Bajuwarische Unruhe

Sport / 02.11.2020 • 18:57 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Die Beziehung David Alaba und FC Bayern München scheint ein Ablaufdatum zu haben, schon am 1. Jänner kann der Österreicher den Verein verlassen.afp
Die Beziehung David Alaba und FC Bayern München scheint ein Ablaufdatum zu haben, schon am 1. Jänner kann der Österreicher den Verein verlassen.afp

Die mögliche Trennung von David Alaba überstrahlt das sportliche Duell gegen Salzburg.

München Wieder einmal reichlich Unruhe im Vertragspoker mit David Alaba und ein positiver Coronatest bei Niklas Süle: Das Prestigeduell in der Champions League bei RB Salzburg rückte beim deutschen Triple-Gewinner Bayern München in den Hintergrund. Vor der Abfahrt im Mannschaftsbus nach Österreich musste sich Trainer Hansi Flick erst einmal mit unliebsamen Nebengeräuschen beschäftigen – und war vor dem heutigen Gruppenspiel (21 Uhr) vor allem beim leidigen Thema Alaba gehörig genervt.

Zeichen stehen auf Trennung

„Ich bin alles andere als glücklich“, sagte er auch angesichts des Bundesliga-Gipfels am Samstag bei Borussia Dortmund, „dass wir uns mit diesem Thema in einer Woche mit zwei so schweren Spielen befassen müssen. Wir werden als Mannschaft hoffe ich eine gute Antwort haben.“ Deutliche Worte von Flick in Richtung der Verantwortlichen, nachdem Präsident Herbert Hainer am Sonntag spätabends verkündet hatte, dass die Bayern das Vertragsangebot für den ÖFB-Teamspieler zurückgezogen haben.

Sportliche Auswirkungen befürchtet Flick trotz der seit Monaten anhaltenden Posse nicht: „Ich bin überzeugt davon, dass David weiter diese Topleistungen abruft. Er ist für die Mannschaft enorm wichtig, auf dem Platz und neben dem Platz.“ Und Alaba? Der 28-Jährige reagierte vor seinem „Heimspiel“ reichlich irritiert und „überrascht“. Vom Verhalten der Bayern-Bosse sei er „enttäuscht und ein bisschen verletzt“. Zumal er von der neuen Sachlage „aus den Nachrichten erfahren“ habe, wie er mitteilte. Dem Rekordmeister warf er vor, dass in den vergangenen Monaten immer wieder angebliche Verhandlungsdetails in die Öffentlichkeit gedrungen waren und diese „von offizieller Seite nicht dementiert wurden“.

Er sei als Person auf eine Art und Weise dargestellt worden, die „nicht der Wahrheit entspricht“, er könne „versichern, dass die Summen, die im Raum stehen“, nicht stimmten. Von bis zu 20 Mill. Euro Jahresgehalt war die Rede. Eine Summe, die möglicherweise der FC Liverpool bereit ist, zu bezahlen.

Dass Alaba seinen im Sommer auslaufenden Vertrag in München verlängert, erscheint derzeit angesichts der verfahrenen Lage unwahrscheinlich. Zumal er im Sky-Interview nunmehr verriet, dass vom FC Bayern schon vor Corona ein Tausch Alaba/Sane mit Manchester City im Raum gestanden sei. Dabei hätte er sich gewünscht, „dass Internes auch intern bleibt“. Der Verein jedoch wollte nach etlichen Gesprächsrunden „bis Ende Oktober“ eine definitive Antwort. Die Sieben-Tage-Deadline war Alaba in dieser Zeit mit mehreren Auswärtsspielen am Stück zu kurz. „Wie die Verantwortlichen dann handeln werden, habe ich gestern erfahren“, bemerkte Alaba.

Hainer wiederum machte aufseiten des Vereins „Planungssicherheit“ auf einer wichtigen Position und in einer wichtigen Personalie geltend. Womöglich wollte er auch ein Exempel statuieren, so wie einst bei Michael Ballack vor dessen Wechsel zum FC Chelsea. Hainer schlug die Tür aber auch nicht zu: „David ist ja noch acht Monate bei uns unter Vertrag und wir schätzen ihn unheimlich.“ Der gebürtige Wiener ist ein Eigengewächs, zweimaliger Triple-Champion (2013, 2020) und seit 2008 im Verein. „Ich bin ein Spieler, der wirklich sehr gerne für den FC Bayern spielt“, betonte Alaba.

Ziele sind ganz klar formuliert

Und ganz besonders heute wenn es nach Salzburg geht. „Die Vorfreude ist riesig, es ist immer schön in die Heimat zu fahren. Jetzt mit einem Champions-League-Spiel ist es natürlich umso schöner“, sagte Alaba und formulierte das klare Ziel: „Wir sind 13 Spiele ungeschlagen, diese Serie wollen wir fortsetzen.“

Allerdings wird sein Abwehrkollege Süle beim Versuch der Bayern, auch das 14. Spiel in Serie in der Königsklasse zu gewinnen, fehlen. Der Nationalspieler wurde am Montag positiv auf Corona getestet und befindet sich in häuslicher Quarantäne. „Das ist nicht schön, es ist eine Option weniger“, sagte Flick: „Ich hoffe, dass es bei dem einen Fall bleibt.“ Bei Serge Gnabry hatte sich der Befund zuletzt als falsch positiv herausgestellt.

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