Große Bühne für den neuen Ferrari

Sport / 11.02.2020 • 20:57 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Pathetische Präsentation des neuen SF1000 im Theater in Reggio Emilia. Ferrari-Boss John Elkann möchte erstmals seit 2007 den Fahrerweltmeistertitel feiern. reuters
Pathetische Präsentation des neuen SF1000 im Theater in Reggio Emilia. Ferrari-Boss John Elkann möchte erstmals seit 2007 den Fahrerweltmeistertitel feiern. reuters

Vettel und Leclerc gehen mit dem SF1000 auf Titeljagd.

Reggio Emilia Sebastian Vettel lächelte, seine Augen strahlten. Den edlen dunklen Anzug hätte der viermalige Formel-1-Weltmeister beim Anblick seines neuen Dienstwagens am liebsten noch auf der Bühne des Theaterhauses Romolo Valli gegen seinen Rennoverall eingetauscht. „Wir müssen noch eine Woche warten, bis wir einsteigen dürfen. Aber der Wagen sieht einfach klasse aus“, sagte Vettel bei der pompösen Präsentation der – wie die Ferraristi inständig hoffen – neuen „Roten Göttin“, die einprägsam SF1000 heißt. Der Bolide verdankt seinen markanten Namen einem anstehenden Jubiläum. Der traditionsreichste Formel-1-Rennstall wird im neunten Saisonrennen seinen 1000. Grand Prix bestreiten. Einmalig in der Formel 1. Und doch ein weiteres Zeichen, woran es hakt.

Denn zuletzt hatte Ferrari nur noch selten Grund, sich für Errungenschaften zu feiern. Die Positiv-Schlagzeilen gehören seit 2014 den Seriensiegern von Mercedes, die stolze Scuderia dagegen wartet bereits seit zwölf (!) Jahren auf einen Titel.

2020, in der letzten Saison vor der Einführung einer radikalen Budgetgrenze, soll der große Wurf mit aller Macht gelingen. Ferrari-Boss Louis Camilleri kündigte hierzu in der Vorwoche zusätzliche Investitionen an. Gestern formulierte er seinen Anspruch an die Fahrer Vettel und Charles Leclerc sowie die Crew um Teamchef Mattia Binotto ebenso knapp wie unmissverständlich: „Siegen“.

Große Herausforderung

Der Optimismus im opulenten Opernhaus von Reggio Emilia kannte kaum Grenzen. „Es steckt sehr viel Arbeit in diesem Auto. Das werde ich spüren, wenn ich es fahre. Das Heck ist viel schlanker als im vergangenen Jahr. Es wurden kluge Lösungen gefunden“, sagte Vettel über den selbstverständlich vorwiegend in Rot gehaltenen Boliden.

Vettel geht in sein sechstes Jahr bei Ferrari. Sein Vertrag läuft am Jahresende aus, eine Verlängerung hängt massiv von seinen Ergebnissen ab – auch im Vergleich zu denen seines jungen Teamkollegen Charles Leclerc. Der 22-jährige Monegasse, im Vorjahr mit zwei Siegen und als WM-Dritter erfolgreicher als der deutsche Platzhirsch, erwartet „eine große Saison und eine große Herausforderung“.

Alles Talent hilft aber nur, wenn der Wagen in jedem Rennen um Siege fahren kann. Der neue rote Renner sollte deutlich stärker sein als sein Vorgänger, glaubt Binotto: „Wir haben versucht, den Abtrieb zu maximieren. Wir wollten eine möglichst schlanke Silhouette haben. Die Aufhängung ist agiler als im vergangenen Jahr, um auf das Feedback der Fahrer schneller reagieren zu können.“

Doch so elegant und schnell der Bolide aussehen mag: Wie gut der SF1000 wirklich ist, muss sich auf der Strecke zeigen. Die ersten Testfahrten starten am 19. Februar in Barcelona, die 71. Saison in der Motorsport-Königsklasse beginnt am 15. März mit dem Großen Preis von Australien in Melbourne.

„Der Wagen sieht Klasse aus. Es wurden kluge Lösungen gefunden.“

Formel 1

Die weiteren Team-Präsentationen

Heute: Red Bull (Silverstone)

Heute: Renault (Paris)

13. Februar: McLaren (Woking)

14. Februar: Mercedes (Silverstone)

14. Februar: AlphaTauri (Salzburg)

17. Februar: Williams (online)

17. Februar: Racing Point (Mondsee)

19. Februar: Alfa Romeo (Barcelona)