfinale

Sport / 08.02.2020 • 18:45 Uhr / 8 Minuten Lesezeit
 Der Jubel über den Aufstieg in das Halbfinale des ÖFB-Cup kannte keine Grenzen. <span class="copyright">GEPA</span>
Der Jubel über den Aufstieg in das Halbfinale des ÖFB-Cup kannte keine Grenzen. GEPA

Mählich-Elf gewinnt im Elfmeter-Krimi mit 5:4 gegen WSG Tirol und steht zum zweiten Mal in der Vereinsgeschichte im Halbfinale des ÖFB-Cup.

Markus Krautberger

Lustenau Erstmals seit acht Jahren sahen die Fans der Austria Lustenau ihre Mannschaft im Viertelfinale des ÖFB-Cup. Und zum Leidwesen der Austria-Familie standen die Vorzeichen für die Partie gegen die WSG Tirol unter keinen guten Stern. Zum einem musste Austria-Trainer Roman Mählich wegen fehlender Spielgenehmigungen bereits im Vorfeld auf die Neuzugänge Andy Reyes und Richard verzichten. Und zum anderen meldete sich Mittelfeldstratege Christoph Freitag vor Spielbeginn auch noch krankheitsbedingt ab. Daniel Tiefenbach übernahm seine Position. Und die dünne Personaldecke machte sich auch auf dem Spielfeld bemerkbar. Zwar waren die Austrianer von Start weg bemüht, aber die Offensiv-Bemühungen hielten sich im ersten Durchgang sehr in Grenzen. Aber auch der Gegner aus Tirol hielt sich in Sachen Gefährlichkeit vornehm zurück, einzig ein gefährlicher Freistoß von Thanos Petsos (8.) war die Ausbeute. Eine unaufgeregte Halbzeit endete gerecht 0:0.

„Vielleicht war die WSG etwas dominanter, hatte vielleicht etwas mehr Spielanteile. Aber wir haben einen Thomas Mayer. Und wenn der richtig Gas gibt, dann kann so etwas wie heute bei ihm heraus schauen.“

Roman Mählich, Trainer Austria Lustenau

24 Sekunden für Gegentor

Den Start in die zweite Halbzeit verschliefen die Austrianer komplett. 24 Sekunden waren gespielt als Dedic (46.) sich nach langem Pass von Petsos gegen Austrias Verteidiger Christian Schilling und Dominik Stumberger durchsetzte und die Kugel per Seitenstange zur Gästeführung versenkte. Austria-Goalie Schierl war machtlos. Wer aber dachte, dass die Messe gelesen war, irrte gewaltig. Zwar brauchten Kapitän Pius Grabher und Co. etwas Zeit, um sich vom Gegentor zu erholen, doch mit Fortdauer traute man sich immer mehr zu. Und die Gäste ließen zudem Schwächen in der Defensive erkennen. So auch beim viel umjubelten Ausgleich von Sebastian Feyrer (63.). Nach einen stark getretenen Freistoß von Daniel Tiefenbach war der Austria-Innenverteidiger per Kopf zur Stelle und ließ die Gäste-Abwehr rund um die knapp zwei Meter großen Soares, Cabrera und Svoboda ganz schlecht ausschauen.

Austria-Trainer Roman Mählich fand die richtigen Mittel für die Cupsensation.<span class="copyright">Gep</span><span class="copyright">a</span>
Austria-Trainer Roman Mählich fand die richtigen Mittel für die Cupsensation.Gepa

Und plötzlich leckte die Mählich-Elf Blut. Die große Sensation war zum Greifen nahe. Doch vorerst hielt Austria-Goalie Schierl die Seinen mit tollen Paraden gegen Tirols Svoboda (68./Weitschuss), Yeboah (74.) und Lukas Grgic (77./Weitschuss) im Spiel. Doch die Lustenauer, vor allem in Form von Thomas Mayer und auch dem eingewechselten Wallace setzten Nadelstiche. Die größte Chance auf den Sieg vergab Alexander Rannacher (83.), doch sein Kracher aus spitzem Winkel landete nur auf dem Lattenkreuz. Gäste-Trainer Thomas Silberberger reagierte, brachte seinen Neuzugang und ehemaligen österreichischen Nationalspieler Stefan Maierhofer auf das Feld, um Unruhe in der Austria-verteidigung zu stiften. Doch die reguläre Spielzeit endete 1:1, was Verlängerung bedeutete.

Traumtor von Mayer

Die Verlängerung startete mit einem Traumtor. Austria-Neuzugang Lukas Katnik, der mit einer Oberschenkelzerrung ins Spiel gegangen war, legte quer für Mayer (99.) und der schlenze den Ball unhaltbar aus 18 Metern über WSG-Goalie Ferdinand Oswald zum 2:1 in die Maschen. das Planet Pure Stadion kochte zu diesem Zeitpunkt bereits. In Folge waren die Gäste bemüht, den Ausgleich zu erzielen, aber die Abwehr rund um Dominik Stumberger und Sebastian Feyrer hielt grandios dagegen. Aber Letztgenannter hatte Pech (103.) als eine Kopfballverlängerung von Maierhofer im Strafraum seine Hand berührte. der schwache Schiedsrichter Sebastian Gishamer zeigte auf den Elfmeterpunkt. Den fälligen Strafstoß verwandelte Sebastian Pranter souverän (105.)

