Mählich im exklusiven VN-Interview: Warum er sich von Austria Lustenau trennte

Sport / 25.06.2020 • 20:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Mählich im exklusiven VN-Interview: Warum er sich von Austria Lustenau trennte
Roman Mählich wird gegen SV Horn sein letztes Match als Austria-Lustenau-Trainer bestreiten. GEPA

Trainer Roman Mählich und Austria Lustenau trennen sich in beiderseitigen Einvernehmen.

Lustenau Was sich schon einigermaßen abzeichnete, ist nun Gewissheit: Roman Mählich wird Austria Lustenau als Trainer verlassen. In der Montag-Ausgabe der VN ließ Austria Lustenaus Vorstandssprecher bereits wissen: „Wenn Mählich unseren Weg nicht mitgehen will, müssen wir uns zusammensetzen und reden.“ Gesagt, getan. In beiderseitigem Einvernehmen lösten Mählich und Austria Lustenau den bis Sommer 2021 laufenden Vertrag auf. Mit der Heimpartie heute (18.30 Uhr) gegen den SV Horn erhält der Trainer sein Abschiedsspiel. Davor gibt der 48-Jährige in einem Exklusiv-Interview Einblicke über die Beweggründe der Trennung.

Herr Mählich, vor drei Wochen standen Sie mit der Austria noch im Cupfinale, heute stehen Sie ein letztes Mal an der Seitenlinie. Was sind die Gründe dafür?
Mählich Am Ende war und ist es eine Kombination von vielen Dingen. Doch an erster Stelle würde ich meine familiäre Situation stellen. Meine Frau und Kinder leben in Wien und ich habe mir gesagt, diese räumlich Trennung nehme ich längerfristig nur auf mich, wenn ich als Zielsetzung den Aufstieg mit der Austria in Angriff nehmen kann.

Aber nach dem verlorenen Cupfinale hat die Austria ja gemeldet, nächste Saison unbedingt um den Aufstieg mitzumischen.
Ja, aber da kommen dann eben die Pläne von mir als Cheftrainer aufs Tableau. Ich habe dem Klub erklärt, den Großteil der Mannschaft halten zu wollen und nur punktuell mit drei wirklich starken Spielern zu verstärken. So wären in meinen Augen auch der Meistertitel und der Aufstieg zu schaffen. Aber nach dem Cupfinale habe ich schon gemerkt, dass der Verein keinen wirklichen finanziellen Schwung aus diesem großen Erfolg mitnehmen konnte. Und als mir die Klubverantwortlichen vor geraumer Zeit erläuterten, sparen zu müssen, habe ich sehr stark zu überlegen begonnen, ob ich der richtige Mann dafür bin.

Das bedeutet, die Trennung ist keineswegs überraschend?
Nein, ich selbst habe mir schon einige Zeit Gedanken darüber gemacht, auch weil ich gesehen habe, wie schwer sich der Klub tut, finanziell zuzulegen. Der Verein hat alles probiert, Tag und Nacht versucht, Geld aufzustellen. Aber da hat uns die Coronapandemie ein Bein gestellt. Es ist eben aktuell schwer, Firmen oder Personen zu finden, die in Fußball investieren.

Wie sehr spielen bei der Trennung auch die Pläne des Vereins mit, sich auf den Kooperationspartner Ahmet Schaefer zu stützen?
Die Vereinsverantwortlichen haben mir in einem offenen Gespräch erklärt, einen Weg mit jungen Spielern aus der Region und aus der Akademie plus eben Hilfestellung des Kooperationspartners einzuschlagen, und mich gefragt, ob ich mir vorstellen kann, diesen Weg so mitzugehen.

Man hat Sie vor die Wahl gestellt?
Ja. Und ich habe mir das auch durch den Kopf gehen lassen, bin aber zum Schluss gekommen, nicht der Richtige dafür zu sein. Ich bin von meinem Weg überzeugt, diesen Spagat wollte ich dann nicht eingehen. Was aber nicht heißen soll, dass der Plan der Austria nicht aufgeht.

Wie hat die Mannschaft die Trennung aufgenommen?
Es hat keine Tränen gegeben. Aber auch keinen, der einen Salto geschlagen hat vor Freude. Das gehört zum Fußball eben dazu.

Was bleibt für Sie aus der Zeit bei der Austria?
Nur Positives. Wenn man es in das ÖFB-Cupfinale schafft, ist das großartig. Das wird für immer in meiner Vistitenkarte stehen. Dazu hatten die Mannschaft und ich immer einen super Draht zueinander, das sind richtig tolle Burschen. Und auch mit meinem Trainerteam bin ich perfekt ausgekommen. Aber auch privat habe ich mich von der ersten Sekunde an richtig wohl gefühlt. Vorarlberg ist wunderschön, die Leute waren immer nett. Alles in allem verlasse ich Lustenau mit viel Wehmut.

Sie geben heute ihre Abschiedsvorstellung. Was erwarten Sie sich?
Es wäre für die Mannschaft schön, wenn sie mal wieder gewinnt. Sie hat es sich verdient. Vielleicht löst die Trennung jetzt Barrieren, denn die Spieler haben sicher etwas vermutet in den letzten Tagen.

Was wird die Zukunft bringen? In Graz wurde gerade ein Trainerposten frei.
(lacht) Fußball ist krass. Der Trainer, der mich bei Sturm beerbt hat, verlässt den auch am gleichen Tag wie ich Lustenau. Nur ein Unterschied: Ich habe noch ein Spiel.