Kein Wunder von Klagenfurt

Sport / 29.05.2020 • 23:33 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Kein Wunder von Klagenfurt
Aus der Traum vom Cup-Sieg der Lustenauer Austria. Die Grün-Weißen mussten eine 0:5-Niederlage gegen RB Salzburg einstecken. APA

Austria Lustenau kommt im Geister-Endspiel um den ÖFB-Cup gegen Red Bull Salzburg mit 0:5 unter die Räder.

Klagenfurt Sechster ÖFB-Cuptitel in sieben Jahren. RB Salzburg verteidigt seinen Erfolg aus dem Vorjahr durch einen verdienten 5:0-Sieg über Austria Lustenau. Und das in einem durch die besonderen Umstände sehr speziellen Endspiel um den Pokal in Klagenfurt. Nur 200 Menschen inklusive Mannschaften duften an dem ersten Bewerbspiel nach der Coronapause in das 30.000 Zuschauer fassende Wörthersee-Stadion teilnehmen. Darunter natürlich ÖFB-Präsident Leo Windtner. Gemeinsam mit Teamchef Franco Foda, dessen Vertrag bis 2021 verlängert wurde, sah er eine Lustenauer Mannschaft, die vor allem in den ersten Minuten nicht allzuviel Respekt vor dem haushohen Favoriten aus der Mozartstadt zeigte. Mit viel Mut und Kampfbereitschaft machten Kapitän Ronivaldo und Co. es den Salzburgern richtig schwer. Austrias Mittelfeldmotor Pius Grabher setzte gegen Zlatko Junuzovic (4.) in einem hart geführten Zweikampf ein Ausrufezeichen – die Körpersprache bei den Lustenauern stimmte hundertprozentig. Der Favorit aus Salzburg brauchte etwas, um auf Touren zu kommen. Ein Schuss von Hee Chan Hwang (12.), ein Kopfball von Patson Daka (12.) sowie ein Freistoß von Junuzovic (15.) brachten noch keine Ausbeute.

“Es war ein sehr schwieriges Spiel, Knackpunkt war sicher der Doppelschlag. Aber das soll kein Vorwurf an Goalie Florian Eres sein.”

Dominik Stumberger, Austria Lustenau

Doppelschlag in 102 Sekunden

Beim 0:1 machte Austria-Tormann Florian Eres keine gute Figur. Genauso nicht beim 0:2 nur 102 Sekunden später. <span class="copyright">APA</span>
Beim 0:1 machte Austria-Tormann Florian Eres keine gute Figur. Genauso nicht beim 0:2 nur 102 Sekunden später. APA

Doch als sich Dominik Szoboszlai (19.) den Ball bei einem Freistoß aus eigentlich wenig aussichtsreicher Position auflegte und diesen aus spitzen Winkel versenkte, waren die Bemühungen der Grün-Weißen erledigt. Tormann Florian Eres, der sein Pflichtspiel-Debüt für die Austria absolvierte, machte dabei überhaupt keine gute Figur. Und 102 Sekunden später leitete der 21-jährige Hohenemser das 0:2 mit ein. Nach einem Rückpass fand das Zuspiel von Eres auf Verteidiger Michael Lageder zum Leidwesen der Austrianer nur Salzburgs Hwang, dessen Stanglpass bugsierte Dominik Stumberger (21.) dann auch noch unglücklich ins eigene Tor. Fürs Erste war die Luft bei den Vorarlbergern draußen. Dennoch schaffte es die Mählich-Truppe, keinen weiteren Gegentreffer zu kassieren und ging mit 0:2 in die Pause.

“Eine Niederlage ist immer ärgerlich. Phasenweise konnten wir die Salzburger ganz gut anlaufen, aber eben nur phasenweise. Am Ende waren sie einfach zu stark für uns”

Roman Mählich, Trainer Austria Lustenau
Auch Teamchef Franco Foda war vor Ort. <span class="copyright">APA</span>
Auch Teamchef Franco Foda war vor Ort. APA


In den zweiten Durchgang startete die Austria wieder engagierter, versuchte so gut es geht an den Salzburgern dran zu bleiben. Doch abermals machte man dem Favoriten ein Geschenk. Christian Schilling verdribbelte sich am eigenen Sechzehner, Szoboszlai reagierte am schnellsten und bediente Bullen-Neuzugang Noah Okafor (53.) perfekt. Das 3:0 war für den 8-Millionen-Mann, gekommen vom FC Basel, der erste Treffer im Dress der Salzburger. Damit legten die Bullen das Spiel endgültig auf Eis. Dazu hatte Ronivaldo (63.) Pech, als sein Weitschuss nur an die Querlatte ging. Doch an eine Wende glaubte keiner der wenigen Besucher des Cupfinales mehr. Der Ex-Austria Lustenau-Kicker Majeed Ashimeru (65.) erhöhte zudem auf 4:0, Sekou Koita (80.) stellte schlussendlich den 5:0-Endstand her. Der amtierende Meister war am Ende zu übermächtig und beschenkte seinen Trainer Jesse Marsch mit dem erstem großen Titel in seiner Laufbahn. Apropos Titel: Immerhin sicherte sich Ronivaldo mit sieben Toren die Torjäger-Krone im Cup. Austria-Trainer Roman machte seiner Mannschaft keinen Vorwurf, “obwohl eine Niederlage immer ärgerlich ist. Phasenweise konnten wir die Salzburger gut anlaufen, aber eben nur phasenweise. Dass die Gegentore, vor allem die ersten drei, dann äußerst unglücklich waren, machte es natürlich nicht leichter für uns. Am Ende war Salzburg einfach zu stark für uns”. Dennoch erhofft sich Mählich, “dass meine Spieler viel gelernt haben aus diesem Spiel. Vor allem daraus, dass wir in den letzten Wochen uns eigentlich auf viele typische Aktionen der Salzburger vorbereitet haben – und trotzdem haben wir dann Fehler in diese Situationen gemacht.”

Tolle Reise im ÖFB-Pokal

Roman Mählich durfte den Pokal nur anschauen, leider nicht mit nach Lustenau nehmen. <span class="copyright">APA</span>
Roman Mählich durfte den Pokal nur anschauen, leider nicht mit nach Lustenau nehmen. APA

Trotz der zweiten Finalniederlage nach 2011 konnten die Grün-Weißen das Wörthersee-Stadion hoch erhobenen Hauptes verlassen. Man hat eine wunderbare Reise im ÖFB-Pokal hingelegt und machte grandiose Werbung für den Vorarlberger Fußball. Alleine das Endspiel wurde in mehr als 40 Ländern übertragen.

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