Thomas Mayer erzielte mit einem traumtor die zwischenzeitliche Führung der Lustenauer.<span class="copyright">Gep</span><span class="copyright">a</span>
Thomas Mayer erzielte mit einem traumtor die zwischenzeitliche Führung der Lustenauer.Gepa

„Ich habe über das ganze Spiel gespürt, dass wir das Match gewinnen würden, der Glaube war immer da. Das Match war richtig intensiv, umso mehr freut es mich, dass ich mit meinen Toren zum Aufstieg beitragen konnte.“

Thomas Mayer, Austria Lustenau

In den letzten 15 Minuten war den Gastgebern zweimal das Glück hold. Ein Handspiel von Schilling im Strafraum wurde nicht geahndet (115.) und der eingewechselte Kelvin Yeboah traf nur die Stange (117.). Die Partie musste im Elfmeterschiessen entschieden werden

Maierhofer tragisch, Mayer magisch

Stefan "Major" Maierhofer verschoß seinen Elfmeter und wurde zur tragischen Figur aus Tiroler Sicht.<span class="copyright">Gep</span><span class="copyright">a</span>
Stefan "Major" Maierhofer verschoß seinen Elfmeter und wurde zur tragischen Figur aus Tiroler Sicht.Gepa

Und dort zeigten sich die Austrianer eiskalt. Die Entscheidung brachte Stefan „Major“ Maierhofer. Der mittlerweile 37-jährige Ex-Internationale verzog seinen Strafstoß an die Latte, von der dort sprang der Ball weit über die Südtribüne. Als letzter Schütze für die Grün-weißen ließ es sich Mayer nicht nehmen, den Sieges-elfmeter zu erzielen. Damit kürte sich der quirlige 24-Jährige zum absoluten Matchwinner und ließ alle Dämme im Planet Pure Stadion brechen. „Ich habe über das ganze Spiel gespürt, dass wir das Match gewinnen würden, der Glaube war immer da. Das Match war richtig intensiv, umso mehr freut es mich, dass ich mit meinen Toren zum Aufstieg beitragen konnte,“ erklärte der Mann des Spiels. Sein Kapitän Pius Grabher war ob der Einstellung und Mentalität seiner Mannschaft glücklich: „Wir sind mittlerweile ein richtig eingeschworener Haufen, wollten diesen Sieg unbedingt. Grandios, wie jeder für jeden gekämpft hat. Ich glaube, heute hatte jeder am Feld nach dem Spiel Krämpfe.“ Unterdessen gab Austria-Coach Roman Mählich die ersten Sieger-Interviews und verwies dabei darauf, „dass ich immer an einen Sieg geglaubt habe. Weil es ein Spiel auf Augenhöhe war. Vielleicht war die WSG etwas dominanter, hatte vielleicht etwas mehr Spielanteile. Aber wir haben einen Thomas Mayer. Und wenn der richtig Gas gibt, dann kann so etwas wie heute bei ihm heraus schauen.“ Gäste-Trainer Thomas Silberberger gratulierte enttäuscht dem Sieger: „Wir wussten, dass es ein schwerer Gang werden würde. Aber wir haben zu leichtfertig den Ausgleich zum 1:1 hinnehmen müssen. Das 2:1 durch Mayer war ein Traumtor, das muss man neidlos anerkennen. Doch in Folge haben wir unsere Chancen nicht genutzt, und dann ist es am Ende eben zu wenig.“

Nach Spielende feierte die Mannschaft zusammen mit den Fa<span class="copyright">Gep</span><span class="copyright">a</span>ns vor der Nordtribüne.
Nach Spielende feierte die Mannschaft zusammen mit den FaGepans vor der Nordtribüne.

Fussball

ÖFB-Cup, Viertelfinale

Austria Lustenau – WSG Swarovski Tirol 5:4 i.E. (2:2, 1:1, 0:0)

Planet Pure Stadion, 1800 Zuschauer, SR Gishamer

Torfolge: 46. 0:1 Dedic, 63. 1:1 Feyrer, 99. 2:1 Mayer, 105. 2:2 Pranter (Elfmeter)

Gelbe Karten: 38. Lageder (Lustenau), 70. Soares (WSG), 80. Koch (WSG), 90. Grgic (WSG) , 104. Schierl (Lustenau), 108. Yeboah (WSG), 111. Grujcic (Lustenau), 119. Wallace (Lustenau)

Austria Lustenau: (4-2-3-1)Schierl; Lageder, Feyrer, D. Stumberger, Schilling; Grabher, Tiefenbach; Mayer, Steinwender (66. Wallace), Ranacher (98. Avramovic); Katnik (102. Grujcic)

WSG Tirol (4-3-3): Oswald; Koch, Cabrera (105. Hager), Soares, Adjei; Svoboda, Petsos (94. Toplitsch), Grgic; Santin (60. Yeboah), Dedic (74. Maierhofer), Pranter